"Eigener" Strom für Trier

TRIER. Die Nachricht kam für viele überraschend: Die Trierer Stadtwerke (SWT) wollen sich an einem Kraftwerk beteiligen und damit wieder "eigenen" Strom produzieren (der TV berichtete). Vergangene Woche gab der Aufsichtsrat grünes Licht, ab 2012 kommt ein Teil des Trierer Stroms aus einem Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen.

Bald kommt in Trier wieder "eigener" Strom aus den Steckdosen. Der Essener Energiekonzern RWE beteiligt erstmals Stadtwerke am Bau eines Steinkohlekraftwerkes. Wo das 1500-Megawatt-Projekt entstehen soll, ist noch nicht endgültig klar. Vermutlich wird es im westfälischen Uentrop gebaut. Dort plant RWE, auf dem Gelände des Kraftwerks Westfalen einen neuen Doppelblock mit 1500 Megawatt zu errichten. 2012 sollen die beiden Blöcke D und E ans Netz gehen und rund 40 Jahre Strom erzeugen. 1,5 Milliarden Euro soll der Bau kosten. Einen Großteil der Kosten will RWE durch die Beteiligung von Stadtwerken an dem Bau der Anlage finanzieren. 26 regionale Versorger aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz beteiligen sich an dem Projekt und investieren zusammen knapp 58 Millionen Euro. Insgesamt soll knapp ein Viertel der Gesamtleistung der beiden Kraftwerksblöcke von den beteiligten Stadtwerken erworben werden. Unter ihnen sind auch die Trierer Stadtwerke. Einen Anteil von zehn Megawatt wollen die SWT erwerben, ein Zehntel des Trierer Strombedarfs. "Wir könnten dadurch einen Teil unseres Stromeinkaufs vom Großhandelsmarkt abkoppeln und wären unabhängiger von kurzfristigen Marktentwicklungen", sagt Stadtwerke-Chef Olaf Hornfeck. Wie alle regionalen Versorger stehen auch die SWT unter Preisdruck. Für Januar haben sie eine Erhöhung des Strompreises beantragt (der TV berichtete). Mit der Beteiligung an dem Kraftwerk hofft man, langfristig den Preis halten zu können, wenn ein Teil des Trierer Stromes wieder "selbst produziert" wird. Bereits vor einiger Zeit wurde vom RWE eine Arbeitsgemeinschaft "Gemeinschaftskraftwerk Kohle" mit interessierten Stadtwerken gegründet. Zunächst waren 60 Versorger dabei, 26 sind schließlich noch übrig geblieben, die sich nun konkret an dem Projekt beteiligen. Über die Summe, mit der die Stadtwerke dabei sind, schweigt man in der Trierer Ostallee. Nach Medienberichten bezahlen andere Stadtwerke pro Megawatt rund eine Million Euro, zahlbar von 2007 bis 2012. Für Trier wären das dann rund zehn Millionen Euro. Die SWT planen jedoch, sich noch an weiteren Projekten zu beteiligen. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Kohlekraftwerk, das 2012 ans Netz gehen soll. Auch dort will sich der Trierer Versorger zehn Megawatt von der Gesamtproduktion sichern. Doch im Gegensatz zu dem Kraftwerk in Uentrop ist bei der zweiten Beteiligung noch nicht alles in trockenen Tüchern. Auf der SWT-Chefetage geht man jedoch davon aus, dass beide Projekte pünktlich umgesetzt werden.

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