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Die Vorbereitung dauert ein ganzes Jahr

TRIER-BIEWER. Bei einem Klassentreffen sehen sich Ehemalige womöglich das erste Mal nach vielen Jahren. Die Organisatoren eines Treffens haben mitunter viel zu tun, bis alles für die Wiedersehen-Feier geregelt ist. Ein Beispiel aus Trier. ARRAY(0x134141668)

Die Vorbereitung des Klassentreffens sei fast so schön wie das Treffen selbst, erzählen begeistert die Mitglieder des "Organisationskomitees", das sich in unregelmäßigen Abständen trifft, um die Zusammenkunft mit ehemaligen Klassenkameradinnen und -kameraden auf die Beine zu stellen. Bei den Ehemaligen des Jahrgangs 1942 aus der Volksschule Biewer ist alles genau geregelt: Margit Drumm, Ursula Theis und Hannelore Herrmann-Reis kümmern sich um die "Mädchen" und Gerd Kirsch sowie Egon Thull um die "Jungen". Mittlerweile ist die Gruppe schon geübt in den Dingen, schließlich bereiten sie nicht das erste Klassentreffen vor. "In unser erstes Treffen haben wir ein ganzes Jahr Vorbereitung gesteckt", erinnert sich Margit Drumm, bei der sich die Gruppe trifft. Wie es damals war bei der Einschulung 1948 in der "Baracke", wie 1949 Mädchen und Jungen in getrennte Klassen kamen und wie 1955 das neue Schulgebäude bezogen wurde, wissen die Ehemaligen noch ganz genau. Bei Erinnerungslücken hilft man sich gegenseitig auf die Sprünge: 28 Mädchen und 15 Jungen wurden damals in Biewer eingeschult. Vier ehemalige Mitschüler seien bereits verstorben. Immer wieder zaubern die Ehemaligen bei ihren Treffen neue Geschichten aus dem Hut, "was die Sache so interessant macht", sagt Gerd Kirsch, ohne zu verschweigen, dass es eine "heillose Arbeit" sei, die teils akribische Suche nach den Mitschülerinnen und Mitschülern von einst. Egon Thull ergänzt: "Gefunden haben wir alle." Einige "blieben Biewener Hoahnen", einige seien in Trier und in Gemeinden der Umgebung sesshaft geworden, und ein Großteil habe es in alle vier Himmelsrichtungen verschlagen, sagt Margit Drumm. Freundin Ursula Theis unterhielt viele Jahre einen Friseursalon in Biewer: "Ich konnte immer wieder mal die Kundschaft befragen. Das kam mir bei den Nachforschungen sehr entgegen." Jedoch sei man bei vielen erst über Umwege von Verwandten und Bekannten auf die aktuellen Adressen gestoßen. Egon Thull und Gerd Kirsch ließen bei ihrer Recherche nicht locker - mit Erfolg. Ein Brief sei mit dem Post-Vermerk "Unbekannt verzogen" zurückgekommen. Als man den Dingen auf den Grund ging, habe sich herausgestellt, dass ihr ehemaliger Klassenkamerad in der gleichen Stadt nur ein paar Häuser wohnte. Ohne Nachhaken wäre der Mitschüler vielleicht verloren gegangen. Margit Drumm: "Von wenigen wurden wir hängen gelassen mit den Antworten. Drei haben sich gar nicht gemeldet, trotz definitiv richtiger Adresse." Kurioses, ja sogar Makaberes, haben die Organisatoren erlebt. Weil sie mitbekommen hatten, dass ein Schulkamerad angeblich bei einer Bergtour ums Leben gekommen sei, habe man beim jüngsten Treffen während des Gottesdienstes in aller Stille des Verunglückten gedacht. Später habe sich dann herausgestellt, dass nicht der Klassenkamerad, sondern ein "Freund unseres Freundes" abgestürzt war. Egon Thull: "Der Heinz ist uns nicht böse und hat alles mit Fassung getragen." Die ehemaligen Biewener treffen sich am Sonntag, 24. September, zur Wiedersehen-Feier.