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Die Verbandsgemeinde Trier-Land hat nun einen Behindertenbeauftragten

Vorstellung : Neuer Ansprechpartner: Die Verbandsgemeinde Trier-Land hat jetzt einen Behindertenbeauftragten

Stefan Hoffmann übernimmt das Ehrenamt als Erster. Wieso er sich beworben hat und wie er seine neue Aufgabe angehen will.

Wenn Stefan Hoffmann über sein neues Amt spricht, dann nimmt er das Wort „Behinderte“ ungern in den Mund. „Ich finde die Bezeichnung ganz schrecklich. Das klingt sehr negativ“, meint er. Stattdessen verwendet er lieber den Begriff „Menschen mit Einschränkungen“, auch wenn dieser ebenfalls nicht optimal sei. Oder er redet von „Menschen, denen dieser Status zugeschrieben wurde“. Wie auch immer die Personengruppe bezeichnet wird – für sie ist Hoffmann jetzt jedenfalls der Ansprechpartner in der Verbandsgemeinde (VG) Trier-Land.

Der Posten des Behindertenbeauftragten wurde neu geschaffen. Hoffmann ist der erste Amtsinhaber. „Ich habe im Internet auf der Gemeindeseite die Stellenausschreibung gesehen. Dann habe ich mir das überlegt und mich beworben“, berichtet er. Daraufhin wurde der 55-Jährige zum Vorstellungsgespräch eingeladen und schließlich für den Posten genommen.

Hinter der Bewerbung steckt Stefan Hoffmanns persönliches Schicksal. „Ich war vor ein paar Jahren selbst kurz davor, dass ich zu der Personengruppe gehöre. Jetzt habe ich mir gedacht, du hattest ganz viel Glück, da kannst du was zurückgeben“, meint er. Außerdem hat der 55-Jährige bereits Erfahrung in Zusammenarbeit mit behinderten Menschen gesammelt, da er viele Jahre lang Personalratsvorsitzender bei der Bundespolizei war.

Aus dieser Erfahrung heraus weiß er auch: „In den Köpfen gibt es große Hürden.“ Menschen ohne Behinderung haben immer noch viele Vorurteile und Hemmnisse im Umgang mit Behinderten. „Da braucht es Aufklärung, viele Gespräche, ein bisschen Wachrütteln.“

Deshalb ist eines der großen Ziele, die sich Hoffmann gesetzt hat: Mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderung. „Das andere Ziel ist, den betroffenen Leuten zu helfen, die manchmal ja auch Scham haben“, erklärt er. Der 55-Jährige aus Langsur möchte behinderten Menschen in der Verbandsgemeinde zeigen, was ihnen zusteht und wie sie das erreichen können – sie also umfassend informieren.

Als erster Amtsinhaber hat Stefan Hoffmann keine genaue Aufgabenbeschreibung bekommen. „Ich habe das so wahrgenommen: Wenn es irgendwo ein Thema gibt, das in meinen Bereich mit hineinspielt, dann werde ich von der Verbandsgemeinde informiert“, erklärt er. Er könne aber auch selbst Vorschläge einbringen.

Der 55-Jährige betont: „Es geht darum, Ideen zu finden und an die richtigen Stellen zu transportieren. Vor allem auch, bevor die Entscheidungen gefallen sind. Ich möchte nicht nur pro forma im Nachhinein gefragt werden, sondern richtig beteiligt sein.“

Wie konkret Hoffmann sein Amt ausgestaltet, das steht noch nicht endgültig fest. „Ich schwimme ja gerade sozusagen noch im kalten Wasser, weil ich erst anfange“, meint er. Auf jeden Fall will er eine regelmäßige Sprechstunde einführen. Diese soll alle zwei Wochen für zwei Stunden stattfinden.

Außerdem hat sich Hoffmann bereits mit dem Behindertenbeauftragten des Kreises Trier-Saarburg ausgetauscht. „Man muss auch darauf achten, dass man sich nicht gegenseitig ausspielt. Wir haben ja sozusagen die gleiche Kundschaft“, meint er. Von seinem Kollegen will Stefan Hoffmann sich zudem inspirieren lassen: „Gutes kann man kopieren, Schlechtes kann man versuchen zu vermeiden“, meint er.

„Es ist außerdem wichtig, sich ein Netzwerk aufzubauen, beispielsweise Beziehungen in Ämter oder andere Organisationen zu schaffen“, führt Hoffmann seine Pläne weiter aus. „Ich bin auch gewerkschaftlich organisiert. Von daher kenne ich den einen oder anderen aus der Bundespolitik“, erklärt er – erste Fäden des Netzwerks sind also schon geknüpft.

Stefan Hoffmann wird den neuen Posten als Ehrenamt neben seiner Arbeit bei der Bundespolizei ausführen. Die Stelle ist zunächst auf drei Jahre beschränkt. Der 55-Jährige ist motiviert für seine neue Aufgabe: „Ich habe keine Angst vor Menschen, ich habe keine Angst vor Themen“, macht er deutlich.

Die Einführung eines Behindertenbeauftragten in der Verbandsgemeinde, so seine eindeutige Meinung, hätte wohl auch schneller gehen können. „Aber hinterher ist man immer schlauer. Wichtig ist ja jetzt in dem Zusammenhang, dass das Amt überhaupt geschaffen wurde!“

Stefan Hoffmanns Sprechstunde befindet sich derzeit noch im Aufbau. Er ist jedoch telefonisch erreichbar unter Telefon 0160/8447543.