Diplomaten auf Zeit

TRIER. Vom Trierer Hörsaal ins New Yorker UN-Hauptquartier: Auf 15 Studierende der Uni Trier kommen spannende Zeiten zu. Sie fliegen als "Diplomaten auf Zeit" in die USA.

Sie sind Ruanda. 15 Studentinnen und Studenten der Trierer Universität sind in eine Rolle geschlüpft, die ihnen noch vor wenigen Monaten gleich zweifach völlig fremd war: die eines Diplomaten - und die eines Vertreters des kleinen afrikanischen Staates. Nicht irgendwo, sondern bei den Vereinten Nationen in New York. Dorthin reist die Trierer Gruppe im April zu einer Simulation, bei der mehr als 3000 Studierende aus der ganzen Welt eine Woche lang genau so arbeiten wie die "richtigen" UN-Botschafter. Jede Gruppe vertritt ein Land in den Komitees, in denen es auch in der Realität sitzt. Dort diskutieren die jungen Leute die Tagesordnung, stellen Redelisten auf, tragen ihre Positionen vor, küngeln in den Pausen und versuchen bis tief in die Nacht, sich auf eine Resolution zu einigen. "Es ist eine Herausforderung, sich vor so viele Leute hinzustellen und eine Rede auf Englisch zu halten", sagt Helene Röring, Jura-Studentin aus der Trierer Gruppe. Neben Sprachkompetenz werden bei dem Projekt Teamfähigkeit, Konsensbereitschaft und interkulturelles Verständnis trainiert, vor allem aber geht es natürlich darum, die Arbeit der Uno kennen zu lernen. Die Vorbereitung ist aufwändig. In allen Themen, die in den Komitees zur Sprache kommen können, müssen die Diplomaten auf Zeit fit sein. Das Spektrum reicht von der Vogelgrippe über Wirtschaftsthemen und Menschenrechte bis zu inner-afrikanischen Problemen. Oft ist es schwierig, überhaupt an Informationen zu gelangen. "Wenn man die Position Ruandas zum Tsunami-Frühwarnsystem herausfinden muss, wird es richtig spannend", erzählt Julia Gebhard, die ebenfalls Jura studiert. Die 15 Trierer, die aus verschiedenen Fachbereichen kommen, verbringen seit dem Herbst mehr als jedes zweite Wochenende an der Uni, um sich vorzubereiten. Demnächst geht es zu einer Übungs-Simulation aller deutschen Gruppen nach Weimar. Die Teilnehmer organisieren sich weitgehend selbst und zahlen die Kosten von jeweils rund 1700 Euro aus eigener Tasche. Ganz schön happig für Studierende. Deshalb hoffen sie auf den ein oder anderen Sponsoren. Doch Stress und finanzieller Einsatz werden sich lohnen, da ist die Trierer Politik-Studentin Katrin Zippel, die bereits im vergangenen Jahr in New York dabei war, sicher. Nicht nur wegen der vielen neuen Kenntnisse: "Es ist einfach ein irres Gefühl, auf den Stühlen zu sitzen, die gerade noch die Hintern der offiziellen Delegierten gewärmt haben, und zu wissen, was in diesen Räumen alles passiert ist!" Weitere Informationen zu der Trierer Gruppe und der UN-Simulation gibt es im Internet unter www.uni-trier.de/trimun.

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