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Dissonanzen funkelten wie glänzende Edelsteine

Dissonanzen funkelten wie glänzende Edelsteine

Trier . (gkl) Zum Abschluss der Konzertsaison im Dom- und Diözesanmuseum gastierte die Pianistin Swetlana Karpunkina. Allein ihre Interpretation von Schostakowitsch machte den Abend zu einer lohnenden Veranstaltung.

Die "Freunde künstlerischer Museumsveranstaltungen Trier", die für die Konzerte im Dom- und Diözesanmuseum verantwortlich zeichnen, blicken auf eine erfolgreiche Saison zurück, einzig mit dem Makel versehen, dass ihre Konzerte nicht immer die Resonanz finden, wie sie es verdient hätten. Trotzdem wird der Verein, musikalisch angeführt von Professor Wolfgang Manz, nicht müde, das ansprechende Ambiente mit kammermusikalischen Klängen zu füllen. Swetlana Karpunkina stammt aus Tadschikistan, hat ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und lebt im Stuttgarter Schloss Solitude. Auf ihrem Programm standen Werke von Franz Schubert, Alexander Skrjabin und Dimitri Schostakowitsch. Den Auftakt bildete Schuberts A-Dur Sonate, D 959, ein gewaltiger Opus, das zwei Monate vor dem Tod des Komponisten entstand. Karpunkina gelang es aber nicht, die Inhalte ans Tageslicht zu fördern. Technisch über jeden Zweifel erhaben, fehlte ihrer Interpretation über weite Strecken das Beseelte, siegte das Akademische über das Emotionale. Anders der zweite Teil: Skrjabins Sonate Nr. 4 in Fis-Dur, Opus 30, zeigte schon vom ersten Ton an, dass sich die Pianistin in einer anderen Welt befand. Sie verband ihre stupende Technik mit tiefem Empfinden für die Musik, wodurch die herrlichen Arpeggien des ersten Satzes traumhaft ihre Wirkung erzielen konnten. Höhepunkt des Konzertes war Schostakowitschs Präludium und Fuge in d-Moll, die Nummer 24 aus dem Opus 87. Herb und fast spröde erklang das Satzpaar. Karpunkina unternahm erfolgreich den Versuch, die offenbare Lust des Komponisten an der komplexen polyphonen Technik zu demonstrieren, dessen teilweise dissonante Ergebnisse nicht als Störfaktor, sondern wie glänzende Edelsteine erschienen. Eine wunderbare Interpretation, die den Abend lohnenswert machte.