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Sind Sie abergläubisch? Ich bin es - wenn auch nicht im klassischen Sinne. Aus der schwarzen Katze, die meinen Weg kreuzt, einem Freitag, der ein 13. ist, oder einer Leiter, unter der ich nicht durchgehen soll, mache ich mir nichts.

Aber ich glaube an das "Prinzip von Ninas Welt": mein ganz persönlicher Verhaltenskodex, mit dem ich mein Schicksal überlisten möchte.Wie dieses Prinzip aussieht? In der Theorie besagt es, nie - unter keinen Umständen, egal, was kommt - etwas zu beschreien. Das ist Ihnen zu sperrig? Nun gut, dann zur Verdeutlichung mal ein Einblick in die Anfänge des "Prinzips von Ninas Welt": Ich fahre auf der B 51 und mache meinem Beifahrer gegenüber eine Bemerkung darüber, wie wenig doch heute auf der Straße los ist: Prompt lande ich garantiert in einem kilometerlangen Stau. Ich bilde mir morgens ein, dass dieser Arbeitstag ein ganz großartiger sein wird: Abends bin ich angesichts der Horror-Szenen im Büro ein nervliches Wrack. Oder ich äußere meinen Freunden gegenüber die Gewissheit, dass am Wochenende ganz bestimmt der lang ersehnte Anruf kommen wird und starre anschließend zwei Tage lang garantiert vergebens auf das Telefon. Alles schon passiert. Meine Konsequenz: das "Prinzip von Ninas Welt". Ich verrate niemandem - und damit auch meinem Schicksal nicht, was ich mir wünsche und was nicht, was ich schön finde und was eben nicht. Schließlich soll mir das Schicksal nicht in die Quere kommen. Und deswegen ist der Titel dieser Kolumne vollkommen falsch gewählt, wenn ich das "Prinzip von Ninas Welt" zugrunde lege: Ich wünsche Ihnen keinen "Guten Morgen". Nicht, weil ich ein unhöflicher Mensch bin. Sondern, weil ich es - auch in Ihrem Interesse - auf gar keinen Fall beschreien möchte…