„Diese Baustelle kostet uns die Existenz“ - Schwere Maschinen machen City-Gastronomen das Leben schwer

Trier · Zwei Eiscafés in der Trierer Innenstadt klagen über enorme Umsatzeinbußen: Lärm und Staub, Bohren und Hämmern auf den Baustellen direkt nebenan vertreiben die Kunden. „Das kostet uns die Existenz“, sagt einer der Betreiber.

Der Wohnungsmarkt in Trier ist hart umkämpft. Insbesondere in der Innenstadt übersteigt die Nachfrage bei Weitem das Angebot, Mieten und Immobilienpreise sind hoch. Der Markt reagiert, Eigentümer und Investoren lassen in den Sommermonaten an vielen Stellen abreißen, neu bauen und kernsanieren. Wer direkt nebenan wohnt oder ein Geschäft betreibt, das auf Tageskundschaft angewiesen ist, muss mit hohen Belastungen fertig werden.

Die Probleme: Das Café Veneziano sitzt in der Grabenstraße, sein Inhaber Alexander Dürr sieht seinen Betrieb in Gefahr. Denn direkt nebenan lässt Multi-Unternehmer Peter Brommenschenkel, einer der größten Immobilienbesitzer Triers, ein neues Geschäftshaus bauen. "Wir sind durch die permanenten Störungen der Nachbarbaustelle so stark beeinträchtigt, dass es uns langsam die Existenz kostet", sagt Dürr. "Dieses Café existiert seit 1996. Es kann doch nicht sein, dass wegen einer Baustelle Menschen ihren Job verlieren und Unternehmen kaputtgehen." Dürr betont, er wolle klagen.
Das Eiscafé Rigoni befindet sich ein wenig abseits der Fußgängerzone in der vorderen Paulinstraße. Auch hier läuft direkt nebenan ein großes Projekt, ein Wohnhaus wird neu errichtet. "Ich verstehe natürlich, dass hier gebaut werden muss", sagt Fortunato Rigoni, der Chef des Familienbetriebs. "Aber der Lärm durch Bohrer und Presslufthämmer ist für uns eine Katastrophe." Rigoni schätzt seinen Umsatzverlust im Sommergeschäft auf 30 Prozent. "Bei diesem Lärm ist es tagsüber eben nicht mehr möglich, sich hier in Ruhe hinzusetzen, einen Kaffee zu trinken oder ein Eis zu essen", sagt Rigoni.
Zwei Beispiele, die stellvertretend für viele andere stehen. Auch Privathaushalte sind natürlich betroffen. "Es ist hier wirklich extrem", sagt ein Anwohner der Paulinstraße. "Man hat das Gefühl, hier wird sei Jahren pausenlos gebaut. Wenn man mal einen Tag frei hat, kann man sich zwischen acht und 17 Uhr nicht mehr in der eigenen Wohnung aufhalten, weil man dort sein eigenes Wort kaum noch versteht. Dieser Lärm geht wirklich durch alle Wände."

Der Bauherr: Peter Brommenschenkel stellt sich auf Anfrage des TV den Vorwürfen seines Nachbarn Alexander Dürr. "Ich verstehe selbstverständlich, dass Lärm und Staub Probleme bereiten", sagt er. "Wir versuchen so gut es geht, auf die Beschwerden einzugehen und zu helfen. Aber die Bauarbeiten sind unumgänglich, und es muss auch grundsätzlich möglich sein, in einer Innenstadt bauen zu dürfen."
Brommenschenkel kündigt an, der Rohbau und das Dach des geplanten Geschäftshauses in der Grabenstraße sollen Ende September oder Anfang Oktober fertig werden. "Danach folgt der Innenausbau."
Der Bauherr des Projekts in der Paulinstraße hat die Anfrage des TV nicht beantwortet.

Die Rechtslage: Baulärm stört, bricht aber nicht das Gesetz. Es gibt keine Dezibelgrenzen für Bohrer und Presslufthämmer, Bagger und Kreissägen. Der Gesetzgeber legt nur die Zeiten fest, innerhalb derer schwere Maschinen betrieben werden dürfen: Sonn- und Feiertage sind tabu, aber an Werktagen, auch an Samstagen, dürfen die Arbeiten von 7 bis 20 Uhr laufen. Das Bundesimmissionsschutzgesetz unterscheidet dabei nicht zwischen privatem und gewerblichem Baulärm.