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Die Weinlese ist in vollem Gange, doch die Eisweinernte wird eine Seltenheit

Auslese : Die Schwierigkeit, Eiswein zu lesen

Erntezeit. Die Rieslinglese an der Mosel läuft. Die meisten Winzer sind mit der Qualität zufrieden. 2020 wird ein guter Jahrgang, so viel steht jetzt schon fest.

Doch die Herausforderungen, mit denen die Weinbauern zu kämpfen haben, sind gewachsen.

Wegen der heißen Sommer müssen sie sich unter anderem mit Wasserknappheit, starker Sonnenintensität, niedrigem Säuregehalt und hohen Mostgewichten auseinandersetzen. Die Veränderung des Klimas fordert ein Umdenken für die Arbeit im Weinberg: Neue Anbaustrategien müssen her, welche Rebsorten können und sollen wo am besten gepflanzt, wie Pilzkrankheiten eingedämmt werden. Doch auch wenn die Winzer all diese Hürden nehmen, eine bleibt unüberwindbar. Durch die Klimaerwärmung werden kalte Winter eine Seltenheit oder gar ganz ausfallen. Und so ernten Winzer künftig immer weniger Eiswein.

Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut stellt fest, dass der Weinjahrgang 2019 (der im Januar/Februar 2020 geerntet werden sollte) als erster Jahrgang in die Geschichte eingehen werde, in dem die Eisweinlese bundesweit ausgefallen ist.

Diese Rarität kann nämlich nur dann geerntet werden, wenn die Trauben länger als sonst üblich am Rebstock hängen bleiben und auf Temperaturen von mindestens minus 7 Grad Celsius herunterfrieren. Für den Winzer geht es dabei um alles oder nichts, denn bleibt es warm, vergammeln die Trauben buchstäblich und er muss einen Totalverlust in Kauf nehmen. Dasselbe Schicksal könnte auch dem 2020er Jahrgang widerfahren. Und so wird Eiswein bald eine noch kostbarere Rarität sein als er es ohnehin schon ist.

v.kerl@volksfreund.de