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Drei Studierende der Universität Trier wagen trotz Corona das Studium im Ausland

Pandemie : Drei Studierende der Universität Trier wagen trotz Corona ein Auslandsstudium

Sie haben den Schritt gewagt, trotz möglicher Einschränkungen ihr Auslandsjahr anzutreten. Wie die Gastländer der Studenten aus Trier mit Corona umgehen und was sie sich anders vorgestellt hatten.

Darius Mees ist 24 Jahre alt und studiert Medienwissenschaft und Anglistik an der Universität Trier. Er berichtet, warum er sich trotz der Pandemie dazu entschieden hat, seinen Studienplatz in Canterbury in England anzutreten und wie er mit der Situation umgeht. Außerdem gibt er einen Einblick in die Auslandsaufenthalte seiner Mitstudenten Hannah und Michael in Schottland und Schweden.

Als ich mich Anfang des Jahres für meinen Auslandsaufenthalt beworben habe, konnte ich nicht ahnen, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf das Leben haben würde. Statt England zu bereisen und Kontakte zu knüpfen, muss ich mich mit Online-Veranstaltungen und einem landesweiten Lockdown begnügen. So habe ich mir mein Auslandsjahr nicht vorgestellt. Doch nicht nur mir ergeht es so, sondern vielen anderen internationalen Studierenden auch. Meinen Kommilitonen Michael und Hannah hat die Pandemie ebenfalls ein etwas anderes Erlebnis beschert.

Der Medienwissenschafts- und VWL-Student Michael Barg (22) entschied sich Mitte März eher spontan, über das Erasmus-Programm eine Universität in Schweden zu besuchen. „Wegen Corona hatte ich eigentlich mit dem Plan abgeschlossen“, sagt er. Zwei andere Studierende aus seinem Jahrgang mussten ihre Aufenthalte in Japan und Griechenland wegen Corona absagen. Michael ist aber froh, dass es bei ihm doch noch geklappt hat: „Ich habe erst Ende August realisiert, worauf ich mich eingelassen habe. Wenige Tage später bin ich dann nach Schweden gereist“. Dass Michael wegen Reisebeschränkungen gezwungen sein könnte, in Schweden zu bleiben, macht ihm nichts aus. Er hat sich bereits mit seinem tschechischen Mitbewohner über ein gemeinsames Weihnachten ausgetauscht.

Hannah Meyer (22), Studentin für Englisch und Deutsch auf Lehramt, musste ihren Auslandsaufenthalt im März vorzeitig abbrechen. Auf Empfehlung der Universität Aberdeen sollte sie Schottland vor einem größeren Lockdown verlassen, um zu ihrer Familie zurückkehren zu können. Eigentlich hätte sie bis mindestens Juni bleiben sollen: „Ich habe nicht erwartet, dass es derart eskalieren wird. Ich bin dann kurzfristig nach Hause geflogen, um meine Familie zu unterstützen“. Im Nachhinein empfindet die 22-Jährige ihre Entscheidung als die richtige, vor allem da Aberdeen immer wieder als Risikogebiet eingestuft wurde. „Statt einem langen Lockdown wie in Deutschland gab es regelmäßige kürzere Lockdowns, um die Infektionszahlen niedrig zu halten“, berichtet sie. Außerdem hätten in Schottland nur wenige Indoor-Aktivitäten im Sommer wieder geöffnet. Die Maßnahmen empfindet sie strenger als in Deutschland.

Ich selbst studiere seit Anfang September an der Universität Kent und habe die Stadt vor dem zweiten Lockdown erkundet. In all den überfüllten Einkaufsläden wurde die Maskenpflicht nur inkonsequent eingehalten. Stattdessen sah ich viele Mitarbeiter, die, bewaffnet mit Desinfektionsspray, im Minutentakt Sitzplätze und Regale reinigten. Seit Oktober hat sich die Lage verändert. Obwohl Canterbury weiterhin eine niedrigere Infektionsrate als andere Orte hat, wurde auch meine Region in einen Lockdown versetzt. Menschen stehen Schlange, kreuz und quer über die ganze Ladenfläche, das erinnert mich an die Zeit der deutschen Hamsterkäufe im März. Für Briefmarken hätte ich über 90 Minuten auf dem Postamt anstehen müssen, Menschen verteilten sich schon auf zwei Stockwerken. Über Not an Toilettenpapier muss ich mir erstmals keine Sorgen machen, es ist noch reichlich in den Geschäften vorhanden. Für meinen letzten Kaffee vor dem Lockdown musste ich nochmals zwanzig Minuten warten und habe ihn dann im Lokal genossen. Es könnte die letzte Chance für eine längere Zeit gewesen sein. Da Kent nun aufgrund der kleineren Ortschaften in Tier 3 eingestuft wurde, müssen die Geschäfte in Canterbury auch im Dezember geschlossen bleiben.

In Schweden waren die Restaurants und Lokale noch bis Ende November uneingeschränkt geöffnet. Es waren lange Zeit keine Corona-Maßnahmen in Kraft gesetzt. Das ist für Michael ein gravierender Unterschied zu Deutschland. Während die Maskenpflicht weitestgehend auf freiwilliger Basis beruht, wird immerhin der Mindestabstand eingehalten. Michael hat eine Erklärung dafür gefunden: „Das Virus wird hier einem nicht zu sehr vor Augen gehalten. Viele Schweden haben nicht die Angst, krank zu werden“. Und dennoch findet der Student, dass die Kritik an Schwedens Umgang mit Corona gerechtfertigt ist. Die hohen Infektionszahlen beunruhigen ihn. Michael hat sich entschieden, seine Maske beim Einkaufen zu tragen. Auch wenn er verständnislose Blicke seiner Mitmenschen erntet. Er möchte kein Risiko eingehen.

Ein Mitbewohner von Hannah weiß sehr genau, wie sich das Coronavirus im Körper anfühlt. Er habe die typischen Symptome entwickelt. „Als ich ihn bewusstlos im Bad auffand und er ins Krankenhaus musste, war ich natürlich besorgt“, sagt Hannah. Wie ihre Uni mit der Situation umgegangen ist, lobt die Studentin hingegen. Sie habe täglich Rückmeldung von der Universitätsleitung und dem National Health Service – dem staatlichen Gesundheitssystem in Großbritannien – bekommen, wie sie sich verhalten solle und was der neueste Stand sei. Die Dozenten selbst hätten den Studierenden ihre Hilfe zugesprochen. Hannah meint: „Ich habe mich in Schottland mehr unterstützt gefühlt, was sehr wichtig für mich war“.

Ihr Auslandsjahr hatte dann doch noch ein glückliches Ende. Hannah durfte ihre restlichen Veranstaltungen online von Deutschland aus abschließen und hatte keine Nachteile ihren Kommilitonen gegenüber. Sie hätte ihr Semester gerne richtig beendet, mit Abschiedsparty. Doch sie ist trotzdem äußerst zufrieden mit dem, was sie erleben konnte.

Michael und ich werden noch bis kommenden Sommer an unseren Gast-Universitäten bleiben. Wir haben uns an die digitalen Seminare gewöhnen müssen, selbst wenn es an meiner Uni ab und zu Präsenzveranstaltungen gab. Weihnachten ohne Familie und in Selbst-Isolation ist eine hohe psychische Hürde sein. Trotz all dem bereue ich es auf keinen Fall, diesen Schritt gegangen zu sein. Obwohl wir uns diesen Aufenthalt völlig anders vorgestellt haben, sammeln wir wichtige Erfahrungen, die uns nicht mal Corona nehmen kann.