Durchgangsverkehr sorgt für Dauerärger

Durchgangsverkehr sorgt für Dauerärger

FRANZENHEIM. Auf besonders großes Interesse stieß unsere Aktion "Dorfansichten" in Franzenheim: Zahlreiche Bewohner aller Altersklassen, Vertreter der Vereine sowie Gemeinderat und Ortsvorstand waren am Treffpunkt vor dem Bürgerhaus erschienen. Ein Zeichen, dass in "Franzem" gemeinsames Handeln groß geschrieben wird.

Vorweg ist auf eine verwaltungstechnische Besonderheit hinzuweisen: Das 330 Einwohner zählende Franzenheim bildet zusammen mit der Nachbargemeinde Hockweiler eine "ferne" Exklave der in der Westeifel angesiedelten Verbandsgemeinde (VG) Trier-Land. Umzingelt von VG Konz, Stadt Trier und VG Ruwer befinden sich die beiden Orte in einer gewissen Niemandsland-Lage. Bei Franzenheim kommt noch die topografische Lage hinzu: Eingezwängt in ein enges Tal, zieht sich das Altdorf auf rund zwei Kilometern Länge an der L 139 entlang. In zehn Jahren das komplette Dorf erneuert

Parallel dazu verläuft am Hang das Neubaugebiet "Thomasstraße". Zehn der 16 Grundstücke sind inzwischen verkauft - doch die Sache lasse sich eher zäh an, räumen Dorfbewohner ein. Die schlechte Anbindung und die fehlende Infrastruktur wirke wohl abschreckend. In einem rund zehn Jahre dauernden und rund 7,5 Millionen Euro teuren Kraftakt hat die Gemeinde eine komplette Dorferneuerung plus den Bau einer modernen Kanalisation "gestemmt". Das galt auch für die Neugestaltung und Anpassung der privaten Anwesen. Erstes Vorzeigeobjekt ist das bereits in den 70er-Jahren errichtete Gemeindehaus mit Saal und Nebenräumen, von dem aus der Blick auf den hervorragend gepflegten Rasensportplatz fällt. Auf der Bühne im Saal hat der Heimatverein die Kulisse für sein neuestes Theaterstück aufgebaut. Zurzeit wird hier regelmäßig geprobt. Auf zwei närrische Veranstaltungen pro Session bringt es der Karnevalsverein, und eine besondere Rolle kommt der Freiwilligen Feuerwehr zu. Ortsbürgermeister Johann Jäckels: "Die Feuerwehr übernimmt gegen geringes Entgelt viele Arbeiten im Dorf. Einen Gemeindearbeiter können wir uns nicht leisten - uns fehlen einfach die Gewerbesteuereinnahmen. Das reicht nicht einmal für eine Anstellung auf 400-Euro-Basis." Mit 100 Prozent Eigenleistung und etwa 40 000 Euro Materialkosten hat der Sportverein in unmittelbarer Nachbarschaft nun sein Vereinshaus errichtet. Es eignet sich für Schulung und Gymnastik ebenso wie für gesellige Anlässe. Gesellig für die jungen Dorfbewohner wird es künftig im Jugendraum zugehen, der gerade in einem neuen Anbau des Gemeindehauses entsteht. Unter der Leitung von Stefanie Willems richtet die Dorfjugend ihr Refugium selbst ein. Diese "Baumaßnahme" ist aber nur eine der zahlreichen Aktivitäten der örtlichen Jugendgruppe. Leiterin Willems: "Wir veranstalten Ski-Urlaube, Sommerfreizeiten und verschiedene Projekte." Geplant sei nun auch ein Verkehrsparcours, auf dem die Kinder und Jugendlichen das richtige Verhalten auf den Straßen trainieren können. Und am Samstag, 28. Oktober, will die Gruppe den Zustand des örtlichen Baches, der hinter dem Sportplatz entlangfließt, einmal genauer unter die Lupe nehmen. Ortsbürgermeister Jäckels lobt die örtliche Jugendarbeit unter der Leitung von Stefanie Willems: "Im Gegensatz zu anderen Orten haben wir mit unserer Jugend keine Probleme." Und die Jugendleiterin ergänzt: "Das liegt aber auch an der fehlenden Mobilität der Jugendlichen. Wegen der schlechten ÖPNV-Anbindung können wir die noch im Ort zusammenhalten. Aber sobald die ein Moped oder Auto haben, sind sie weg." Als größtes Manko im Ort betrachten viele die dürftige ÖPNV-Anbindung. Eine Direktverbindung nach Trier gibt es nicht, obwohl dessen Hauptmarkt nur zwölf Kilometer entfernt liegt. Allein der Schülertransport zur Grundschule nach Pellingen und ins Konzer Schulzentrum läuft gut - ebenso der tägliche Transfer zum Pluwiger Kindergarten. Keinen Grund zur Freude bietet auch die Grundversorgung. Fast überall wurden die Schlüssel umgedreht: Es gibt keinen Lebensmittelladen mehr, keine Bank, keinerlei Dienstleistung. Nächste Anlaufstation ist Pluwig. Wenigstens legen täglich der mobile Dorfladen und einmal wöchentlich die mobile Sparkasse Halt im Dorf ein. Eine Schreinerei und zwei KFZ-Werkstätten sind die einzigen Gewerbebetriebe. Hinzu kommen drei Vollerwerbslandwirte. Auf der Aktivseite steht die Gaststätte, die eine Wirtin aus Lampaden vor einem Jahr eröffnete. Für dauerhaften Verdruss sorgt die Hauptstraße (L 139), die sich in voller Länge durch den Ort zieht. Insbesondere in den Spitzenzeiten dient sie als beliebte Ausweichstrecke. Als sich der Zeiger der 16-Uhr-Marke nähert, ist der anschwellende Verkehrsstrom unübersehbar. Eine Transit-Nebenstrecke von Pluwig nach Konz, vom Eurener Industriegebiet ins Ruwertal und den Hochwald: Das kleine Franzenheim wird zweimal täglich überrollt. Gerne hätten die Anwohner wenigstens ein Tempo-30-Limit. Doch seit die Straße nach dem Ausbau über richtige Bürgersteige verfügt, ist dies baurechtlich obsolet. So werden sie auch künftig mit dem Verkehrsproblem leben müssen in dem Dorf, von dem die Neubürgerin Sandra Minn-Hartmann meint: "Hier in Franzenheim gehört man sofort dazu. Man muss natürlich mitmachen wollen."