Die Tabak-Dynastie Neuerburg: Wittlicher Zigarrenfabrikanten gründen Unternehmen in Trier

Die Tabak-Dynastie Neuerburg: Wittlicher Zigarrenfabrikanten gründen Unternehmen in Trier

Einst hat es in Wittlich mehrere Zigarren- und Tabakfabriken gegeben, in denen Tabak aus der Wittlicher Senke weiterverarbeitet wurde. Eine dieser Fabriken wurde von dem vor 125 Jahren gestorbenen Johann Neuerburg betrieben. 1908 gründeten dessen Enkel Heinrich und August Neuerburg die bedeutende Zigarettenfirma Haus Neuerburg in Trier.

Trier/Wittlich. Der Anbau von Tabakpflanzen in der Wittlicher Senke hat eine lange Tradition und dient bis heute der Herstellung qualitativ hochwertiger Tabakwaren. Als die Tabakanbaufläche der Region um 1850 ihre größte Ausdehnung erreicht hatte, gab es in Wittlich und Umgebung bereits mehrere Zigarrenfabriken.Von Wittlich nach Trier


Zu diesen Fabriken zählte auch eine Zigarrenmanufaktur in der Wittlicher Burgstraße, die von dem vor 125 Jahren verstorbenen Johann Neuerburg (1805 - 1890) gegründet wurde. Die sogenannte "Tabakfabrik zur Herstellung von Pfeifen- und Strangtabaken" wurde 1866 ins Handelsregister eingetragen und 1920 in die Friedrichstraße verlegt. An diesem Standort existierte die Firma bis ins Jahr 1957.
Heinrich Neuerburg (1839 - 1901), der dritte Sohn Johann Neuerburgs, absolvierte zwischen 1854 und 1857 ein Volontariat in der Zeller Tabakfabrik Gräff und arbeitete anschließend im väterlichen Betrieb. 1865 zog er nach Trier und gründete in der dortigen Brückenstraße eine eigene Zigarrenfabrik. Acht Jahre später errichtete er zusammen mit einem Partner eine neue Tabakfabrik in Trier.
Diese befand sich in der Walramsneustraße und firmierte bis ins Jahr 1900 unter dem Namen Vogel & Neuerburg. In dem großen Unternehmen, das Zweigwerke in der heutigen Saarstraße (Trier), Zell (Mosel) und Pfalzel betrieb, arbeiteten bis zu 600 Männer und Frauen.
Nach dem Tode von Heinrich Neuerburg (1901) übernahmen zwei seiner Söhne, Heinrich (1883 - 1956) und Hubert (1881 - 1923), die Trierer Fabrik und führten die traditionelle Zigarrenproduktion zunächst fort. In den folgenden Jahren interessierten sich die Brüder Heinrich und August Neuerburg (1884 - 1944) für eine Produktion der seinerzeit noch im Entwicklungsstadium befindlichen Zigarette.
So gründeten sie im Jahre 1908 eine Zigarettenfabrik in Trier, die unter dem Markennamen "Haus Neuerburg" (H.N.) bekannt wurde.Betrieb wächst schnell


Der während des Ersten Weltkriegs stark zunehmende Zigarettenkonsum bewirkte ein rasches Wachstum des Betriebes. In der Zeit von 1919 bis 1926 entstanden Zweigwerke in Dresden, Merzig und Hamburg-Wandsbek. Darüber hinaus errichtete Heinrich Neuerburg in den Jahren 1921 bis 1923 eine große Niederlassung in Köln und übernahm später die Tabakwarenhersteller Waldorf-Astoria (Stuttgart), Zuban (München) und Halpaus (Dresden).
Nach einem langjährigen Konkurrenzkampf wurde H.N. 1935 von seinem größten deutschen Mitbewerber Philipp Reemtsma übernommen. Aus den beiden Firmen entstand die sogenannte H.N. & Ph. F. Reemtsma GmbH, die bis 1948 bestand. Im März 1950 wurde das Unternehmen H.N. von Hermann Neuerburg neu gegründet und erfolgreich am Markt positioniert. Nach dem Tode Hermann Neuerburgs (1959) veräußerten die Erben in den 1960er Jahren sämtliche Firmenanteile an die US-amerikanische R. J. Reynolds Tobacco Company (RJR). RJR-Neuerburg behielt den bekannten Markennamen H.N. für viele Jahre bei.
Im Jahre 1999 wurde RJR vom Großkonzern Japan Tobacco International (JTI) übernommen, der bis heute Zigaretten in Trier produziert.Extra

Seit 1908 betrieb die Firma H.N. eine industrielle Fertigung von Zigaretten. Zum Unternehmen Haus Neuerburg gehörten einst Niederlassungen in Trier, Köln, Hamburg und München. TV-Repros (2): Markus Philipps. Foto: Markus Philipps (phi) ("TV-Upload Philipps"
Foto: Markus Philipps (phi) ("TV-Upload Philipps"

Das milde Klima und die guten Böden der Wittlicher Senke bieten ideale Voraussetzungen für den Anbau der anspruchsvollen Tabakpflanze. Im Jahr 1820 wurde in der Region Wittlich auf einer Fläche von über 113 Morgen Tabak angebaut. Bis zum Jahr 1968 ging die Anbaufläche auf einen maximalen Tiefstand von 6,3 Hektar zurück. Heute wird im Raum Wittlich eine Tabakfläche von etwa 55 Hektar bewirtschaftet. phi

Mehr von Volksfreund