Die wundersame Vermehrung der Tabuzonen

Die wundersame Vermehrung der Tabuzonen

Unter Berücksichtigung der bisher bekannten Ausschlusskriterien für die Windkraftnutzung schickt die VG Schweich ihren Flächennutzungsplan ins Beteiligungsverfahren. Behörden und Verbände können Stellung beziehen.

Schweich/Fell/Riol. Vier große Windräder sollen auf die Feller Höhe, fünf nach Riol, und auch der Windpark Mehring soll erweitert werden. Soweit die Planung der Gemeinden. Doch ist in der Verbandsgemeinde Schweich überhaupt noch Platz für neue Windmühlen? Diese Frage stand am Dienstag im Raum, als Planer Egbert Sonntag dem Verbandsgemeinderat Schweich die Ausschlussbereiche für die Windenergienutzung präsentierte. Da sieht man jetzt klarer, nachdem das Land den Winderlass herausgegeben hat (der TV berichtete).
Kulturlandschaften fehlen


Am Anfang sahen die vom Beamer an die Wand geworfenen Umrisse der 164 Quadratkilometer großen Verbandsgemeinde Schweich noch ziemlich übersichtlich aus: viel weiße Fläche war zu sehen, die luftreichen Höhenlagen, die sich für die Windstromproduktion eignen, waren hervorgehoben. Dann legte der Planer nach und nach etwa ein Dutzend farbig markierte Tabubereiche für Windenergienutzung über die Karte, darunter Schutzabstände zu Siedlungsbereichen, Naturschutzgebiete, Vogelschutzgebiete und Wasserschutzzonen. Die weißen Bereiche wurden zusehens kleiner. "Herr Sonntag, wenn sie so weitermachen, bleibt nichts mehr übrig", bemerkte Bürgermeisterin Christiane Horsch. Sie verwies darauf, dass bei den Ausschlusskriterien die vom Land für Mai angekündigte Aufstellung der historischen Kulturlandschaften ebenso fehle wie das Landesgutachten zur Mopsfledermaus. Wie berichtet, war ihr Vorkommen im vorderen Hochwald nachgewiesen worden, und um Wochenstuben der Mopsfledermaus müssen große Schutzabstände eingehalten werden. Weitere sogenannte windkraftsensible Arten sind der Rotmilan (1500 Meter Schutzradius) und der Schwarzstorch (3000 Meter).
Vorbehaltlich weiterer Standortprüfungen ist davon auszugehen, dass nur noch im Windpark Mehring Potenzial für weitere Windräder besteht. Dort, in Autobahnnähe, gibt es bereits acht Windräder. Es sind die einzigen in der ganzen Verbandsgemeinde (VG) Schweich. "Es würde mich freuen, wenn es so käme", sagt Uwe Spanier, Mitglied im Verbandsgemeinderat und im Vorstand des Feller Vereins Gegenwind. Dieser bekämpft die geplanten Windräder in Fell und Riol. Die Lärmbelästigung durch die großen Anlagen von Waldrach sei für die Feller schon extrem genug, sagt Spanier, wenn jetzt auch noch Fell und Riol hinzukämen, sei man total eingekesselt.
Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung beschloss der Rat, das Verfahren zur Aufstellung des Flächennutzungsplans fortzusetzen. Grundlage ist eine Empfehlung der Arbeitsgruppe Windenergie. Konkret heißt das: Die öffentlichen Träger, darunter Behörden, Kommunen und Umweltverbände, werden um Stellungnahme gebeten; später können auch die Bürger die Pläne einsehen und Einsprüche geltend machen.
Laut Verwaltungschefin Horsch will die VG den Flächennutzungsplan juristisch so sattelfest gestalten wie nur irgend möglich. Neben der Windenergie sollen auch die Flächennutzungspläne "Freiflächensolaranlagen" und "Wohnbauland" aktualisiert und fortgeschrieben werden (Berichte folgen).Meinung

Da gehören keine Windräder hin
Die Präsentation der Ausschlussgebiete für Windkraft im Verbandsgemeinderat Schweich war Wasser auf die Mühlen der "Gegenwind"-Protestler aus Fell und Riol. Denn es sieht nicht gut aus für Windräder in diesen Moselorten. Und das aus mehreren Gründen: Erstens wird die Fauna und Flora im Feller Tal als sehr schützenswert eingestuft - da liegt die Latte für Windkraft besonders hoch. Zweitens liegt die Wahrscheinlichkeit nahe, dass die seltene Mopsfledermaus hier vorkommt - im Osburger Hochwald wurde sie ja schon nachgewiesen. Das bedeutet, dass in einem Radius von fünf Kilometern, in dem sie jagt und Unterschlupf findet, kein Windrad aufgestellt werden darf. Und drittens ist davon auszugehen, dass das Moseltal zu großen Teilen zu den bedeutsamen historischen Kulturlandschaften zählen wird, die ja auch von Windmühlen verschont bleiben sollen. Berücksichtigt man dann noch, dass Anlagen im Verbund erwünscht sind und nicht einzeln stehen sollen, dann muss man sich in der Tat fragen, wo an der Mosel noch Freiräume für Windräder sein sollen. Um es kurz zu sagen: Hier gehören auch keine hin. a.follmann@volksfreund.de

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