Drei Einzelkämpfer mischen den Kreistag auf

Trier · Das hatten sich die Fraktionen im Kreistag Trier-Saarburg wohl anders ausgerechnet. Nach dem Wechsel zweier FWGler zur FDP mussten die Posten in mehreren Ausschüssen neu verteilt werden. Karl-Georg Schroll, Kathrin Meß und Peter Müller haben die Wahlen genutzt, um sich wie bei einem Wunschkonzert Sitze in den Gremien zu sichern.

Trier. Die Marschrichtung vor der jüngsten Kreistagssitzung ist klar. Nach dem Wechsel von Bernhard Busch und Gerd Benzmüller von der FWG zur FDP bilden sie gemeinsam mit Claus Piedmont eine Fraktion. Die Konsequenz: Den Liberalen stehen nun auch Sitze in Ausschüssen zu. Der bisherige Einzelkämpfer Piedmont hatte nur dank der Gnade der CDU im Kreisausschuss gesessen.Bis auf den Kreisausschuss wollte die FDP wohl auch des lieben Friedens wegen auf eigene Kandidaten verzichten und stattdessen FWG-Kandidaten vorschlagen. Denn diese Fraktion hätte Sitze verloren, weil es eine neue liberale Fraktion gibt. An dieser Vorstellung ändert sich anfangs auch nichts, als Karl-Georg Schroll (Piraten) sein Interesse an einem Sitz im Kreisausschuss bekundet. Mit diesem Wunsch hatte er bereits bei den Ausschusswahlen nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr Schiffbruch erlitten, da er bei der Wahl nur seine eigene Stimme erhalten hatte.Ein Bewerber zu viel

Doch in der jüngsten Kreistagssitzung geht die Sache anders aus. Denn Schroll, der früher auch schon für die Linke in Trier aktiv war, macht gemeinsame Sache mit Kathrin Meß (Linke) und Peter Müller. Der ist für die AfD in den Kreistag eingezogen. Inzwischen distanziert er sich jedoch von dieser Partei. Unterm Strich stehen am Ende somit 15 Bewerber 14 Plätzen gegenüber. Schroll bekommt ebenso drei Stimmen wie Bernhard Busch (FDP) und Sabina Quijano (Grüne). Das bedeutet, dass alle drei in den Ausschuss kommen. Das Nachsehen hat Hans Steuer. Denn aufgrund des Rechenverfahrens stellt sich heraus, dass die Sozialdemokraten nur drei und nicht wie bisher vier Vertreter in das Gremium entsenden, in dem viele Vorentscheidungen fallen. Im Ausschuss für Schulen, Kultur und neue Medien ist dann Kathrin Meß an der Reihe. Obwohl sie als Einzelkämpferin normalerweise keine Chance auf einen Sitz hat, wird sie am Ende dank der Stimmen von Schroll und Müller gewählt. Müller wiederum möchte in den Ausschuss für Kreisentwicklung, Wirtschaft und Demografie. Das gelingt ihm dank der unausgesprochenen Koalition mit Meß und Schroll. Dieses Spiel meist zulasten der SPD zieht sich durch bis zum 20. Wahlgang. Dabei geht es um den Aufsichtsrat des Saarburger Kreiskrankenhauses mit zehn Mitgliedern. Ein Sitz steht laut Sitzungsplanung der FDP zu. Die FWG soll dafür einen abgeben. Die Liberalen wiederum wollen, dass Günter Britten diesen Sitz bekommt. Damit würde sich nichts ändern. Denn Britten war für die FWG ins Gremium gewählt worden. Doch Günter Britten ist künftig kein Mitglied des Aufsichtsrats mehr. Dafür hingegen Kathrin Meß. Denn sie hat bei der Losziehung Glück. Grund für diese eher ungewöhnliche Entscheidungsfindung ist der Umstand, dass drei Aspiranten gleich viele Stimmen haben, es jedoch nur zwei Sitze zu verteilen gibt. Und so muss Landrat Günther Schartz die Glücksfee spielen und aus einer improvisierten Lostrommel zwei Umschläge ziehen. Er zieht den von Meß und Heide von Schütz (Grüne). Nach Auskunft des inzwischen parteilosen Peter Müller ist derzeit nicht daran gedacht, gemeinsam mit Karl-Georg Schroll und Kathrin Meß eine eigene Fraktion zu bilden. "Das war eine spontane Aktion in der Sitzung", sagt Müller. Sollten sie dann doch zusammenfinden, müssten aufgrund der veränderten Machtverhältnisse die Ausschüsse des Kreistags neu gewählt und Vertreter für Zweckverbände neu bestimmt werden. Meinung

Vielleicht mehr als ein SchachzugPolitisch gesehen haben die Ratsmitglieder Müller, Meß und Schroll nur wenig gemein. Trotzdem haben sie sich zusammengerauft und den Fraktionen im Kreistag ein Schnippchen geschlagen. Das war ein kluger Schachzug. Man mag lamentieren, dass die Wahl von Einzelkämpfern in Ausschüsse und andere Gremien bedeutet, dass diese zu viel Gestaltungsmöglichkeiten im Verhältnis zum Ergebnis bei der Kreistagswahl haben. Dem aufmerksamen Beobachter dürfte jedoch nicht entgangen sein, dass die drei ihre Macht nicht ausgespielt haben und gezielt sich die Gremien aussuchten, für die sie sich kompetent fühlen. Bis zum Ende der Legislatur können Müller, Meß und Schroll nun beweisen, dass sie kompetent sind. So sie es sind, war ihr Manöver in der Kreistagssitzung nicht nur ein kluger Schachzug, sondern ein Beweis dafür, dass Kompetenz und nicht Fraktionszugehörigkeit entscheidend sein sollten. h.jansen@volksfreund.de