Diese Trierer Kardiologin will das Warten auf Befunde verkürzen

Gründerinnen-Preis : Diese Trierer Kardiologin will das Warten auf Befunde verkürzen

Dr. Enise Lauterbach erhält den ersten Gründerinnenpreis der Region. Von ihrer Erfindung sollen Patienten und Ärzte profitieren. Mit ihrer Selbstständigkeit geht sie auch ein großes Risiko ein.

Kennen Sie das? Sie waren beim Facharzt. Nachdem Sie schon wochen- oder monatelang auf einen Termin gewartet haben, steht endlich die Untersuchung an, die Ihnen sagen soll, woher die Beschwerden kommen, die Sie schon lange quälen. Sie hoffen, dass es nichts Ernstes ist – und nach der Untersuchung ist diese Angst umso präsenter.

Sie müssen sie erst einmal aushalten, denn bis der Befund da ist, dauert es noch einige Tage. Das liegt daran, dass die Kommunikation zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern oftmals schwierig ist, weil sich diese nicht erreichen können. Die Leidtragenden: Sie mit Ihren Befund, der auf sich warten lässt.

Ein Unding – findet Dr. Enise Lauterbach (44) aus Trier. Sie möchte der Befund-Warterei ein Ende setzen. Für ihre Idee eines Ärzte-Messengers wurde sie am Freitag bei der IHK Trier mit dem ersten Gründerinnen-Preis ausgezeichnet. Lauterbach hat bis 2018 als Kardiologin im Trierer Brüderkrankenhaus gearbeitet.

Und dort fiel ihr auf, woran es liegt, dass die Befunde oft lange brauchen: „Es ist einfach eine Zeitnot da“, sagt sie. Wenn beispielsweise Röntgenbilder oder Pathologiebefunde gebraucht würden, werde oftmals stundenlang herumtelefoniert. Und diese Stunden, so Lauterbach, habe man nicht immer: „Wir haben auch viele Notfälle, da kann man nicht so lange warten.“

Selbst, wenn nach der Telefon-Arie dann klar sei, wo der Befund ist, brauche man immer noch ein Fax. „Ich konnte es nicht glauben, dass wir Faxe hin- und herschicken – da werden sogar Röntgenbilder gefaxt.“ Die Kardiologin hat selbst oft die Erfahrung gemacht, dass die Patienten stundenlang vor ihr sitzen und auf ihre Befunde warteten: „Es ist eine Katastrophe“, sagt sie. Es müsse doch schnellere und leichtere Wege geben. Die gab es nicht, Lauterbach erfand „Consil!um“, einen Ärzte-Messenger, der die obengenannten Prozesse erleichtert und beschleunigt. Das sei auch für den Patienten gut, denn man könne schneller diagnostizieren und behandeln.

„Wenn es um Leben und Tod geht, dann müssen wir die Befunde direkt haben“, sagt sie. Das soll ihr Messenger ermöglichen. Außerdem soll es möglich sein, dass Ärzte sich gegenseitig Befunde schicken, wenn sie Rücksprache halten müssen. Daher kommt auch der Name. Consilium steht für „eine Beratung mehrerer Ärzte über einen Krankheitsfall“.

Aber Moment, will ich als Patient, dass meine Befunde – also mit die sensibelsten Daten überhaupt – über das Internet verschickt werden. Ist das sicher, bei all den Hacking-Skandalen, die immer wieder in den Medien kursieren? „Mir ist wichtig, dass die Daten in Deutschland gesichert werden“, sagt die Kardiologin. Um zu verhindern, dass die Daten wegkommen, haben die Ärzte und Krankenhäuser die Möglichkeit, die Daten aus der Cloud herunterzunehmen und in die hauseigenen Systeme einzuspeisen. Nach 30 Tagen werden die Daten vom Server gelöscht. Um zu testen – und auch zu beweisen – dass die Daten sicher sind, dreht Lauterbach den Spieß um: „Ich nutze White-Hacking.“ White–was? Das bedeutet, dass man selbst das System hacken lässt, um zu testen, wo die Schwachstellen sind. „Das ist teuer“, sagt die Gründerin, „aber unsere Daten können nicht teuer genug sein“. Sie meint es ernst.

Das beweist auch, dass Lauterbach für ihr Start-Up alles auf eine Karte setzt: „Klar, ich war unbefristet als Ärztin angestellt.“ Es sei schon ein Risiko, das aufzugeben. Aber: „Was soll passieren?“, dachte sie sich. Bei der Finanzierung kommt ihr dabei jedoch ihr Alter etwas in den Weg. „Es gibt Fördergelder, aber ich bin nicht frisch vom Studium und müsste es ja nicht machen.“ Immerhin gebe es auch genügend freie Arztstellen. Deswegen kommen viele Fördermöglichkeiten für sie nicht in Frage – ein gewöhnlicher Bankkredit muss her.

Sie stehe momentan in Verhandlungen mit einem Krankenhaus in der Region, das einen solchen Dienst sucht. „Wenn das alles klappt, dann kann es in vier Wochen losgehen“, sagt die 44-Jährige motiviert. Und wenn alles gut läuft, dann sind die Lauterbach’schen Innovationen noch nicht am Ende: „Wenn das funktioniert, dann wird man über die App auch Termine und Arztgespräche führen. Das ist die Zukunft.“

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