Ein Beirat soll helfen

TRIER. Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer hat der Stadt Trier die Einrichtung eines Behindertenbeirats empfohlen. Bei der vierten Regionalkonferenz im "Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen" bedauerte die Ministerin zugleich die Abwesenheit kommunaler Spitzenpolitiker. Doch die hatten offenbar nie ihre Teilnahme zugesagt.

Mehr als 100 Vertreter von Behinderten-Einrichtungen sowieBetroffene und Interessierte waren der Einladung desSozialministeriums in die Europäische Rechtsakademie gefolgt, umüber die Situation behinderter Menschen zu diskutieren. Dochwährend aus Mainz die Ministerin und ihr Staatssekretär RichardAuernheimer angereist waren, saß von der Stadt Trier lediglichder Leiter des Tiefbauamts, Martin Bismor, auf dem Podium. Nichtnur die Ministerin bedauerte die Abwesenheit der lokalenProminenz. Auch aus dem Plenum wurde Verärgerung über dieAbwesenheit von Oberbürgermeister und Landrat geäußert. Von"kurzfristigen Absagen" war dabei die Rede. "Es gab keine Absage, weil es seitens des Oberbürgermeisters auch keine Zusage zu der Einladung des Ministeriums gegeben hat", erklärte auf TV -Anfrage indes der Sprecher der Stadt, Ralf Frühauf. Zwar habe das Ministerium die Teilnahme des OB angefragt. Dessen Bitte nach weiteren Informationen hätten die Mainzer jedoch nicht entsprochen. Statt dessen sei eine Rednerliste im Rathaus eingegangen, auf der sich Helmut Schröer - zu seiner eigenen Überraschung - wiedergefunden habe. Auch der Landrat hatte seine Teilnahme nie zugesagt; er hatte schon vor Wochen eine Berlinreise vereinbart. Auf der am Montag verschickten Rednerliste stand gleichwohl auch der Name Richard Groß.

Ministerin wirbt für pragmatische Lösungen

Zweifellos hätte die Präsenz kommunaler Entscheidungsträger bei der Regionalkonferenz Sinn gemacht. Denn Gleichstellung und Barrierefreiheit lassen sich am ehesten vor Ort herstellen. Ministerin Dreyer warb denn auch um "pragmatische Lösungen", mit denen die Kommunen auch in Zeiten knapper Finanzen ihren Beitrag leisten könnten. Sie verwies auf das Landesgleichstellungsgesetz und forderte die Einrichtung eines kommunalen Behindertenbeauftragten sowie eines Beirats auch für Trier. "Ich habe in meiner Zeit als Sozialdezernentin in Mainz nur positive Erfahrungen mit diesem Gremium gemacht", sagte Dreyer am Rande der Veranstaltung gegenüber dem TV . Auch fast alle Podiumsteilnehmer bekräftigten ihre Forderung nach einem Beirat für die Belange behinderter Menschen. Staatssekretär Au-ernheimer sagte, die Kommunen hätten sich an das kürzlich verabschiedete Landesgleichstellungsgesetz zu halten.

Podiumsteilnehmer berichteten von Fortschritten, die sie dank Selbsthilfeeinrichtungen in den letzten Jahren machen konnten. Eindrucksvoll schilderte Adolf Pott vom Trierer Blinden- und Sehbehindertenverband seine Situation: "Barrieren gibt es für uns Blinde eigentlich überall, denn auch wo keine sind, müssen wir welche vermuten." Der auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesene Sprecher des Trierer Behindertenforums, Christian Fischer, wies darauf hin, das oftmals sinnliche Behinderungen in der Diskussion außen vor blieben.

Dreyer und ihr Staatssekretär nutzten die Regionalkonferenz auch, um Verunsicherung zu zerstreuen: So werde das Land sich nicht aus ihrem Modellprojekt "Selbstbestimmt leben" zurückziehen, stellte die Ministerin klar. Sie forderte Unternehmen auf, sich für behinderte Menschen zu öffnen. Bislang würde beispielsweise gerade ein Prozent der Menschen in Behindertenwerkstätten den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen. "Wir brauchen noch viel Power", appellierte Dreyer auch an Podium und Plenum. Behinderte Künstler beeindruckten mit Tanz- und Kabarett-Darbietungen.