Döner in Strumpfhosen

TRIER/HERMESKEIL. Zwei Schülerinnen aus Kolumbien leben für sechs Monate in der Region. Das Leben in der Fremde ist für die 17-Jährigen ein großes Abenteuer.

"Es ist schon ganz schön kalt hier", sagt Maria Estrada und hebt ein wenig ihre Jeans an. Unter ihrer Hose trägt sie eine dicke Strumpfhose. An das deutsche Wetter und die niedrigen Temperaturen müssen sich Maria Estrada (17) und Sara Iaramillo (17) erst noch gewöhnen. "Bei uns ist es immer warm. Meistens etwa 24 Grad", erklärt Maria. Die beiden Kolumbianerinnen sind für sechs Monate nach Deutschland gereist und verbringen ein halbes Schuljahr in der Region. Sara Iaramillo wohnt bei einer Gastfamilie in Kell, und Maria Estrada lebt bei Gasteltern in Geisfeld. Die beiden Freundinnen besuchen in Kolumbien die gleiche Klasse. Umso schöner finden sie es, auch in Deutschland nicht weit voneinander entfernt zu wohnen. Seit Anfang des Schuljahres büffeln sie mit ihren Klassenkameradinnen am Gymnasium Hermeskeil. Mathe, Physik, Biologie - in allen Fächern sind die beiden Elftklässlerinnen auf ihre Deutschkenntnisse angewiesen. Nach sieben Jahren Deutschunterricht haben die beiden Freundinnen schon Sprachkenntnisse mitgebracht. Manchmal stoßen sie aber trotzdem an ihre Grenzen. "Am Anfang war es sehr schwierig, die Leute zu verstehen", erzählt Sara Iaramillo. Mit Händen und Füßen haben es die beiden aber doch geschafft, sich zu verständigen. "Irgendwie klappt das immer", sagt Sara und schmunzelt.Hoffen auf weiße Weihnacht

In ihrer Heimatstadt Medellìn in Kolumbien besuchen Sara und Maria die deutsche Schule. "Die deutsche Schule ist besonders gut, weil sehr viele Sprachen angeboten werden", erklärt Maria. Jeder Schüler geht in der elften Klasse nach Deutschland und kann zwischen einem halben oder einem ganzen Jahr Aufenthalt in der Fremde wählen. Vor ihrer Abreise sah Maria ihrem großen Abenteuer mit Skepsis entgegen. "Ich war sehr aufgeregt, und von anderen Schülern hatte ich schlechte Geschichten gehört", erinnert sie sich. Doch ihre Bedenken haben sich zum Glück nicht bestätigt. "Jetzt bin ich sehr zufrieden. Alle sind sehr nett", sagt die 17-Jährige und strahlt. Betreut werden die beiden Kolumbianerinnen während ihrer Zeit in der Region bei Gastfamilien von der gemeinnützigen Organisation "Experiment", die Austauschschülern während der Zeit ihres Auslandsaufenthaltes hilfreich zur Seite steht. Besonders genießen Sara und Maria die kulinarischen Köstlichkeiten in Deutschland. "Die Schokolade schmeckt so gut", schwärmt Maria. Zuhause in Kolumbien gönnt sie sich den süßen Genuss nur selten, denn die deutschen Marken sind dort sehr teuer. Auch unbekannte Geschmackserlebnisse scheuen die beiden nicht. Besonders begeistert erzählen die beiden von ihrem ersten "Döner Kebab". "Das war ganz neu für uns und sehr lecker", erklärt Sara. Mit Heimweh nach Freunden und Familie hatten Sara und Maria bis jetzt noch nicht zu kämpfen. Doch Gedanken an ihr erstes Weihnachtsfest weit weg von zuhause versuchen die beiden noch zu verdrängen. "Es ist gut, dass wir nicht alleine hier sind und uns beide haben", meint Maria. Ein weißes und verschneites Weihnachten zu erleben, wäre für die beiden das größte Geschenk. "Bei uns ist es auch im Dezember warm", erklärt Sara. Im kommenden Februar heißt es für die beiden Kolumbianerinnen Abschied nehmen von Deutschland. Bis dahin müssen sich Sara und Maria wohl noch so manchen Tag mit dicken Strumpfhosen gegen die Kälte wappnen.