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Die Welt der Barmherzigen Brüder

Die Welt der Barmherzigen Brüder

Die fast 100-jährige Geschichte des Schönfelderhofs bei Zemmer spiegelt die sich wandelnde Betreuungskultur gegenüber Menschen mit Behinderungen wider. Was Ordensbrüder als "Arbeitstherapie" mit geistig behinderten Männern in der Landwirtschaft anstießen, ist heute Teil eines Gesundheits- und Sozialkonzerns, der Selbstbestimmung und Teilhabe in den Mittelpunkt stellt.

Zemmer/Trier. Das christliche Leitbild der Nächstenliebe, das Peter Friedhofen als Ordensgründer der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf vor 150 Jahren als Handelsmaxime für den Umgang mit kranken und behinderten Menschen ausgegeben hat, gilt auch heute noch. Es ist das Fundament, auf dem der heutige Gesundheits- und Sozialkonzern der Barmherzigen Brüder Trier mit seinen 30 Einrichtungen und fast 10 000 Mitarbeitern (BBT-Gruppe) gebaut wurde.
Zu den "Brüdern" gehört auch der Schönfelderhof (siehe Extra), wo heute überwiegend psychisch Kranke betreut werden. Obwohl sich die Einrichtung in den fast 100 Jahren ihres Bestehens stetig optisch und inhaltlich gewandelt hat und mit der Bildung von Wohngruppen und gemeindepsychiatrischen Betreuungszentren in die ganze Region und die Stadt Trier ausstrahlt, hält sich in der Öffentlichkeit hartnäckig das Vorurteil: "Da oben leben doch die Bekloppten". In der Tat hätten die Ordensbrüder in den zwanziger Jahren mit geistig behinderten Männern in der Landwirtschaft gearbeitet, um das Brüderkrankenhaus in Trier mit Lebensmitteln zu beliefern, sagt der Hausobere Werner Schmitz (53). Heute gehe die Betreuung jedoch weit über die Arbeitstherapie hinaus: "Die Klienten sollen nicht nur versorgt sein, sie sollen auch befähigt werden, wieder in ihre Gemeinden und ins Berufsleben zurückzukehren." Erstmals steht mit Schmitz, der 2005 die Stelle antrat, kein Ordensbruder an der Spitze des Schönfelderhofs. Als Religionspädagoge und Betriebswirt hat er beste Voraussetzungen, um christliche Tradition mit kostenorientierter, moderner Sozialbetreuung in Einklang zu bringen.
Wachte früher noch Bruder Camillus auf dem soweit wie möglich von der Außenwelt abgeschotteten Schönfelderhof darüber, dass die Schutzbedürftigen der Feldarbeit nachgingen, entwickeln heute "Casemanager", das sind meist Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, individuelle Hilfen für alle Lebensbereiche. Die "Klienten", wie die zu Betreuenden genannt werden, sollen den Prozess mit steuern. Systematisch werden Lebensumstände, Krankheitsbilder und Fähigkeiten ausgewertet, um die bestmöglichen Hilfen herauszufiltern.
Von der Institution zur Person - so lautet die Devise. Jeder Betroffene soll die auf seine Bedürfnisse zugeschnittenen Betreuungsangebote erhalten. Das ist auch das Bestreben der St. Bernhards-Werkstätten auf dem Schönfelderhof: Jeder Klient durchläuft zunächst kleine Übungswerkstätten, wo seine Fähigkeiten und Neigungen getestet werden, bevor er als Arbeitskraft in Bäckerei, Gärtnerei, Wäscherei oder Schreinerei eingesetzt wird.
Bau von Betreuungszentren


Ende der achtziger Jahre war der Schönfelderhof - dann auch mit betreuten Frauen - eine der ersten Einrichtungen, die die Psychiatriereform mit neuen Wohn- und Betreuungskonzepten verwirklichten. Nach und nach, von 1997 bis 2007, entstanden Gemeindepsychiatrische Betreuungszentren (GPBZ) in Hermeskeil, Prüm, Daun, Bitburg und Schweich. Ab 1993 wurden Betreuungsangebote in der Stadt Trier aufgebaut. Statt in der Kerneinrichtung, dem Schönfelderhof, sollten die Menschen in ihrem gewohnten Lebens- und Wohnumfeld betreut werden. Für Albert Mandler, Leiter Gemeindepsychiatrische Angebote, ist das aber kein Grund, sich selbstzufrieden zurückzulehnen: "Die Wiedereingliederung von psychisch Kranken in die Gesellschaft ist längst noch nicht zufriedenstellend. Auch wir auf dem Schönfelderhof wollen weiter daran arbeiten."Extra

Sommer-Serie: Den Sommer über stellt der TV in lockerer Folge die Einrichtung der Barmherzigen Brüder vor. Wie werden die psychisch Kranken betreut, wie leben, wohnen, arbeiten sie? Ferner: Der Schönfelderhof als Wirtschaftsfaktor und seine Rolle in Region und Gesellschaft. alfExtra

So war's früher: Pferde ziehen Bruder Camillus auf einem Pflug. Foto: privat.

Der Schönfelderhof unterhält in Trägerschaft des Vereins "Barmherzige Brüder Trier" gemeindepsychiatrische Betreuungsangebote für derzeit etwa 460 Menschen. Davon sind knapp 100 stationär in Zimmern untergebracht; 55 bekommen eine Intensivbetreuung in Wohngruppen. Mehr als 300 Personen leben in ambulanten, gemeindenahen Wohngemeinschaften. Mitarbeiter: rund 200. alf