Eile mit Weile

TRIER. Mit dem Motto "Qualität geht vor Tempo" will der designierte OB Klaus Jensen die Reform der Verwaltung und die Besetzung des Stadtvorstands in Angriff nehmen. Eine kurzfristige Ausschreibung des frei werdenden Dezernentenpostens im November ist nach seiner Ansicht nicht sinnvoll.

Wenn das künftige Trierer Stadtoberhaupt dieser Tage eine Visite in seinem künftigen Amtssitz macht, kommt es reich bepackt heraus. Bereits jetzt geht im Rathaus jede Menge Post für den gewählten neuen OB ein, und in Jensens Büro in St. Matthias stehen schon mal Bürger vor der Tür, um Einsprüche gegen Verwaltungsverfügungen loszuwerden. Dass er erst ab April 2007 amtiert, hat sich längst nicht überall herumgesprochen. Und so muss er ein übers andere Mal erklären, dass er noch gar nicht "dran" ist und dass er unter allen Umständen vermeiden will, "als Nebenregierung öffentlich aufzutreten". Das ist keineswegs so einfach, will doch jeder wissen, was der designierte Rathaus-Chef zu bestimmten Fragen meint. Doch Jensen setzt auf Enthaltsamkeit: "Ich stelle im Moment Fragen und gebe noch keine Antworten", lautet seine Formel. Doch die Zurückhaltung lässt sich nicht in allen Punkten durchhalten. Die Frage der Verwaltungsreform, für die ein fast beschlussreifes Konzept vorliegt, und die Besetzung des Stadtvorstands, die unter dem Druck knapper Fristen steht (der TV berichtete), fordern von Jensen klare Ansagen - auch schon vor Amtsantritt. In einem Punkt legt er sich denn auch fest: Keine Ausschreibung von Posten vor der Entscheidung über die neue Verwaltungsstruktur. Damit sind Überlegungen, noch im November die Nachfolge für die ausscheidenden Dezernent(in)en Horsch und Dietze anzugehen, Makulatur. Es habe keinen Sinn, einen Dezernenten zu suchen, so lange seine inhaltliche Aufgabe nicht klar sei, sagt Jensen. Die aber hänge maßgeblich vom reformierten Verwaltungsaufbau ab. In dieser heiklen Frage will sich der Verwaltungschef in spe nicht hetzen lassen. Ab der kommenden Woche klinkt er sich in die Arbeit der Steuerungsgruppe aus Rat und Verwaltung ein, die den Plan zur Effektivierung und Verschlankung der städtischen Behörden derzeit mit Feinschliff versieht. "Ich muss sehen, ob das zu meinen Vorstellungen passt", sagt Jensen. Vor allem aber sucht er auch Kontakt zu den Rathaus-Mitarbeitern, um deren Meinung zu ergründen: "Ein Modell, das nicht von den Mitarbeitern innerlich mitgetragen wird, hat keinen Sinn". Bis zum Jahresende soll die neue Verwaltung im Wesentlichen stehen, dann könnte auch das entsprechend zugeschnittene Dezernat ausgeschrieben werden. Dass es dann im Frühjahr mit nur drei Stadtvorständlern einen kurzfristigen Personal-Engpass gibt, nimmt der Neue in Kauf. Trotzdem soll es zügig gehen. Deshalb hat Jensen die Gespräche mit den Fraktionen schon aufgenommen, "in angenehmer, sachlicher Atmosphäre", wie er die bisherigen Erfahrungen zusammenfasst.Auf der Suche nach Mehrheiten

Er muss Mehrheiten finden für seine Politik, denn im Rat gibt es keine Koalition, die ihn trägt. SPD und Grüne, die ihn bei der Wahl unterstützt haben, haben ebenso wenig eine Mehrheit wie die CDU. Ohnehin gebe es nicht "meine Fraktionen", betont Klaus Jensen und verweist auf seine unabhängige Kandidatur. Er werde "alle Fraktionen absolut gleich behandeln" und "den Konsens auf allen Seiten suchen". Den im Rat vertretenen Gruppen sichert er zu, dass sie "frühzeitig in Entscheidungsprozesse eingebunden werden" und dass er "wichtige Gedanken zur städtischen Politik möglichst gemeinsam mit ihnen entwickeln" wolle. Und die spannende Frage, wer denn künftig welche Aufgabenfelder an der Stadtspitze übernimmt? Ob Georg Bernarding und Ulrich Holkenbrink ihre Ressorts behalten? Welche Felder der Chef beackert? Da bleibt der Demnächst-OB stumm. Es sei nicht seine Art, "dass die Betroffenen so etwas in der Zeitung lesen".