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Diesmal fällt die Fete flach

Diesmal fällt die Fete flach

Triers Alt-OB Helmut Schröer wird heute 75, weicht aber gut gelaunt den Gratulationen und Feierlichkeiten aus.

Trier Wer Helmut Schröer heute zu seinem 75. Geburtstag gratulieren will, wird vor verschlossener Tür stehen. "Meine Frau und ich sind am Donnerstag nicht da", klärt der Alt-Oberbürgermeister auf. Es gibt auch nicht den sonst für die CDU üblichen Parteiempfang. Auf Wunsch des Jubilars: "Über so etwas können wir in fünf Jahren nochmal reden, wenn der liebe Gott mir die Gesundheit beschert und mich 80 werden lässt."
Ein Dreivierteljahrhundert Helmut Schröer öffentlich ungefeiert - das sind neue Töne des einst Omnipräsenten. Die erstaunliche Begründung: "Der 50., 60. und 70. Geburtstag wurden relativ groß gefeiert. Meine drei Enkel sagen: ,Wir haben oft genug gehört, was für ein toller Hecht du bist. Das reicht vorläufig'."
Was aber keineswegs bedeutet, dass Schröer nicht mit Stolz zurückblickt. "So falsch kann das, was ich getan habe, nicht gewesen sein. Die Leute grüßen mich ja immer noch, wenn sie mich sehen und sind ganz freundlich zu mir …"
Schröer selbstironisch und mit Schalk im Nacken - auch das kennt man eher weniger von ihm. "Ja, Alter macht entspannter", räumt der Mann ein, der optisch glatt für 65 durchgehen könnte. Als Kommunalpolitiker hat er sich wenig Entspannung gegönnt. Dazu war er zu ehrgeizig. Und immens fleißig und effektiv, wie auch Wegbegleiter, die nicht zu seinen Parteifreunden zählen, eingestehen müssen. Schon lange, bevor Schröer seinem Vorgänger Felix Zimmermann 1989 offiziell ins OB-Amt folgte, führte im Rathaus kein Weg an ihm vorbei. Er galt als der heimliche Macher und Strippenzieher.
Der bis dahin "waschechte kölsche Jung" kam 1970 als Berufsschullehrer nach Trier. 1977 wurde er Wirtschaftsdezernent, 1987 Bürgermeister. Wenn Helmut Kohl der "ewige Kanzler" war, dann war Vornamensvetter Schröer der "ewige Oberbürgermeister": Angehörige des Geburtsjahrgangs 1989 mussten erst volljährig werden, um ein anderes Stadtoberhaupt zu erleben. Das war 2007 Klaus Jensen, auf den 2015 der amtierende Rathaus-Chef Wolfram Leibe folgte.
In der "ewigen Liste" belegt Schröer aber nur Rang vier hinter Rekordhalter Karl de Nys (Amtszeit 1862 bis 1904), Albert von Bruchhausen (1904 bis 1927) und Wilhelm von Haw (1818 bis 1839). Dafür ist er aber (für seine zweite Amtszeit ab 1999) der erste direkt von den Trierern und nicht wie dahin üblich vom Stadtrat gewählte OB.
Entzugserscheinungen habe er nach dem Abschied vom Rathaus "nie verspürt", versichert Schröer. Er hat sich zu einem Vorzeige-Ehrenamtler entwickelt, leitet den 400 Mitglieder starken Freundeskreis der Universität, das Kuratorium St.-Matthias-Stiftung ("Die Kreuzgang-Renovierung ist eine riesige Aufgabe"), den Verwaltungsrat der luxemburgischen Stiftung Marienburg und fungiert als Ausbildungsbotschafter der Kreishandwerkerschaft Trier. Außerdem hält er an der Uni Vorlesungen über Kommunal- und Umweltökonomie. Warum das immer noch große Programm?"Ich habe mich nirgendwo auf- oder reingedrängt. Meine Frau hält mir immer vor, ich habe einen Sprachfehler. Ich könne nicht nein sagen."
Dann ist es wohl schade, dass offenbar niemand von Eintracht Trier dem einst erfolgreichen Kicker ein Vorstandsamt angeboten hat. Darauf angesprochen, reagiert Schröer mit "Hörense uff!" ("Hören Sie auf!"), was neben "Dat giddet nit" ("Das gibt's nicht") so ziemlich das einzige ist, was sich der Wahl-Trierer aus der lokalen Mundart angeeignet hat. "Stimmt, Kölsch kann ich besser", strahlt Schröer und erzählt voller Begeisterung die Geschichte von dem einzigen Leserbrief, den er je geschrieben hat - für eine Kölner Zeitung.
Das war, als Trier sich auf die 2000-Jahr-Feier (1984) vorbereitet hat und die Kölner behaupteten, sie seien doch die älteste Stadt Deutschlands: "Da habe ich in launigen Mundart-Zeilen darin erinnert, dass Köln bereits 1950 gefeiert hat - und zwar sein 1900-jähriges Bestehen." Heute schreibt Schröer Bücher. Nach zwei Bänden "Trierer Weichenstellungen" sind nun "Trierer Geschichten dran"; Teil zwei ist in Vorbereitung und erscheint Mitte 2018 wie gehabt im Paulinus-Verlag.
Zum Geburtstag eine Runde Eigenlob gefällig? "Der Peter Dietze und ich, wir waren schon ein Dream-Team." Zur Erklärung: Sozialdemokrat Dietze, Baudezernent von 1991 bis 2007, und Schröer haben mit Brauvour die Herausforderungen der Konversion bewältigt. Ein Höhepunkt dieser Trierer Erfolgsgeschichte war die Landesgartenschau 2004 auf ehemaligen Kasernenarealen auf dem Petrisberg.