Diskussion um giftiges Gas

Trier · Wie hoch die Konzentration des natürlich vorkommenden Radon in Trier ist, ist weitgehend unbekannt. Dabei gilt das Gas als Auslöser für Lungenkrebs. Auf Nachfrage der FDP-Fraktion hat Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani in der jüngsten Stadtratssitzung allerdings Entwarnung gegeben.

Trier. Lauter schwarze Pünktchen bedecken die Kreise Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg auf der Radonkarte des Landesumweltministeriums. Im Stadtgebiet Trier sind es dagegen nur vier Markierungen. Die Punkte zeigen, wo das Vorkommen von Radon (siehe Extra) in Wohnhäusern bislang gemessen wurde. Warum Trier bei der Analyse nahezu außen vor blieb, dafür gibt es keine schlüssige Erklärung, außer, dass eine Untersuchung des Stadtgebiets sehr aufwendig gewesen wäre: "Bei starken Geländeversprüngen, wie zum Beispiel entlang der Bitburger Straße gibt es auch Risse im Untergestein. Durch solche Risse kann an einer Stelle viel Radon entweichen und einen Meter weiter, über durchgehendem Untergrund, die Konzentration schon wieder sehr viel geringer ausfallen", erklärt Friedrich Häfner, Geologe und stellvertretender Leiter des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Geologie und Bergbau. "Um flächendeckend die Radonausgasung in Trier festzustellen, müsste man daher an sehr vielen Punkten messen." Sofern das Land dafür Geld bereitstelle, könnte eine solche Messung stattfinden. "Konkret haben wir Trier aber nicht auf der Agenda", sagt Häfner.Bislang gibt es lediglich eine Schätzung für die Radonkonzentration in Trier, und selbst das nur für die westlichen und nördlichen Stadtteile. Angenommen wird für diese eine Radonkonzentration zwischen 50 und 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft. In den Landkreisen Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg liegen die gemessenen Werte großflächig zwischen 100 und 200 Becquerel. Langfristig eingeatmet, steigt laut Weltgesundheitsorganisation das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ab 100 Becquerel deutlich an.FDP-Fraktionschef Karl-Josef Gilles wollte deswegen von Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani in der jüngsten Stadtratssitzung wissen, ob und wie die Trierer Bürger geschützt werden können - zum Beispiel durch Radonmessungen bei der Ausweisung neuer Baugebiete. Kaes-Torchiani bezog sich bei ihrer Antwort auf die Auskunft der Struktur- und Genehmigungsdirektion, die bei der Ausweisung neuer Baugebiete auch zur Radonbelastung Stellung nimmt. "Bislang wurden keine Verdachtsmomente festgestellt", erklärte die Baudezernentin. Grundlage für diese Beurteilung sei die Prognosekarte des Landesamtes für Geologie.Bernd Michels, Chef des Gesundheitsamts in Trier, würde es dagegen als sinnvoll erachten, in Trier Radonmessungen durchzuführen. Statt in Neubaugebieten, wo dichte Bodenplatten das Eindringen des Gases verhindern können, sei allerdings bei Altbauten mit undichten Bodenplatten oder Lehmböden die Gefahr, dass Radon in die Raumluft gelange, sehr viel größer. "Wir haben in Trier tatsächlich eine erhöhte Lungenkrebsrate", sagt Michels. Diese beruhe aber nach den Untersuchungen des Gesundheitsamts auf dem starken Rauchverhalten der Trierer. Infos beim Landesumweltministerium: www.mulewf.rlp.de, Suchbegriff: Radon.Radon ist ein radioaktives Edelgas, das aus dem radioaktiven Schwermetall Uran entsteht. Uran ist, wenn auch nur in geringer Konzentration, überall in der Erdkruste vorhanden, weshalb auch Radon dort überall entsteht. Radon gelangt über Klüfte und Poren im Gestein in die Bodenluft und damit auch in Gebäude. Wird es über einen längeren Zeitraum eingeatmet, kann es Lungenkrebs auslösen. woc

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