Die ungekrönte Königin von Schweich

Etwa 20 Weinköniginnen und Weinprinzessinnen beehrten das Fest der Roemischen Weinstraße mit ihrer Anwesenheit, aber die eigentliche "Königin" war eine Ungekrönte: Schirmherrin Gabriele Pauli.

Schweich. Die Inzenierung ist perfekt: Zu den Klängen von Verdis Triumphmarsch aus Aida schreiten die Protagonisten am Freitagabend über die Weinstraße zur Rathausbühne, um das 22. Fest der Roemischen Weinstraße zu eröffnen. Und mittendrin die Hauptperson des Abends, die gebürtige Schweicherin und Fürther Landrätin Gabriele Pauli, die mit ihrer Kritik am mächtigen bayerischen Landesvater Edmund Stoiber bundesweit für Furore gesorgt hat. Viele Festbesucher sind hauptsächlich wegen ihr gekommen, inbesondere die männlichen. "Sie sieht gut aus, viel jünger als im Fernsehen", meint einer.

"Schweicher Mädchen" ist eine Moselanerin geblieben

In der Tat: Die 49 Jahre sieht man der rothaarigen Schönheit, die ein Dirndl in den bayerischen Landesfarben weiß-blau trägt, nicht an. Sie lächelt, grüßt in die Runde, schüttelt Hände. Das "Schweicher Mädchen", wie Moderator Joachim Wagner die Schirmherrin nennt, lebt seit vier Jahrzehnten in Franken, ist aber eine Moselanerin geblieben. "Ich komme immer wieder gerne hierher, um die Weinberge, die Mosel und die netten und offenen Menschen zu sehen", sagt Gabriele Pauli. In Franken lässt sie keine Gelegenheit aus, für den Rebensaft zu werben: "Ich will auch den letzten Biertrinker zum Wein trinken bringen."

Sie trage ihre Herkunft wie ein Ehrenzeichen, lobte denn auch Bürgermeister Berthold Biwer. Dass sie nicht nur Bierfässer anzapfen kann, bewies die Protektorin beim traditionellen (Wein-)Fassanstich. Der ging ohne Spritzer über die Bühne - die kamen allerdings von oben. Fünf Wochen Trockenheit und dann - ausgerechnet - der erste Regen beim Eröffnungsakt des Festes der Roemischen Weinstraße. "Das Fest zieht den Regen an", meinte ein Besucher, und auch Gabriele Pauli weiß als häufiger Festgast in Schweich, dass es dann "immer trippst".

Doch trotz des Regens harrten hunderte Festbesucher vor der Rathausbühne aus. Schließlich folgte ein weiterer Höhepunkt des Abends: die Krönung der neuen Weinkönigin der Roemischen Weinstraße, Alexandra III., durch Gebietsweinprinzessin Kathrin Eifel. Zuvor hatte ihre Vorgängerin, eine weitere Alexandra (Wagner, aus Pölich) in bewegenden Worten Abschied von Amt und Krone genommen. Die neue Weinrepräsentantin kommt aus Longen (dem gleichen Ort, in dem auch Gabriele Paulis Freund Jens-Peter Schick wohnt) und ist die Tochter von Ortsbürgermeister Hermann Rosch.

Kaum war der von der Winzerkapelle Mehring umrahmte Festakt vorbei, hörte auch der Regen auf. Zur Freude der Winzer, der Marktkaufleute und der Schweicher Einzelhändler zeigte sich dann aber das Wochenende von seiner besten Seite. Mit Temperaturen um 25 Grad gab sich der verkaufsoffene Sonntag sommerlich. Tausende kamen zum Einkaufen, Wein trinken und Flanieren. Auch die Bands erwiesen sich als Publikumsrenner. Heute, Montag, geht das bunte Festtreiben weiter; an beiden Bühnen sind von 18 bis 22 Uhr After-Work-Parties angesagt.