Dieses Auto wird in Trier gebaut: Ein Team der Hochschule Trier entwickelt den Protron Evolution

Dieses Auto wird in Trier gebaut: Ein Team der Hochschule Trier entwickelt den Protron Evolution

Autoproduktion in Trier – ist das möglich? Absolut. Ein Team der Hochschule Trier hat ein alltagstaugliches Elektroauto entwickelt und wird es ab 2017 auch bauen. Nicht zum ersten Mal wird aus einem Trierer Forschungsprojekt ein Produkt, das den Markt beeinflussen kann.

Die Entwicklung eines neuen Fahrzeugs ist allein schon personell ein Mammutprojekt. 70 Studenten arbeiten mit 30 Firmen zusammen, um den Elektro-Viersitzer auf die Straße zu bringen. Foto: JEFF LAHR (h_st )



Es ist kein dicker Jeep, kein flacher Flitzer, keine wuchtige Limousine. Das Fahrzeug trägt den Namen Protron Evolution und folgt keiner der Kriterien, die den Automobilmarkt seit Jahrzehnten prägen. Statt um Pferdestärken, Hubraum und Komfort geht es um Effizienz, Innovation und Nachhaltigkeit.

Der Name Protron wird viele autoaffine Menschen in der Region Trier aufhorchen lassen. Seit 2006 nimmt das Team Protron der Hochschule Trier mit seinen Fahrzeugen am Shell Eco-Marathon teil. Dieser Wettbewerb dreht sich nicht um Tempo und Rundenzeiten, sondern um den möglichst geringen Verbrauch von Energie.

Das Modell Protron schaffte eine Reichweite von 3500 Kilometern - mit einer Strommenge, deren Energie einem Liter Superbenzin entspricht. 2011 siegte das Modell Aeris, und auch in den Jahren danach blieb das Trierer Protron-Team Stammgast in der Spitzengruppe des Eco-Marathons.

"Der Protron Evolution ist das erste alltagstaugliche Straßenfahrzeug des Teams", sagt Johann Wacht von der Teamleitung. "Er wird vollständig an der Hochschule Trier entwickelt und ab Januar 2017 auch gefertigt."

Aus einer Gruppe von Studenten, die ursprünglich Prototypen für Energieeffizienz-Wettbewerbe baute, ist ein Projekt geworden, das ein Elektroauto für den Alltagsbetrieb entwickelt. Das Team wächst rasant. Über 70 Studenten aus allen Teilen der Region und über deren Grenzen hinaus arbeiten mittlerweile mit 30 Firmen zusammen. Professor Hartmut Zoppke leitet das Projekt und ist laut Johann Wacht "Wegbegleiter seit der ersten Idee". Er betont die Forschungsaspekte des Projekts, das sich in den Schwerpunkt "Mobilität der Zukunft" eingliedert. "Denn Zukunftsfähigkeit bedeutet genau das: innovativ, ultraleicht, hocheffizient, nachhaltig, alltagstauglich."

Wacht erläutert die Details: Der Protron Evolution soll eine Mindestreichweite von 100 Kilometern haben und sei damit für den innerstädtischen und stadtnahen Pendlerverkehr und kurze Überlandfahrten konzipiert. "Der Viersitzer soll auf ein Gesamtgewicht von 550 Kilo inklusive Akku kommen." Ein Resultat der konsequenten Leichtbauweise. Einen Schwerpunkt bei der Entwicklung bilde die innovative Sicherheitszelle aus faserverstärktem Kunststoff in Monocoque-Bauweise. Dabei setzt das Team auf Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen - eine Kombination der für eine Straßenzulassung notwendigen Crashsicherheit mit einer positiven Energiebilanz des Herstellungsprozesses.

Wer den Protron Evolution kaufen will, muss sich gedulden, denn eine Serienproduktion mit erschwinglichen Preisen ist noch nicht in Sicht. Es wäre nicht das erste marktreife Produkt, das auf einem Projekt der Hochschule Trier basiert. Vier Absolventen des Studiengangs Intermedia Design haben das Computerspiel In Between entwickelt, es zur Marktreife gebracht, dafür 2015 den Deutschen Computerspielpreis erhalten und das Entwicklerstudio Gentlymad gegründet.

Ein halbes Jahr nach dem Start gibt es weiter kaum Interesse an der Kaufprämie für Elektroautos. Bis zum 1. Januar 2017 wurden insgesamt lediglich 9023 Anträge auf eine Prämie gestellt, wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle am Montag in Eschborn mitteilte. Davon waren rund 5100 Anträge für reine Elektroautos und knapp 3900 für Plug-In-Hybride.

Von den einzelnen Anträgen entfielen 2592 auf ein Fahrzeug von BMW, gefolgt von Renault mit 1658, Audi mit 1188 und VW mit 887. Fast die Hälfte der Anträge kam von Unternehmen.
Die Kaufprämie kann seit Anfang Juli beantragt werden. Die Förderung gilt rückwirkend für Fahrzeuge, die seit dem 18. Mai gekauft wurden. Für reine Elektrowagen mit Batterie gibt es 4000 Euro, für Hybridautos, die per Stecker geladen werden und einen ergänzenden Verbrennungsmotor haben, sind es 3000 Euro. Bund und Hersteller teilen sich die Kosten von 1,2 Milliarden Euro. Mit der Prämie soll eigentlich die Nachfrage nach E-Autos angekurbelt werden.

Die Stadtwerke Trier investieren 1,7 Millionen Euro in drei neue Elektro-Busse, die im Trierer Innenstadtverkehr eingesetzt werden. Die Busse werden über ein Ausschreibungsverfahren beschafft. Im Anschluss werden die Fahrzeuge für den Einsatz in Trier ausgerüstet und gehen in den Probebetrieb. Läuft alles nach Plan, rechnen die Verantwortlichen bei den Stadtwerke-Verkehrsbetrieben mit einem Linieneinsatz spätestens ab Mitte des Jahres.

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