Dritte Fahrspur Bürgersteig

TRIER-OLEWIG. Viele Anwohner der alten Olewgier Straße sind verärgert: Nach der in mehreren Bauabschnitten erfolgten Neugestaltung wird der nun flache Bordstein von Autofahrern zunehmend als dritte Fahrspur genutzt. Die Betroffenen fordern Trennstangen und Radarkontrollen –- denn für sie wird die Benutzung des Bürgersteins bisweilen zum Spießrutenlauf.

Seit 2001 wird in der alten Olewiger Straße gebaut. In drei Bauabschnitten wurden Schlaglöcher und fehlende Fahrbahnmarkierungen ausgebessert, bis 2008 soll auch der letzte Abschnitt fertig sein. Trotz der aus ästhetischen Gesichtspunkten gelungenen Neugestaltung regt sich Widerstand: Für die Anwohner birgt die Neugestaltung der Olewiger Straße eine Gefahr für Fußgänger, und insbesondere für Kinder. Im Teilstück zwischen der Einmündung "Auf der Ayl" und der weiter hinten liegenden Kreuzung "Brettenbach" kommen zwei PKW an den vielen Engstellen kaum aneinander vorbei. "Das führt dann dazu, dass viele Fahrer einfach über den niedrigen Bürgersteig ausweichen, anstatt anzuhalten", beschwert sich der Anwohner Ralf Werel. "Manche Autofahrer nutzen den Bürgersteig über fast 100 Meter hinweg als Fahrspur." Für die Anwohner besonders gefährlich ist die schlechte Sicht in der leicht kurvigen und über Hügel verlaufenden Straße. "Wenn ich das Haus verlasse, schaue ich immer erst nach links und nach rechts, ob nicht wieder ein Autofahrer gerade über den Bürgersteig brettert", sagt Werel. Besonders ärgert ihn dieser Missstand im Hinblick auf den Schulweg seiner Kinder: "Die Grundschule Olewig ist nicht weit entfernt, und viele Kinder müssen hier über den Bürgersteig laufen. Ich bin immer froh, wenn meine Kinder nach der Schule wieder sicher zu Hause angekommen sind." Denn vor und hinter den zur Grundschule führenden Treppen blockieren zwei Häuser die Sicht in die Straße - und umgekehrt die Sicht der Autofahrer auf eventuell herannahende Kinder. Für Werel und andere Anwohner gibt es eine einfache Lösung des Problems: Trennstangen zwischen Bürgersteig und Straße. "Gäbe es an den gefährlichen und nicht einsehbaren Stellen solche Stangen, wäre das Problem ja weitgehend entschärft", sagt er, "zumal an manchen Stellen schon von Beginn an Stangen montiert waren. Ich denke, mit insgesamt maximal 50 Stangen wäre die Olewiger Straße für Fußgänger wieder sicher." Zudem solle die Polizei mehr Geschwindigkeitskontrollen durchführen - denn nach Auffassung der Anwohner halte sich kaum jemand an das Tempo-30-Limit. Die Stadt sieht jedoch keinen Handlungsbedarf: "Die jetzige Gestaltung der Olewiger Straße ist das Ergebnis einer langen Diskussion mit den Anliegern und dem Ortsbeirat", schreibt Wolfgang van Bellen vom Tiefbauamt auf TV-Anfrage. "Das Problem, dass Gehwege befahren werden, haben wir in allen Baugebieten. Der Stadt liegen keine Erkenntnisse vor, dass hier ein Handlungsbedarf gegeben ist." Zudem sei das Aufstellen von Pollern oder Trennstangen wegen der engen Platzverhältnisse mit wenigen Ausnahmefällen nicht möglich. Auch nach Auffassung der Trierer Polizei handelt es sich in der Olewiger Straße nicht um einen Brennpunkt. "In dem durch Alt-Olewig führenden Straßenteil wurden im Jahre 2005 fünf Unfälle gemeldet - alles so genannte Parkunfälle", sagt ein Sprecher der Polizei. Auch für vermehrte Geschwindigkeitskontrollen gibt es keine Veranlassung - anders hingegen im vorderen Teil der Olewiger Straße zwischen dem Verteiler Ost und der St.-Anna-Straße. Wegen zweier Schulen handle es sich dort um einen "besonders schutzwürdigen Bereich", und daher werde regelmäßig kontrolliert. Auch die vergleichsweise milden Strafen für Bürgersteig-Ausweicher dürften den Olewiger Betroffenen ein Dorn im Auge sein: Ein Formalverstoß gegen die Straßenverkehrsordnung kostet 5 Euro, bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer 10 Euro und mit Gefährdung 20 Euro Verwarnungsgeld.