"Die Torte wird kleiner"

TRIER. In den kommenden Jahren werden die Schülerzahlen sinken. Zwar droht deshalb nach Ansicht vieler Direktoren kein Wettbewerb zwischen den sechs Trierer Gymnasien, aber dennoch lassen sie sich einiges einfallen, um ihre Schulen den kommenden Sextanern und deren Eltern vorzustellen.

Deutschland leidet unter Kinderarmut, den Schulen droht die Schülerarmut. Einer Berechnung zu Folge schrumpft die Zahl der Kinder, die pro Jahr auf eine weiterführende Schule wechseln, bis zum Ende des Jahrzehnts um ungefähr zehn Prozent. Blieben die Relationen zwischen den verschiedenen Schultypen in etwa erhalten, würde dies bedeuten: Nicht mehr knapp 700 Schüler (wie noch 2003) sind in den Sexta-Klassen der Gymnasien zu finden, sondern nur noch gut 600. Im kommenden Jahr gibt es einen derartigen Schwund zwar noch nicht, aber dennoch beginnt jetzt wieder die Zeit, in der sich die Viertklässler mit ihren Eltern Gedanken machen, welches Gymnasium für welches Kind in Frage kommt. "Das Thema ist ein ganz heißes Eisen", gesteht ein betroffener Schulleiter. "Die Torte wird immer kleiner und jeder muss sehen, dass er seine Schäfchen ins Trockene bringt." Noch ist diese Äußerung eine Einzelmeinung. Zwischen den sechs Gymnasien herrsche kein Wettbewerb, unterstreichen die meisten Direktoren. Ludwig Weyand, Schulleiter am Max-Planck-Gymnasium, erklärt sogar: "Wir müssen doch gemeinsam das städtische Gesamtprofil im Auge haben." Aber diesen Aussagen zum Trotz haben die Schulen längst begonnen, mit gezielten Aktionen die kommenden Sextaner über Schul-Profile und Konzepte zu informieren. Ein Internet-Auftritt ist längst Usus, ebenso ein nett gestalteter Flyer. Doch dann scheiden sich die Geister ein wenig: Manche Schulen setzen auf Einzel-Gespräche, andere auf größere Ein-Tages-Veranstaltungen wie einen Tag der offenen Tür oder einen Schnupper-Nachmittag. Tag der offenen Tür sorgt für volles Haus

Letzteres veranstaltet das Angela-Merici-Gymnasium schon seit vielen Jahren. "Alle Kinder, die einen Aufnahme-Antrag gestellt haben, werden zu einem solchen Nachmittag eingeladen. Das Programm wird weitestgehend von den jeweiligen Fünftklässlern gestaltet", berichtet AMG-Direktor Wolfgang Müller, für dessen Schule eine Besonderheit gilt: Weil das AMG eine private Schule ist, müssen die Schülerinnen über den Erfolg oder Miss-Erfolg ihres Antrage informiert werden, bevor die städtischen Gymnasien über die Aufnahme entscheiden. Auch Max-Planck- und Friedrich-Wilhelm-Gymnasium bieten einen solchen Nachmittag an. Die Gestaltung ist ähnlich wie am AMG. Sextaner und Quintaner stellen ihren zukünftigen Mitschülern das Gebäude vor, veranstalten mit ihnen beispielsweise eine Rallye. "Im vergangenen Jahr war das Haus voll und die Eltern haben schon seit Sommer angefragt, wann noch mal so ein Tag der offenen Tür stattfindet", erklärt Weyand, warum seine Schule diese Aktion wiederholt. Sein Kollege vom FWG, Harald Heim, hat den diesjährigen Schnuppertag schon hinter sich und ist begeistert: "Die Resonanz war sehr hoch." Auguste-Viktoria-Gymnasium und Friedrich-Spee-Gymnasium bieten hingegen Informationsabende an. Mit weniger Rahmenprogramm, zumindest aber einem Rundgang durchs Gebäude. "Unsere Veranstaltung ist in erster Linie nicht für die Kinder gedacht, sondern für die Eltern", erklärt Raimund Mirz, Orientierungsstufenleiter am FSG. Für Wolfgang Hallet, Direktor am AVG, dient der Abend ohnehin nur als Ergänzung zu der in seinen Augen wichtigsten Informations-Quelle für Eltern - dem persönlichen Einzel-Gespräch. "Dieses Gespräch hat sowohl einen informativen Charakter als auch ein beratendes Element", erläutert Hallet. Jedes Gymnasium bietet auch eine solche Möglichkeit an. Doch während sie für die meisten neben den Ein-Tages-Aktionen als eines von zwei Standbeinen dient, konzentriert sich das Hindenburg Gymnasium Trier ausschließlich auf die Einzel-Gespräche. "Wir hatten damit in den vergangenen Jahren einen großen Erfolg. Meines Erachtens nach sind sie individueller als eine große Info-Veranstaltung", meint Direktor Bernhard Bremm.