Drachen über Korlingen

TRIER/KORLINGEN. Drachen, Totenköpfe, Fledermäuse und Schneekristalle – das sind nur einige der vielen Figuren und Formen, die die Besucher des 14. Drachenfestes an diesem Wochenende in luftiger Höhe und in allen Farben des Regenbogens auf der Korlinger Höhe erleben können.

Schon die Chinesen ließen nachweislich im fünften Jahrhundert Drachen in die Lüfte steigen. Nicht nur zur Freude der Zuschauer, sondern auch mit handfesten militärischen Interessen, weiß der Gründer und Präsident der Drachenfreunde Trier, Winfried Thomm zu berichten. An den Konstruktionen wurden Menschen in die Luft gehoben, um Truppenbewegungen der Feinde auszuspähen. Dass das nicht "heiße Luft" und "aus der Luft gegriffen ist", weiß Winfried Thomm aus eigener Erfahrung. Eines seiner Paradestücke ist ein Chinadrachen, im Fachjargon auch Centipede-Drachen genannt. Es bedarf acht Mann, um den 100 Meter langen Drachen steigen zu lassen. Trotz seines scheinbar geringen Gewichts von verpackt vier Kilogramm, kann der Drache bei Wind einen Zugkraft von 180 bis 200 Kilogramm entwickeln. "Das hält man zwei Minuten. Dann ist man froh, ihn an der Anhängerkupplung eines Autos festbinden zu können." Wie der Vater, so der Sohn

Seine Liebe für Drachen entflammte Ende der 1980er Jahre mit einem Lenkdrachen für 17 Mark, erinnert sich Winfried Thomm, im Hauptberuf eigentlich Einzelhandelskaufmann bei der Firma Leyendecker. Wegen der damit gegebenen Nähe zur "Bastelstube" im eigenen Haus saß er quasi an der Quelle, begeisterte neben seinem Sohn Michael auch mehr und mehr Kunden für den Drachenflug. Und so kam es dann zum ersten Drachenfest auf dem Eurener Flugplatz. Der Erfolg beflügelte: Nach weiteren Stationen in Konz bei Zettelmeyer und in Konz-Könen sind die Drachenfreunde nun schon zum sechsten Mal beliebte Gäste auf der Korlinger Höhe. Auch wegen der großen Magnetwirkung ihres windigen Hobbys. Aus der gesamten Region, aus dem Benelux-Dreieck sowie bis aus Norddeutschland und München reisen Drachenfreunde als Schaulustige und Teilnehmer an. Der "Vater" und Erfinder des inzwischen überregional und international bekannten Drachenfestes ist Winfried Thomm. Er hat die Organisation in diesem Jahr in die Hände seines Sohnes Michael Thomm abgegeben. Die Freude über die große Resonanz ist auch deshalb bei den Drachenfreunden Trier so groß, weil es einfach ein großes Familienfest ist. "Bei uns gibt es nichts zu gewinnen, die Freude steht im Vordergrund!" Auftakt ist jeweils am Samstag und Sonntag gegen 10 Uhr. Einer der Höhepunkte wird am Samstag nach Einbruch der Dunkelheit gegen 20 Uhr der Nachtflug der Drachen sein. Nicht nur die mitgebrachten Drachen der Besucher werden von unten beleuchtet. Zusätzlich haben die 16 aktiven Mitglieder der Drachenfreunde Trier einige ihre Drachen mit Reflektoren und Leuchtdioden ausgerüstet. Damit sind ausgefallene Lichteffekte am stockdunklen Nachthimmel über Korlingen möglich. Ab der Trierer Südallee in Richtung Uni und dann weiter Richtung Korlingen werden die großen und kleinen Fans der Lenkdrachen und weiterer Exoten wie den "Eddy-Drachen", den "Rokkaku-Drachen", den Cody- oder auch Facette-Drachen mit Schildern zum Familiendrachenfest geleitet.Jeder kann seinen eigenen Drachen steigen lassen

Die Kaseler Feuerwehr hat auch in diesem Jahr den Parkplatzdienst und die Einweisung der Besucher übernommen. Am Ziel angekommen, kann man nicht nur den Profis beim Start ihrer Drachen mit einer Spannweite zwischen 20 Zentimetern und drei Metern über die Schulter schauen. Jeder, so versprechen Winfried und Michael Thomm, kann auch seinen eigenen Drachen steigen lassen. Hauptsache, der Wind spielt mit und bläst mit optimaler Windstärke von zwei bis drei. Trocken sollte es vor allem für den chinesischen 100-Meter-Drachen sein, der zum Großteil aus Pappmaché-Gliedern besteht. Schon der Tau in der Wiese kann die Konstruktion unwiederbringlich beschädigen. Der Eintritt ist frei, die Vereinskasse wird über den Verkauf von Kaffee, Kuchen und Pommes Frites aufgebessert. Weitere Infos auch auf dem Homepage unter www.spiel-mit-dem-wind.de

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