Die Trockenheit kommt gelegen

Die Trockenheit kommt gelegen

RIVERIS/TRIER. Bäche versiegen, der Grundwasserspiegel sinkt. Droht angesichts des trockenen Sommers bald der Wassernotstand? Keinesfalls, geben die Stadtwerke Trier Entwarnung; die Riveris-Talsperre sei ausreichend gefüllt. Unabhängig von der Witterung muss sie allerdings bis Oktober noch um zwölf Meter abgesenkt werden, weil Reparaturarbeiten anstehen.

Trinkwasser-Notstand - dieses Wort würden die Verantwortlichen der Stadtwerke wohl selbst dann nicht in den Mund nehmen, wenn die Trockenperiode über den Sommer hinaus bis zum Herbst andauern würde. Ihre grenzenlose Zuversicht in die quantitativ und qualitativ erstklassige Versorgung der Stadt Trier mit Trinkwasser hat einen Namen: Riveris-Talsperre. Seit 48 Jahren versorgt sie nun schon das Oberzentrum, das Ruwertal und teilweise auch die Verbandsgemeinde Schweich mit dem wertvollen Nass. Bei 4,7 Millionen Kubikmeter Wasser ist die Talsperre randvoll; zurzeit befinden sich etwa 3,2 Millionen Kubikmeter Wasser darin, Tendenz fallend. Der Wasserstand ging im trockenen Juli täglich um nahezu 20 Zentimeter zurück, weil die beiden Hauptzuläufe, Riverisbach und Thielenbach, mit zusammen rund 40 Litern pro Sekunde Zuspeisung bei weitem nicht die Tagesförderung von rund 33 000 Kubikmeter kompensieren konnten. Dieser "Verlust" trieb Christian Girndt, Betriebsleiter Gas/Wasser bei den Stadtwerken und verantwortlich für die Riveris-Talsperre, keine Sorgenfalten ins Gesicht. Im Gegenteil: "Wenn's nicht so trocken gewesen wäre, hätten wir Wasser ungenutzt ablaufen lassen müssen. So konnten wir es wenigstens verkaufen und sind trotzdem im Soll", denkt Girndt an die für Oktober geplanten Reparaturarbeiten, die nur bei geringer Wassertiefe vorgenommen werden können. Spezialisten tauchen dann 24 Meter tief bis in die Wasserentnahme-Stellen, um Armaturen und Rohrleitungen zu erneuern. Würde man den Wasserstand nicht absenken, müssten die Arbeiter 36 Tiefenmeter überwinden - "das wäre zu riskant und zu zeitaufwändig", sagt der Betriebsleiter. Von Wassernotstand könne allenfalls dann gesprochen werden, wenn nach Beendigung der Reparaturarbeiten ab Mitte November die Zuflüsse ausblieben und die Talsperre ihr niedriges Niveau behielte, so Girndt. Denn von den 4,7 Millionen Kubikmeter Riveris-Wasser seien nur 3,4 Millionen nutzbar. Qualitativ am besten geeignet sei das Wasser in der mittleren Talsperren-Schicht. Geringer Zulauf in trockenen Juli-Tagen

Im Notfall könnte statt des in Trier-Irsch aufbereiteten Talsperren-Wassers auf Trinkwasser des Kylltalwerks bei Kordel zurückgegriffen werden. Bis zu 22 000 Kubikmeter können dort täglich gefördert werden. In der Hinterhand hätten die Stadtwerke auch noch das Wasserwerk in Kenn, das zwar seit 1976 stillgelegt ist, aber vor fünf Jahren teilweise wieder "flottgemacht" wurde. 2500 Kubikmeter Wasser können dort nach Auskunft von Girndt an reinem Grundwasser zutage gefördert werden, allerdings nur begrenzt, weil sich auf Grund des Moselausbaus der Grundwasserspiegel gehoben hat und sich nach einigen Wochen das Uferfiltrat von der Mosel her durchdrücken würde. Im Trinkwasser-Labor der Stadtwerke werden regelmäßig Wassertests vorgenommen. "Die Trinkwasserverordnung wird übererfüllt", ist der Betriebsleiter stolz auf die Ergebnisse: wenig Natrium- und Chloridgehalt, keine Pflanzenschutzmittel nachweisbar. "Wir haben hier optimale Bedingungen, weil das 22 Quadratkilometer große Einzugsgebiet zu über 90 Prozent bewaldet ist", freut sich Christian Girndt über die zukunftsweisende Entscheidung, im Ruwertal eine Talsperre zu errichten. Im Jahr 2008 wird die Talsperre 50 Jahre alt. Das Jubiläum fällt übrigens mit der 800-Jahr-Feier der Gemeinde Riveris zusammen. "Da feiern wir gemeinsam", ist sich Girndt sicher, "die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Riveris hat immer prima geklappt."