1. Region
  2. Trier & Trierer Land

"Die Trierer wollen am liebsten bis in die Halle fahren"

"Die Trierer wollen am liebsten bis in die Halle fahren"

TRIER. Die Arena Trier boomt. Der Erfolg der Großraumhalle hat aber auch Schattenseiten. Zum Beispiel für die Anwohner im benachbarten Nordviertel, denen wild parkende Veranstaltungsbesucher das Leben sauer machen. Nun regt sich zunehmend Widerstand, aber Abhilfe ist nicht in Sicht.

In den vergangenen zwei Wochen war es besonders heftig. Hansi Hinterseer und Deep Purple, Tokio Hotel und Xavier Naidoo, zwei Fastnachtsfeten, eine Pferde-Show, vier Mal Erstliga-Sport: Macht elf Veranstaltungen in 16 Tagen. Und elf Mal Verkehrschaos für die Anwohner der beschaulichen Wittlicher und Hochwald-Straße, die das Pech haben, im Einzugsbereich der Großraumhalle zu liegen. "Autofahrer parken widerrechtlich alles zu und rasen oft mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straße", schildert Anwohner Ulf Heeb seine Erfahrungen. Familie Heeb hat drei Kinder, drei von rund 25, die in den Anliegerstraßen leben. Wenn Veranstaltungen in der Arena anstehen, lassen viele Eltern sie nicht mehr auf die Straße. Rein und raus kommt ohnehin keiner: "Wir Anwohner haben keine Chance auf einen Parkplatz mehr", schimpft Simone Timmer-Schmitt. Zugeparkte Einfahrten, versperrte Wege - den Leuten reicht's. Die städtischen Verkehrshüter haben offenbar resigniert. "Das ist so chaotisch, dass man sowieso nichts machen kann. Da müssten wir ja das ganze Viertel abschleppen", beschied beim Deep-Purple-Konzert eine entnervte Politesse den Anwohner Gerd Senftleben aus der Hochwaldstraße. Die zuständige Dezernentin Christiane Horsch bestätigt das Dilemma. Bei einer Großveranstaltung sei man "logistisch gar nicht in der Lage, das Abschleppen zu organisieren", sagt die Juristin. Zudem sei die drakonische Maßnahme nur bei gravierenden Einzelfällen zulässig, "und Knöllchen sind den Falschparkern scheinbar ziemlich egal". Den Ärger der Anwohner kann Horsch verstehen, auch wenn es nach ihrer Einschätzung "abgesehen von Mammut-Veranstaltungen gar nicht so große Probleme gibt". Die Stadt selbst sei auch "richtig stinkig" auf die Autofahrer. "Wir müssen da noch mal ran", hat sie sich vorgenommen, verweist aber auch auf die Arena-Betreibergesellschaft, "die vielleicht da mehr Personal einsetzen sollte". Arena-Geschäftsführer Wolfgang Esser weist darauf hin, dass die Halle zusätzliche "Sheriffs" aufbietet, etwa um die Parkplätze der benachbarten Unternehmen in der Herzogenbuscher Straße zu deren Öffnungszeiten vor einer völligen Blockade zu bewahren. Aber das Problem des Stadtteils kann er nicht lösen. Schließlich gebe es rund um die Arena mit dem Hela-Dach-Parkdeck, dem Pack-up, dem Riverside sowie dem Bundesvermögensamt in der Dasbachstraße fast 2000 Parkplätze in einer fußläufigen Entfernung von unter 500 Metern. Häufig kommt noch der Parkplatz der Möbel-Fundgrube hinzu, auch mit Ratio verhandelt man über weitere Nutzungsmöglichkeiten. Aber viele dieser Parkplätze stünden leer, selbst kostenlose. "Die Trierer wollen am liebsten bis in die Halle fahren", sagt Esser. Auch der Manager ist genervt vom Park-Stress, sieht aber wenig Handlungsmöglichkeiten. So wird etwa das von den TBB-Basketballern mitfinanzierte Angebot, als Spiel-Besucher gratis den ÖPNV zu nutzen, kaum genutzt. Mäßige Aussichten für die Anwohner. Die wollen sich nicht als Miesepeter betätigen. "Viele von uns nützen selbst gern das tolle Angebot der Arena", versichert Ulf Heeb. "Aber es kann doch nicht sein, dass wir allein die Zeche zahlen", ergänzt Simone Timmer-Schmitt.