Ein barockes Juwel

TRIER. "Die katholische Pfarrkirche St. Paulin in Trier" heißt der achte Band der Forschungsberichte zur Denkmalpflege, der in der sonnendurchfluteten Barockkirche vorgestellt wurde.

Die restaurierte Kirche konnte sich bei der Vorstellung des ihr gewidmeten Buchs bei Sonnenschein von ihrer glanzvollsten Seite zeigen. Unter den vielen romanischen und gotischen Kirchen in Rheinland-Pfalz ist St. Paulin im barocken Stil eine Seltenheit. Heute erstrahlt die Barockkirche nach der aufwändigen Restaurierung von 1986 bis 1993 wieder in voller Pracht. Musikalisch eingeleitet wurde die Vorstellung des Buches durch Regionalkantor Joachim Reidenbach an der Orgel. Dabei konnten die Gäste in Ruhe den prunkvollen Innenraum der Kirche bewundern. Dechant Josef Mettel zeigte sich über den Erhalt von St. Paulin sehr erfreut, denn "etwa 90 Kirchen im Bistum stehen vor dem Aus. Das ist bitter". Auch Staatssekretär Roland Härtl ist froh, dass dieses "Juwel" durch die Restaurierung für die Zukunft erhalten bleibt. Er vermittelte den Besuchern einen kurzen Überblick der Geschichte St. Paulins.1700 Jahre "Kult-Tradition"

Die jetzige Pfarrkirche und ehemalige Stiftskirche wurde über den Resten einer spätantiken, etwa im vierten Jahrhundert errichteten Basilika erbaut. Bei den Eroberungskriegen von König Ludwig XIV. wurde die Kirche 1674 zerstört und erst 1757 nach dem Wiederaufbau durch Kurfürst Franz Georg von Schönborn geweiht. Seitdem musste sie viele Veränderungen erleben. Somit kann die Kirche auf eine über 1700 Jahre lange "Kult-Tradition" zurückblicken, wie der Diözesankonservator im Ruhestand, Franz Ronig, bemerkte. Wegen seines Einsatzes für die Wiederherstellung der ockergelben Außenhaut der Kirche hat sich die Bezeichnung "schönborn-gelb" zu "ronig-gelb" gewandelt, erzählte Ronig schmunzelnd. Über die Restaurierung der Fresken des Augsburger Malers Scheffler freut er sich besonders: "Die Restaurierung hat uns diese Gemälde wieder geschenkt." Die Malereien waren so gut erhalten, dass "nicht so große Eingriffe wie befürchtet nötig waren", sagte Hauptkonservatorin im Ruhestand Regine Dölling. Sie erzählte von den vielseitigen Restaurierungsarbeiten. Im Altarraum wurden der Kopf der Madonna sowie die beiden Seitenfiguren gerichtet. Außerdem wurden Vergoldungen, Versilberungen, Chorgestühl, Orgelempore und Farbgebung der Fresken und Wände aufwändig restauriert. "Diese vielen Detailarbeiten brachten dem Buch viele Einzelberichte", freute sich Dölling. "Das Ergebnis der Restaurierung wird der Öffentlichkeit durch das Buch nutzbar und lesbar gemacht und ist mit zahlreichen Bildern sehr ansprechend", fasste Hauptkonservator und Abteilungsleiter für Bau- und Kunstdenkmalpflege, Joachim Glatz, zusammen. Ein feierliches Ende fand die Buchvorstellung bei der Erleuchtung der sich verdunkelnden Kirche mit Orgelmusik "Allegro pomposo" von Rellstab. Der Band enthält neben der Dokumentation der Restaurierung auch Neues zu Architektur und Gewölbemalerei. Herausgeber ist das Landesamt für Denkmalpflege. Das Buch ist in jeder Buchhandlung erhältlich.

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