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Ein Bildstock, zwei Ansichten

Ein Bildstock, zwei Ansichten

´Am Bildstock an der Kernscheider Friedhofsmauer ist von beiden Seiten ein Korpus zu sehen. Lange war die Rückseite in der Erde verschwunden, ehe sie 2011 wieder freigelegt wurde.

Trier-Kernscheid. Eine seltene Art von Bildstock findet sich im Trierer Höhenstadtteil Kernscheid. Ein barockes Doppel-Totengedächtniskreuz (kein Grabkreuz) aus Kordeler Sandstein ist in der Mauer des Kernscheider Friedhofs eingelassen. Das Besondere: Das Kreuz hat nach zwei Seiten hin einen Korpus.
Auf der vorderen, der Straße zugekehrten Seite, ist eine Pietà mit zwei knienden Beifiguren und eine hohe Kreuzigungsgruppe, bestehend aus Kreuz mit Kruzifix, Maria und Johannes, abgebildet.
Die Rückseite zeigt den Gekreuzigten, der auf vertieftem Kreuzbalken aus dem Stein gehauen ist. Unterhalb des Gekreuzigten ist eine Frau mit einem Schwert zu sehen, die Gottesmutter. Das Herz der Frau wird von einem Schwert durchbohrt. Auf dem Kreuzschaft ist eine Inschrift ausgehauen: 1784 den 24 Ap ist gestorben Anna Maria Berens, auf dem rückwärtigen Kreuz steht die Jahreszahl 1785.
Das Kreuz war ursprünglich ein Altarstück in einer Kapelle. Nach deren Abriss und dem Neubau der heutigen Kirche (1862) stellte man das Kreuz gegenüber der Kirche an der Friedhofsmauer auf.
Bis Anfang der 1960er Jahre war das Doppelkreuz als Bildstock freistehend oder nur wenig in die Mauer eingelassen. Bei der Erneuerung der Friedhofsmauer 1963 fügte man das Kreuz in die neue Mauer ein. Dies führte dazu, dass die Rückseite des Kreuzes fast ganz im Erdreich verschwand. Mit Ortsbeiratsmitteln ist das Doppelkreuz 2011 wieder sichtbar gemacht worden. red