Doppischer Papiertiger

Die Väter des neuen kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens haben sich viele Gedanken darüber gemacht, was ihr "Kind" den Städten und Gemeinden Gutes tun kann. So sollen Kommunen durch die Doppik in die Lage versetzt werden, transparenter und nachhaltiger zu wirtschaften.

Unsere Nachfahren sollen noch über einen finanziellen Gestaltungsspielraum verfügen können und nicht nur für die Schulden aufkommen müssen, die wir ihnen vererbt haben. So weit, so gut die Theorie. In der Praxis sieht es allerdings heute schon so aus, dass die Städte und Gemeinden keine Mittel mehr zum Gestalten haben. Größere Projekte sind in der Regel nur noch mit Bundes- oder Landeszuschüssen und einem üppigen Bankkredit zu finanzieren. Die Doppik legt den Kommunen noch eine weitere Fessel an: Jetzt müssen nicht nur die Tilgungsraten gezahlt werden, es muss auch noch die Abschreibung, also der Wertverlust, erwirtschaftet werden. Doch woher nehmen und nicht stehlen; bei solchen Konstellationen bleibt das nachhaltige Wirtschaften eine Wunschvorstellung, ein doppischer Papiertiger. Was nützt einem Bürgermeister eine Bilanzsumme von einer Million Euro, wenn er davon nicht mal einen Rasenmäher für die Gemeinde anschaffen kann. Die Werte sind schlichtweg totes Kapital. Nicht die Doppik kann die Kommunen aus dem Finanz-Dilemma führen, sondern eine echte Verwaltungsreform, die auch nicht vor dem Wegfall ganzer Behörden-Ebenen und neuen Gebietszuschnitten Halt macht. a.follmann@volksfreund.de