Dieser Mann steht für Kultur und Völkerverständigung
Trier · Für seine Verdienste um die deutsch-polnischen Beziehungen und das kulturelle Erbe erhält Anton Viktor Wyrobisch heute das Bundesverdienstkreuz. Der pensionierte Lehrer setzt sich seit mehr als 30 Jahren für Völkerverständigung sowie kulturelle Förderung und Integration ein.
Trier. Engagiert, kommunikativ und visionär: Das ist Anton Viktor Wyrobisch. "Ich finde die verschiedenen Kulturen unheimlich interessant und will sie zusammenbringen", sagt der 66-Jährige. Zeit seines Lebens hat er sich für die interkulturelle Völkerverständigung und Friedensintegration eingesetzt.
Geboren wurde Anton Viktor Wyrobisch im oberschlesischen 4500-Seelen-Ort Groß-Döbern im Kreis Oppeln in Polen, als Sohn eines Textilhändler-Ehepaares. Die Grundschule besuchte er in Polen, bevor er im Alter von zehn Jahren mit der Familie ins Saarland zog. Zum Studium der Theologie und Psychologie kam Wyrobisch nach Trier, traf hier seine Frau und blieb. Heute ist er mehrfacher Großvater.
Von 1973 bis 2013 war der Vater von drei erwachsenen Söhnen Lehrer für katholische Religion und Latein am Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasium und setzte sich dort für Werte- und Kulturvermittlung ein. Er veranstaltete ab 1985 mehr als 50 Begegnungs- und Austauschtreffen mit mehr als 1000 teilnehmenden Schülern mit einer polnischen Partnerschule aus Krakau.
2013 ging er in den Ruhestand, pflegt aber bis heute gute Kontakte zu Lehrern und Schülern und leitet die Arbeitsgemeinschaft "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule". Von 1987 bis 2013 war Wyrobisch Landeskoordinator der rheinland-pfälzischen Unesco-Projekt-Schulen. Die Idee dahinter ist, jungen Menschen kulturelles Erbe, deren Erhaltung, Werte und soziale Bildung näher zu bringen.
Über die schulischen Grenzen hinaus engagierte sich Wyrobisch für den interkulturellen Austausch und gründete 1996 die deutsch-polnische Gesellschaft, die mittlerweile mehr als 100 Mitglieder zählt.
Sein derzeitiges Hauptprojekt ist die 1714 erbaute Trierer Welschnonnenkirche. "Die Kirche liegt mir sehr am Herzen", erklärt Wyrobisch. Der Zustand des Sakralbaus lasse jedoch zu wünschen übrig. Deshalb hat er die Gemeinschaftsaktion "Welschnonnenkirche sucht Dach-Paten" initiiert (der TV berichtete).
"Ich bleibe nicht stehen. Das ist nicht meine Art", sagt Wyrobisch. In absehbarer Zukunft will er die Kultur- und Naturlandschaft Mosel als Gemeinschaftsprojekt von Unterstützern aus Deutschland, Frankreich und Luxemburg zum Unesco-Weltkulturerbe machen.
Von seiner Einladung ins Schloss Bellevue nach Berlin ist der 66-Jährige überwältigt: "Das ist für mich eine große Ehre." nst