Durch Tunken Sünden tilgen

TRIER. Kein Beichtstuhl und kein Priester waren nötig, um den Auszubildenden des grafischen Gewerbes nach der Lehrzeit die Absolution zu erteilen. Reingewaschen und zu Gesellen getauft wurden sie beim Bad in der Bütt während ihrer Gautschfeier auf dem Kornmarkt.

"Es sei künftig mein Bestreben, stets ein tugendhaftes Leben" - unter diesem Motto schworen rund 30 junge Drucker und Mediengestalter vor ihrer feuchten Erhebung in den Gesellenstand salbungsvoll allen Lastern ab. Wie zu Gutenbergs Zeiten, der Urvater der Druckerzunft, entgingen auch die aus der Region stammenden Auszubildenden der "Schwarzen Kunst" nicht der traditionellen Gautsch-Zeremonie."Die Huddelei hat nun ein Ende"

Schwammhalter Karl Hochleichter verpasste ihnen zunächst eine leichte Dusche auf den Kopf. Nur ein kleiner Vorgeschmack auf das Prozedere, das folgte. "Die Huddelei hat nun ein Ende. Es folgt die löbliche Wassertauf'. Der Lehrlingsschmutz wird abgewaschen", formulierte Druckermeister Willi Patejdl markig. Sprach's und griff mit seinen Packer-Kollegen einen der "Kornuten" an Armen und Beinen und tauchte ihn dreimal zur Freude der zahlreichen Zuschauer komplett unter die Wasseroberfläche. 40 Auszubildende schlossen in diesem Jahr ihre Lehrzeit ab. Rund 30, darunter viele junge Frauen, hatten sich freiwillig zum Gautschen angemeldet. "Saukalt war es, aber witzig. Der Dreck muss ja abgewaschen werden", sagte der triefende und taufrische Druckergeselle Stefan Winkler (21) aus Kröv. "Ich fühle mich wirklich von allen Sünden reingewaschen", lachte Mediengestalter Andreas Hillesheim aus Müllenheim und spülte mit einem Krug Bier nach. Ob es dennoch Sünden nach dem Gautschen gibt? "Darüber spricht man nicht", sagte Packer Patejdl. "Es ist eine Gaudi, aber auch eine Tradition des Gewerbes, die wir beibehalten wollen, obwohl sich das Berufsbild grundlegend gewandelt hat. Der alte Gutenberg würde seine Zunft heute nicht wiedererkennen", sagte Jürgen Nilles, Obermeister der Innung des grafischen Gewerbes. Es sei ein innovativer Quantensprung vom Setzkasten bis zur Arbeit am Computer, so Marcus Kleefisch von der Industrie- und Handelskammer. "Da ist es besonders reizvoll, dass das grafische Gewerbe diesen alten Brauch des Gautschens pflegt", sagte Handwerkskammer-Präsident Rudi Müller. Vor 24 Jahren hatte Druckermeister Wolfgang Raab die Zeremonie in Trier reaktiviert, nachdem er den Gautschbrief seines Vaters aus dem Jahr 1935 gelesen hatte. "Jeder Mensch hat mehrmals am Tag ein Print-Produkt in der Hand, macht sich aber keine Gedanken, woher es stammt. Deshalb ist es uns wichtig, das Gautschen als Teil der öffentlichkeitswirksamen Arbeit auf einem belebten Platz inmitten der Stadt zu feiern", erklärte Nilles, der bedauerte, dass Oberbürgermeister Helmut Schröer seine symbolische Kopfwäsche und damit seinen Ehrengautschbrief nicht entgegennahm.