Douglasien-Wäldchen wird zum Streitobjekt

Douglasien-Wäldchen wird zum Streitobjekt

Wenig Licht, kaum Sonne, kein Fernsehempfang: Anwohner der Butzweiler Straße in Kordel drängen auf die Beseitigung eines Douglasienwäldchens oberhalb ihrer Häuser. Die Forstbehörde lehnt das ab.

Hans W. Thomas und einige seiner Nachbarn in der Butzweiler Straße in Kordel sind aufgebracht. Sie regen sich darüber auf, dass ein Streifen Gemeindewald, bestehend aus 25 Jahre alten Douglasien, ihnen die Sonne und den Fernsehempfang nimmt. "Diese Zustände sind nicht mehr hinnehmbar", sagt der 70-jährige Architekt. Die Gemeinde schade mit der Duldung dieses Waldes einem ganzen Straßenzug. Die Häuser verlören beträchtlich an Wert. Thomas ("Die Gemeinde hat doch genug Wald") verlangt die Abholzung des rund 100 Meter langen und bis zu 30 Meter tiefen Bestands.

Die etwa 20 Meter hohen Bäume befinden sich auf der Kuppe eines Nordhangs, der alleine schon geografisch bedingt von Oktober bis März die Sonne abhält. Wenn die Bäume weiter ungehindert wachsen (etwa einen Meter pro Jahr) gebe es auch vom Frühjahr bis in den Herbst hinein kaum noch Sonne, klagt Thomas. Im Übrigen bestehe Windbruchgefahr, und das Kleinklima werde beeinträchtigt. Dem Fernsehempfang über Satellitenschüssel hätten die Baumkronen schon im Jahr 2000 den Garaus gemacht. Als Provisorium sei für die Häuser Nummer 46 bis 56 in einem Garten auf der anderen Straßenseite eine Satellitenanlage auf einem Mast errichtet worden, berichtet Thomas. Aber auch hier werde in Kürze wegen der hohen Bäume kein Empfang mehr möglich sein.

In einem Brief an die Mitglieder des Gemeinderats Kordel hat der Architekt unter anderem mit Fotos das Baumwachstum und die Sonnenstände dokumentiert und darum geworben, einer Abholzung des Douglasienstreifens zuzustimmen, "bevor wir eine Klage einreichen".

Vor wenigen Tagen lehnte der Rat das Ansinnen ab - auf Empfehlung der Forstbehörde. "Auf deren fachlichen Rat müssen wir uns verlassen", sagt Ortsbürgermeister Medard Roth.

Forstdirektor Gundolf Bartmann, Leiter des Forstamts Trier, hatte eine vierseitige Stellungnahme zu dem Fall verfasst. Laut Waldgesetz sei ein Entfernen dieses Waldes verboten, sagt Bartmann. Da gebe es keinen Spielraum, weder für ihn noch die Gemeinde oder den Privatmann. Grund sei, dass die Bestände zu jung (unter 50 Jahre) zum Abholzen seien. Aus fachlicher Sicht sei der Erhalt in den Steilhängen sehr sinnvoll. Die Wurzeln hielten den Boden und das Wasser zurück, verhinderten Erosion. Laut Bartmann ist der Baumbestand am Hang hinter den Häusern in den Jahren 2004 und 2005 bereits gekappt worden, um Besonnung und Fernsehempfang zu verbessern.

Die Schattenlage bestehe nun mal, das müsse man auch schon beim Hauskauf bedenken. Theoretisch käme nur eine Lösung im Sinne der Antragsteller in Betracht, sagt der Forstdirektor: Die Gemeinde müsse die Flächennutzung von Wald umändern auf Wiese oder Acker. "Aber das würden wir nicht genehmigen", sagt Bartmann gleich hinterher.

Ende September war bereits ein Vorstoß von Hans W. Thomas bei der Schiedsfrau Lieselotte Fohl (Zemmer) am Veto der Forstbehörde gescheitert. Den wahren Grund für die Ablehnung sieht Thomas woanders: "Der Douglasienbestand ist nicht wertvoll. Man hat nur Angst, einen Präzedenzfall zu schaffen, weil es dieses Problem häufiger gibt." EXTRA

Bäume in Nachbars Garten Dass einem ein hoch gewachsener Baum im Wohngebiet die Sonne nimmt, ist kein Argument, ihn abzuholzen. Nach Mitteilung von Forstdirektor Bartmann kann ein Baumbesitzer nur dann dazu verpflichtet werden, wenn eine Gefahr besteht, dass der Baum umfällt und Schaden anrichtet, etwa wenn er morsch ist. In Neubaugebieten müssen Mindestabstände von 30 Meter zum Wald eingehalten werden. Wer näher ranbauen möchte, muss eine Haftungsverzichtserklärung im Grundbuch eintragen lassen: Fällt der Baum, dann trägt der Hausbesitzer (bei Verkauf auch der Nachfolger) die Schuld. (alf)

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