Die Zukunft der Grundschule Egbert: Wackelpartie am Trierer Amphitheater

Stadtentwicklung : Wackelpartie am Trierer Amphitheater

Neue Entwicklungen in der Denkmalpflege könnten die gemeinsamen Pläne für Egbert-Grundschule und die Kita St. Agritius  zunichte machen.

In der Kita St. Agritius besteht Handlungsbedarf. Die beliebte Einrichtung im Trierer Gartenfeld ist zu klein und muss saniert werden. Zudem müssen die derzeit drei Gruppen mit Beginn der Sommerferien in Räume der Grundschule Olewig ausgelagert werden, weil die Ursache für Schimmelbefall in dem Gebäude gefunden und die Folgen beraten werden müssen. Die Idee, auf dem baumreichen Gelände unterhalb des Amphitheaters ein neues Kita-Gebäude zu errichten und Funktionsräume wie die Mensa gemeinsam mit der zu sanierenden Grundschule Egbert zu nutzen (TV vom 10. Januar), stieß selbst bei Kritikern der Schulsanierung auf Wohlwollen. Doch diese Pläne könnten sich in Luft auflösen.

„Eine kurzfristige Lösung mit St. Agritius wird nur sehr schwer, eigentlich gar nicht möglich sein“, sagte Baudezernent Andreas Ludwig in der jüngsten Sitzung des Stadtrats. Er reagierte damit auf einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen. Mit Unterstützung der CDU-Fraktion wurde dennoch die Verwaltung beauftragt, bis Ende September Machbarkeit und Kosten für den Bau einer Kita auf dem Egbert-Grundstück an der Olewiger Straße zu untersuchen. „Wir wollen, dass schnell geklärt wird, ob die Kita St. Agritius am derzeitigen Standort bleibt oder verlagert wird“, begründete Dominik Heinrich, Grünen-Ratsmitglied und Ortsvorsteher des Stadtteils Trier-Mitte/Gartenfeld.

Ein Vorhaben des Internationalen Rats für Denkmalpflege (Icomos), im Umfeld von Welterbestätten wie dem Amphitheater Schutzzonen als Puffer zu deklarieren, steht diesem Wunsch entgegen. Baudezernent Ludwig: „Ich werde im Mai Gespräche mit Welterbe-Managern darüber führen, wie die beabsichtigten Pufferabstände realisiert werden sollen. Bis das Ergebnis feststeht, wird es ungefähr ein Jahr dauern.“

Foto: TV/Lambrecht, Jana

Wie pessimistisch Ludwig und seine Mitarbeiter im Baudezernat sind, ist in der Vorlage für das kommunale Investitionsprogramm 3.0 zu lesen, dessen Kapitel für die Investitionen in die Schulinfrastruktur vom Stadtrat einstimmig verabschiedet worden ist. Nach dem Ersatzbau der Wolfsberghalle steht die Generalsanierung der Egbert-Grundschule auf Platz zwei dieser Prioritätenliste.

„Nach Informationen des Dezernates IV wird der Internationale Rat für Denkmalpflege voraussichtlich einer Sanierung im ursprünglichen Umfang nicht zustimmen“, ist in dem Papier vermerkt. „Danach wäre lediglich ein Ersatzbau für drei Pavillonklassen und die Herstellung der Barrierefreiheit förderfähig.“ Auswirkungen hätte das nicht nur auf die bislang verfolgte Planung, durch die gemeinsam mit einer neuen Kita genutzte Infrastruktur – wie zum Beispiel eine Mensa – die räumliche Situation in der zweizügigen Grundschule deutlich zu verbessern. Sollten die Einschätzung der Verwaltung zutreffen, hätten die neuen Vorgaben der Denkmalpflege auch erhebliche Auswirkungen auf die Kosten: Die bislang veranschlagten Eigenleistungen von 1,66 Millionen Euro würden sich dann um 1,57 Millionen Euro erhöhen und damit fast verdoppeln.

Für die seit Herbst 2013 wegen starken Schimmelbefalls geschlossene Grundschule Egbert, die in den 50er Jahre nach den Plänen des Trierer Architekten Alfons Leitl als „Schule im Grünen“ gebaut worden ist, wird sich der Beginn der Sanierung nun noch einmal verzögern. Das Frühjahr 2020 hatte Frank Simons, Leiter des Amts für Gebäudewirtschaft Trier, im Januar als optimistischste Prognose bezeichnet. Die neuen Entwicklungen mit Blick auf den Schutz des Amphitheaters werden das definitiv verhindern. Warten müssen auch die konkreten Pläne für die Zukunft der Kita St. Agritius.

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