Ehranger Flur: Einigung im Öko-Streit

Ehranger Flur: Einigung im Öko-Streit

Kompromiss im Ringen um Ausgleichsflächen in der Ehranger Flur: Landwirtschaftliche Flächen werden zusammengelegt, 20 Hektar werden ökologisch aufgewertet, es entsteht ein Naherholungsgebiet.

Trier. Moderator Martin Schumann kann aufatmen. Seit November 2008 hat sich der Vermessungsdirektor von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) in vielen Gesprächen darum bemüht, die Interessen von Landwirten, Behörden und Umweltschutzverbänden in der Ehranger Flur unter einen Hut zu bringen. Nun haben die Beteiligten eine Vereinbarung zur "Lösung der Nutzungskonflikte" unterschrieben. "Es ist die beste Lösung, alle haben Zugeständnisse gemacht", sagt Triers Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani. Die Stadt Trier, der Zweckverband Wirtschaftsförderung im Trierer Tal (ZWTT) und der Landesbetrieb Mobilität (LBM) müssen in dem etwa 60 Hektar großen Geländedreieck zwischen B 53, Ehranger Brücke und Mosel Eingriffe in die Natur ausgleichen. Man könnte auch sagen, sie müssen ökologische Wiedergutmachung leisten für Schäden, die sie andernorts der Natur zugefügt haben, etwa beim Bau der Ortsumgehung Ehrang (LBM) oder bei Projekten an der Saarmündung bei Konz-Könen (ZWTT). Insbesondere die Landwirte der Ehranger Flur hatten Probleme damit. Sie wollen keinen fruchtbaren Grund und Boden für andere Zwecke abgeben. Einer von ihnen ist Matthias Johaentges. Er hat unterschrieben, aber ungern: "Das ist wie eine kalte Enteignung. Man gibt was ab, weiß aber nicht, was man bekommt." Nun sollen die wie ein Flickenteppich über die Ehranger Flur verteilten Äcker zur B 53 hin zusammengelegt werden (roter Bereich auf dem Foto). Die Umverteilung wird in einem Flurbereinigungsverfahren geregelt. Es soll im Herbst 2012 abgeschlossen sein. Die landwirtschaftliche Nutzfläche bleibt bei rund 42 Hektar.

Die Ausgleichsmaßnahmen sollen in einem 20 Hektar großen und bis zu 250 Meter breiten Geländestreifen entlang der Mosel konzentriert werden (grüner Bereich). Eine Mehrfachnutzung ist erlaubt, das heißt: LBM, Zweckverband und Stadt können auf den gleichen Flächen ihr Ökokonto durch Renaturierungsmaßnahmen ausgleichen. Wie diese im Detail aussehen, erarbeitet das Trierer Umweltplanungsbüro BGH (siehe Extra).

Zum Schutz vor Wildschweinen werden die Ausgleichsflächen eingezäunt; das gilt auch für das bereits vor einigen Jahren renaturierte Mündungsgebiet der Kyll. Weitere Inhalte der Vereinbarung: Auf eine gewerbliche Nutzung von Kiesvorkommen wird verzichtet, ebenso auf einen Badesee, der einmal geplant war. Erholungssuchende sollen dennoch auf ihre Kosten kommen. Geplant sind Wanderwege und naturnahe Aufenthaltsorte am Wasser.

EXTRA

Die Vereinbarung zur Ehranger Flur unterzeichnen (von links) Andrea und Michael Schmitt (Landwirte), Zweckverbandschef Lothar Weis, Hans-Michael Bartnick (Landesbetrieb Mobilität) und Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani. TV-Foto: Albert Follmann.



Konzept Renaturierung Ehranger Flur: Betroffen ist ein 150 bis 250 Meter breiter Streifen entlang der Mosel (rund 20 Hektar). Ziel ist es, durch Abgrabungen etwa 300 000 Kubikmeter Rententionsvolumen (Wasser-Rückhalteraum bei Hochwasser) zu schaffen. Der Uferverlauf bleibt unverändert, es wird parallel zur Mosel ein Seitenarm angelegt, der die dahinter liegenden Flächen vor dem Wellenschlag der Schiffe schützen soll. Ähnlich wie bei der bereits abgeschlossenen Kyll-Renaturierung sollen "dynamische Flussbiotope" geschaffen werden - Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Es ist geplant, dass Fußgänger und Radfahrer das Naherholungsgebiet von den drei bestehenden Straßendurchlässen erreichen können. (alf)

MEINUNG
Wie Stuttgart 21, nur erfolgreicher

Von Albert Follmann

Die Dimensionen sind zwar nicht mit "Stuttgart 21" zu vergleichen, der Schlichtungsprozess schon. Herausgekommen ist bei der Ehranger Flur ein Kompromiss, mit dem alle leben können: Die Bauern behalten ihr Land, wenn auch nicht immer an der gleichen Stelle, LBM, Zweckverband und Stadt Trier können ihrer Ausgleichsverpflichtung nachkommen und die Ehranger und Quinter bekommen ihr Naherholungsgebiet. Auch die Tier- und Pflanzenwelt gehört zu den Gewinnern. Einzig die Wildsäue haben schlechte Karten. Wenn die Felder eingezäunt sind, gibt es für sie nichts mehr zu holen.
a.follmann@volksfreund.de

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