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Digitale Preisverleihung für Netzwerk Zivilcourage der AG Frieden.

Demokratie : Zivilcourage-Trainings ausgezeichnet

Die AG Frieden Trier erhält einen Preis für ihr Projekt „Netzwerk Zivilcourage Rheinland-Pfalz“.

Eine Frau wird von einem Mann immer wieder angesprochen, bedrängt, sogar gegen einen Zaun gedrückt, ohne dass sie sich wehren kann - dann greifen jedoch zwei Jugendliche ein, die zufällig vorbeikommen. Eine gefährliche Situation, nicht nur für das Opfer, sondern auch die beiden Retter.

Zum Glück ist das Ganze aber nur ein Rollenspiel im Rahmen eines Trainings des Netzwerks Zivilcourage Rheinland-Pfalz, in dem couragiertes Verhalten in verschiedenen Szenarien eingeübt werden soll. Dieses Projekt, koordiniert von der AG Frieden Trier, gibt es schon seit einigen Jahren. Nun erhielt es eine besondere Auszeichnung:  Das Netzwerk Zivilcourage überzeugte im Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ und bekam einen mit 2000 Euro dotierten Preis des bundesweiten Bündnisses für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) für zivilgesellschaftliches Engagement.

Aufgrund der Pandemie konnten die Preisträger nicht persönlich geehrt werden, aber dafür live vor dem Bildschirm. Trotz der Umstände war die Verleihung informativ und abwechslungsreich: So spielte als Über­raschungs­gast die Berliner Musikerin „Kleingeldprinzessin“ zwei Lieder. Außerdem konnten sich die ausgezeichneten Initiativen untereinander austauschen.

Natürlich gab es auch einige Redebeiträge, unter anderem von Patrick Siegele, Direktor des Anne-Frank-Zentrums und Mitglied des BfDT-Beirats. Er betonte in seiner Laudatio für das Zivilcourage-Netzwerk der AG Frieden Trier: „Das Projekt hat den Beirat vor allem auch wegen seine Multiplikationseffekts überzeugt. Mit den Train-the-Trainer-Seminaren werden die Inhalte der Workshops an viele weitere Teilnehmende vermittelt und damit die Handlungs­kompetenz in Sachen couragiertes Handeln in der gesamten Region gestärkt.“

Siegele betonte außerdem, wie wichtig Zivilcourage im Alltag sei: „Miep Gies, die Helferin der Familie von Anne Frank im Versteck in Amsterdam, hat in vielen Interviews betont, dass sie keine Helden waren. Es hieß: ,Wir taten unsere Menschenpflicht.’ Daran können wir uns auch heute noch ein Beispiel nehmen. Zivilcourage muss keine Heldentat sein. Oft reicht es schon, genau hinzuschauen und nicht gleichgültig zu sein.“

Markus Pflüger, der für die AG Frieden Trier das Netzwerk Zivilcourage koordiniert, bedankte sich für die Anerkennung. Diese gebühre  den vielen Trainerinnen und Trainern im Netzwerk. Ihre Arbeit erhöhe die Zivilcouragekompetenz und -bereitschaft, was ein wichtiger Beitrag für eine wehrhafte Demokratie und starke Zivilgesellschaft sei: „Mit den Trainings ermutigen und befähigen wir Menschen, zivilcouragiert zu handeln und für Demokratie, Menschenrechte und -würde einzutreten, möglichst ohne sich selbst zu gefährden.“

Pflüger erläutert noch genauer, was bei den Rollenspielen im Rahmen der Trainings eingeübt wird: „Nicht wegschauen, sondern möglichst mit anderen zusammen entschlossen gegen rassistische oder sexistische Beleidigungen oder Anfeindungen bis zu Gewalttaten einzuschreiten. Jede und jeder wünscht sich doch, dass Menschen dann eingreifen, das kann ein laut gerufenes ,Stopp!’ sein, eine höfliche Frage oder eine überraschende Ablenkung. Auch Menschen aus solchen Situationen zu holen, kann passen. In anderen Fällen ist nur ein Notruf möglich, und man stellt sich als Zeuge zur Verfügung.“ Die an die jeweilige Situation und Person angepassten Handlungsoptionen werden deshalb ausführlich besprochen und eingeübt.

Die Trainings des Netzwerks Zivilcourage werden auf Anfrage für Jugendliche und Erwachsene in ganz Rheinland-Pfalz angeboten. Außerdem organisiert die AG Frieden für die ausgebildeten Zivilcouragetrainer Austauschtreffen und Weiterbildungen sowie jährlich weitere Ausbildungen für neue Trainerinnen und Trainer.

Und die sind beliebt, wie Markus Pflüger erzählt: „Die nächste Ausbildungsrunde im November in Trier ist schon wieder ausgebucht, was das große Interesse, aber auch den großen Bedarf an Zivilcourage für demokratische Werte und gegen Diskriminierung und Gewalt zeigt.“

Weitere Informationen zum Netzwerk Zivilcourage und dem Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ gibt es unter www.zivilcourage-rlp.de sowie www.buendnis-toleranz.de