Eifeler Jungbrunnen

Die Menschen in der Region haben im Schnitt 42,6 Jahre auf dem Buckel, im Bundesschnitt sind es sogar 42,9. Ein Jungbrunnen ist dagegen Kaschenbach in der Verbandsgemeinde (VG) Irrel: Mit 33,02 Jahren im Mittel ist es der jüngste Ort weit und breit.

Kaschenbach. Kaschenbach ist klein. 65 Einwohner hat die Gemeinde in der VG Irrel. Auf den ersten Blick scheint dort nichts besonders zu sein. Doch die Einwohner dieser Gemeinde sind im Schnitt die jüngsten der Region. Das Durchschnittsalter der Kaschenbacher liegt laut Statistischem Landesamt bei 33,02 Jahren. Im weltweiten Vergleich stehen sie damit fast auf dem Niveau eines Schwellenlandes, wo die Menschen im Schnitt jünger sind - zum Beispiel liegt das Durchschnittsalter in China laut Internet-Geografiedatenbank geographixx.de bei 32,7 Jahren.

Doch was ist der Grund für die Kaschenbacher Jugendlichkeit? Sterben die Menschen hier früher, ist die Statistik gefälscht? Nein, die Kaschenbacher sind kinderfreundlich. Bei einem Nachmittagsspaziergang entlang der Dorfstraße trifft man immer wieder auf spielende Kinder - auf der Straße oder auf dem kleinen Spielplatz hinter der Kirche.

17 Einwohner Kaschenbachs sind unter 16. Fast ein Drittel der Jung-Kaschenbacher kommt aus den USA - Familie Mofrey, die seit einem halben Jahr in der Eifelgemeinde wohnt, senkt den Altersschnitt mit ihren fünf Kindern erheblich. Der Jüngste ist der einjährige Kamden, die älteste Tochter Mikayla ist 13 Jahre alt. Und die Mofreys fühlen sich wohl in Kaschenbach. "Wir bleiben auf jeden Fall vier Jahre. Am liebsten würden wir hier für immer leben", sagt Vater Chad Mofrey, der auf der Air Base in Spangdahlem arbeitet.

"Die Kinder sind unser Schatz, die werden auf Händen getragen", sagt Ortsbürgermeister Johannes Billen. Er ist stolz auf die vielen Kinder im Dorf und hat selbst vier erwachsene Söhne - zwischen 26 und 30 Jahre alt. Dass junge Familien sich in Kaschenbach wohl fühlen, hat Billen zufolge vor allem zwei Gründe: das günstige Bauland in Kaschenbach und die gute Lage zwischen Bitburg, Trier und Luxemburg nahe der B.51 und der E 29.

Jeder schaut nach den Kindern

Kinderreichste Kaschenbacher: Kristin (Dritte von links) und Chad (Vierter von links) Morfey haben fünf Kinder mit in das Eifeldorf gebracht: Mikayla mit dem kleinen Kamden (links) und Kaiden Kavlin und Keegan (Fünfter bis Siebter von links). TV-Foto: Christian Kremer.



Trotz der Nähe zu den großen Straßen herrscht Ruhe im Ort. Die Luft ist frisch. Zwar riecht es nach Dünger, Heu und Tieren, doch das bedeutet für die Kinder in erster Linie Abenteuer - beim Spielen mit den Hühnern von Familie Thommes oder beim Toben im Heustall der Billens. Manchmal wird für die Kleinen mitten im Ort ein Planschbecken aufgebaut. Unbeaufsichtigt seien sie auch beim Herumtollen auf der Dorfstraße nie. "Jeder schaut nach den Kindern", sagt Johannes Billen. Er legt großen Wert darauf, dass alle Kaschenbacher den Nachwuchs gut behandeln.

Ein Blick in die Zukunft Kaschenbachs lässt den Ortsbürgermeister weiterhin hoffen. "Wir haben noch einige Paare im Dorf, die wahrscheinlich bald Kinder bekommen."

Ganz anders sah die Situation vor 30 Jahren aus. Hätte Billen bei seinem Amtsantritt 1979 jemand gesagt, dass Kaschenbach einmal die jüngste Gemeinde im Regierungsbezirk Trier sein werde, hätte er ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. Damals haben laut dem Ortsbürgermeister die meisten Kaschenbacher - zum Teil hatte der Ort nur 38 Einwohner - zur Vorkriegsgeneration gehört. Die meisten davon seien gestorben. Heute leben noch drei über 80-Jährige im Dorf - der älteste Bewohner ist 91.

Die Ursache der Verjüngungskur sieht der Ortsbürgermeister primär in Projekten Anfang der 90er Jahre. Damals habe der Gemeinderat die Sanierung des Ortes in die Wege geleitet. Die Kirche wurde renoviert, verfallene, leerstehende Häuser wurden abgerissen. Ein weiterer wichtiger Aspekt für junge Familien ist, dass sowohl Kindergarten- als auch Schulbusse mitten im Dorf halten und die Kinder in die umliegenden Schulen und Kindergärten bringen. Jetzt wollen die Kaschenbacher eine schnelle Internetverbindung. 25 000 Euro kostet der DSL-Anschluss die Gemeinde. "Die Kinder müssen ja zum Teil ihre Hausaufgaben über das Internet lösen", sagt Billen. "Wir tun alles, um sie zu unterstützen."

Älter, nasser, sonniger, höher: Was hat unsere Heimat zu bieten? Die TV-Serie "Superlative der Region" wirft einen Blick auf Orte in der Region, die besonders sind.

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