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Die Sünden bleiben in der Bütt

Die Sünden bleiben in der Bütt

GREVENMACHER. Nasses Bad am Ende der Lehrzeit: Will ein Drucker "richtiger" Geselle werden, muss er ins Wasser. Erstmals wurden Auszubildende des grafischen Gewerbes aus Luxemburg, der Region Trier und dem Saarland gemeinsam "gegautscht".

Kein Ritual am Ende der Lehrzeit ist rauher als das der Lossprechung der Druckerlehrlinge. Die Gesellen der schwarzen Kunst lediglich mit einem Händedruck des Obermeisters aus der Lehrzeit zu entlassen und ihnen die Abschlusszeugnisse auszuhändigen, das wäre den Innungen zu einfach. Die Innung für das grafische Gewerbe Trier und der Cercle Graphique Luxembourgeois halten es lieber mit der Tradition. Über 50 Lehrlinge ließen - mehr oder weniger freiwillig - die nasskalte Zeremonie über sich ergehen. Mit ein bisschen Schadenfreude überwachten die Besucher im Kulturhof Grevenmacher die Zeremonie, bei der Gautschmeister, Schwammhalter (Druckermeister Karl Hochleichter) und Packer die Lehrlinge drei mal ins Wasser eintauchen. Unbarmherzig griffen die Packer auf Kommando zu. In der Mitte des feucht-fröhlichen Gautschens erwischte es aber wie aus heiterem Himmel auch einen von ihnen. Druckermeister Armin Spengler, den die Gesellen wohl schon länger im Auge gehabt hatten, landete selbst in der Wasserbütt. Ihn traf es nicht allein: Die Übeltäter fassten ein zweites Mal Mut und tunkten Christian Reuter, den Abgesandten von der Trierer Industrie- und Handelskammer, mit Schlips und Kragen in den Trog. Sein erster Eindruck deckte sich mit dem der Gesellen: "Saukalt ist das." Das lag daran, dass mit dem Fortgang des Schauspiels mehr und mehr des von der Sonne vorgewärmten Wassers überlief und deshalb nach fast jedem Tauchgang kaltes Leitungswasser nachgefüllt wurde. Gesellen geloben Besserung

Am Ende gelobten die Gesellen Besserung: "Es sei künftigan unser Bestreben, stets ein tugenhaftes Leben", antworteten sie auf die Frage von Innungsobermeister und Gautschmeister Wolfgang Raab. Gute Ratschläge für die fertigen Auszubildenden hatte Rudi Müller, Vizepräsident der Handwerkskammer Trier, im Gepäck: "Seien sie stolz auf ihr Handwerk und verstehen sie ihre Gesellenzeit als eine Zwischenstation in ihrem weiteren Berufsleben", ermahnte er die frisch Gegautschten. Mit 29 Gesellen stellte Trier die größte Gruppe bei der Lossprechungsfeier, elf kamen aus Luxemburg und zwölf aus dem Saarland. Gautschmeister Wolfgang Raab erläuterte die Herkunft des Brauchs in der schwerzen Kunst. In der Papierverarbeitung beschreibt das Gautschen den Vorgang, bei dem aus Papier das Wasser gepresst wird. "Vollwertig" sei der Geselle eben erst nach dem Tunken ins Wasserfass, von da an sei "der Makel der Lehrzeit abgelegt." Nach Luxemburg brachten die Zeremonie Druckergesellen, die von der Walz heimkehrten. Im Unterschied zum deutschen Gautschen bekommen die Luxemburger noch auf dem Rand des Fasses sitzend ein Bier zu trinken und eine Pfeife zu rauchen.