Ein Betreuer für 100 Flüchtlinge: Kreis stellt Sozialarbeiter ein, verzichtet gleichzeitig auf vorgesehenes Personal

Ein Betreuer für 100 Flüchtlinge: Kreis stellt Sozialarbeiter ein, verzichtet gleichzeitig auf vorgesehenes Personal

Angesichts der Flüchtlingswelle schafft der Kreis weitere Betreuerstellen. Auf 1400 Asylbewerber sollen 14 Sozialarbeiter kommen – das ist weniger als der Förderantrag des Caritasverbandes vorsah, den der Bund abgelehnt hatte. Das Betreuungskonzept sei unzureichend, kritisieren Grüne, Linke, Piraten und Alfa im Kreistag.

Die Hoffnung starb am 1. Juni 2015. Damals teilte der Bund dem Caritasverband Trier mit, dass die beantragten Fördermittel von 90 Prozent für die Integration von Flüchtlingen nicht fließen werden (der TV berichtete). Damit war auch das Betreuungskonzept, das der Kreis mit Caritas, Diakonie und DRK ausgearbeitet hatte, hinfällig.
Der Kreistag hatte sich vorbehalten, im Falle einer Ablehnung nochmals zu entscheiden, wie die soziale Betreuung und Qualifizierung von Flüchtlingen geregelt werden kann. Dies tat er am Montagabend. Mehrheitlich beschloss das Gremium ein Personalpaket für die 1400 Asylsuchenden, die der Kreis bis zum Jahresende aufnehmen soll. Auf einen Sozialarbeiter kommen demnach 100 Asylbewerber. Im abgelehnten Konzept vom Frühjahr sollte der Schlüssel 1:90 sein.

Die Grünen und die Kreistagsmitglieder Kathrin Meß (Linke), Karl-Georg Schroll (Piraten) und Peter Müller (Alfa, früher AfD) sprachen sich gegen eine Kürzung aus. Insbesondere die Trauma-Therapie müsse gewährleistet bleiben. Fast jeder zweite Asylbewerber sei durch Kriegsfolgen oder Flucht traumatisiert. Auf die 2,25 vorgesehenen Stellen im Bereich Verfahrensberatung und Trauma-Therapie könne verzichtet werden, sagt die Verwaltung, weil es bereits drei Trauma-Zentren in Rheinland-Pfalz gebe, unter anderem in Trier. Auch Integrationsberater und Jobcoaches sollen aus Kostengründen keine eingestellt werden (siehe Extra).

Die Kreistagsmehrheit von CDU, SPD, FWG und FDP befürwortet das Alternativkonzept der Kreisverwaltung. Dieses sieht auch eine Deckelung der 14 Stellen für den Fall vor, dass mehr als 1400 Flüchtlinge kommen. "Wir liegen mit dieser Quote im Land weit vorn", sagt CDU-Fraktionschef Bernd Henter. Ingeborg Sahler-Fesel (SPD) ist zuversichtlich: "Wir lassen die Kommunen nicht im Regen stehen, auch wenn mehr kommen." Dieter Klever (FWG) beklagt die langen Asylverfahren. "24 Stunden Langeweile für Flüchtlinge darf es nicht geben." Bernhard Busch (FDP)sieht ein anderes Problem: "Der Stellenmarkt ist leer. Kriegen wir überhaupt noch qualifizierte Sozialarbeiter?"

513 Euro haben derzeit Kreis und Kommunen für Unterkunft und Betreuung eines Flüchtlings zur Verfügung. Wie viel Geld noch dazu kommt, hängt von Verhandlungen ab, die Ministerpräsidentin Malu Dreyer heute mit Vertretern der kommunalen Spitzenverbände führt. Es geht um die Aufteilung der vom Bund zugesagten 670 Euro pro Asylbewerber. Bei den Gesprächen wird auch Landrat Günther Schartz dabei sein. Er hat sich vom Kreistag die Ermächtigung eingeholt, dass der Ältestenrat über mögliche Ankäufe von Immobilien zur Unterbringung von Flüchtlingen entscheiden kann. In den nächsten Monaten sollen Wohncontainer in Konz, Kell, Saarburg, Schweich, Osburg und eventuell Kordel aufgestellt werden.

Extra

Betreuungspersonal für Flüchtlinge

Projektleitung: Der Kreis hält die zur Ablauf-Koordinierung vorgesehehen 1,5 Stellen für zwingend erforderlich und finanziert sie aus Eigenmitteln.

Verfahrensberatung/Trauma-Therapie: Die vorgesehenen 2,25 Stellen kommen nicht. Laut Kreis gibt es bereits drei Traumatherapie-Zentren im Land.

Integrationsberater: Auf die geplanten 2,25 Stellen soll verzichtet werden. Die Vermittlung in Sprachkurse könne teilweise durch Sozialarbeiter erfolgen, sagt der Kreis.

Möbelbörse: Diese Einrichtung des Cartiasverbandes soll um die vorgesehenen vier Stellen aufgestockt werden.

Jobcoach: 2,25 vorgesehene Stellen werden nicht geschaffen. Laut Kreis hat die Handwerkskammer Trier einen Jobcoach eingestellt, eine weitere Stelle könnte folgen.

Ehrenamtskoordinator: Zwei Sozialarbeiter kommen dafür.

Wohnraumakquise: Der Kreis schafft eine Vollzeitstelle.

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