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Ebbes von hei - oder von dort

Ebbes von hei - oder von dort

Die Ernährungswirtschaft wird globaler, die Ernährungsinitiativen werden hingegen lokaler: Wie kann ein nachhaltiges Ernährungskonzept für die Region gelingen? Die Trierer Lokale Agenda hat sich beim regionalen Klimagipfel in der Volkshochschule mit Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auf die Suche nach Antworten begeben.

Trier/Morbach. Anfang 2016 haben sich in Köln und Berlin Ernährungsräte gegründet. Ihr Anliegen: Die Lebensqualität der Bürger und die Umweltbilanz durch soziale und ökologische Veränderung verbessern. Die Ernährungsräte vereinen Wissen, initiieren Projekte und entwickeln Ernährungsstrategien für eine nachhaltige Stadt - ein Beispiel für die Region Trier? Auch hier gibt es Initiativen zuhauf: Ob "Ebbes von hei" oder "SooNahe" - alle wollen ihre Region voranbringen. Doch können regionale Initiativen für nachhaltige Ernährung der ressourcenintensiven Weltwirtschaft überhaupt entgegenwirken?
"Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Ernährung" war der Ansatz einer Gesprächsrunde beim Trierer regionalen Klimagipfel. "Ich lebe für dieses Produkt", sagt Klaus Marx von der Regionalinitiative "Ebbes von hei". Sie sei der Gegenentwurf zum globalisierten Burger mit gleichem Geschmack auf der ganzen Welt. Mit dieser gemeinsamen Plattform vermarkten Mitgliedsbetriebe regionale Produkte und Dienstleistungen.
Für Theresia Sanktjohanser von Quint Fleischwaren sind die Regionalmarken zwar löblich, sie müssten sich jedoch vereinen, um die Vernetzung der Akteure voranzutreiben. "Warum streiten wir uns über Mosel, Eifel, Hunsrück und Saar?"
Marx entgegnet, dass es schwierig sei, die Regionalinitiativen zu vereinen, weil die Maßstäbe der Qualitätskriterien unterschiedlich seien und einige Initiativen privat und andere staatlich gefördert würden. Einig sind sich die Akteure der Diskussion jedoch in einer anderen Sache: Regional dürfe nicht über biologisch gehen, stellt Sanktjohanser klar: "Es darf nicht passieren, dass wir Massenproduktion im Regionalen bekommen." Letztendlich liege die Verantwortung aber auch beim Verbraucher, meint Sanktjohanser. Dieser müsse viel sensibler werden und hinterfragen - er könne sehr wohl mitentscheiden. Aus dem Publikum kommt der Einwand, man dürfe keine Konsumentenschelte betreiben, sonst erzeuge man bei den Verbrauchern eine Abwehrhaltung.
Carole Reckinger, Caritas Luxemburg, sieht im Schlusswort die Verantwortungsfrage einer nachhaltigen Ernährung weder beim Verbraucher noch beim Produzenten. "Es ist ein systemisches Problem des liberalisierten Welthandels - wir können das Problem nicht lösen, ohne das System zu ändern." sebi
Extra

Der gut vierstündige regionale Klimagipfel in der Volkshochschule fand unter dem Thema "Unsere Ernährung - sicher, ressourcenschonend und global gerecht" statt. Die Trierer Lokale Agenda hatte in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Rheinland-Pfalz zu Vorträgen von Akteuren aus Wissenschaft und Politik sowie zu einer Diskussionsrunde mit Vertretern der Prümtaler Mühlenbäckerei, der Regional iniative Ebbes von hei, von Quint Fleischwaren sowie von Foodsharing Trier eingeladen. sebi