Ein bisschen von allem, aber vor allem Kultur

Ein bisschen von allem, aber vor allem Kultur

Die Beigeordnetenstelle von Ex-Dezernent Thomas Egger soll mit nahezu unveränderten Zuständigkeiten neu ausgeschrieben werden. Oberbürgermeister Wolfram Leibe spricht von einer „nachrangigen Lösung“. Aber die Wunschvariante des Stadtvorstandes fand bei den Fraktionen keine Mehrheit. Zur Stunde diskutieren die Fraktionen, ob sie mit dem Kompormiss-Text einverstanden sind.

Es ist nicht das, was Stadtvorstand und Oberbürgermeister sich dringend gewünscht haben. Und dem, was die CDU gefordert hat, entspricht die Stellenanzeige zumindest auch nicht ganz. Die Grünen hätten es lieber gesehen, wenn das Ressort "Kultur" im Ausschreibungstext stärker betont worden wäre. Die SPD hatte gar gefordert, nach einem profilierten Kulturdezernenten zu suchen - und den Bereich Recht und Ordnung auszulagern.
Das Gewollte hat also keiner so richtig bekommen. Vielmehr alle ein bisschen von dem, was sie gefordert hatten.
Der Stellentext, den Oberbürgermeister Wolfram Leibe am Montag den Fraktionen vorgeschlagen hat, ist so etwas wie eine Essenz der unterschiedlichen Forderungen. Der Text resultiere allerdings aus der Tatsache, "dass sich keine beschlussfähige Mehrheit für eine der fünf von der Verwaltung vorgeschlagenen Ausschreibungsvarianten ergeben hat", erklärte Oberbürgermeister Wolfram Leibe auf TV-Nachfrage. Laut angepasstem Textvorschlag soll nun nach einem Dezernenten gesucht werden für Kultur, Tourismus, Recht, Sicherheit und Ordnung - und damit exakt dem Zuständigkeitsbereich von Ex-Dezernent Thomas Egger. Der Begriff "Kulturdezernent/in" - im Ausschreibungstext in Klammern gesetzt - soll dabei offenbar betonen, dass dieses Gebiet gegenüber dem Recht- und-Ordnungssektor eher etwas mehr Gewicht beigemessen wird (siehe Extra).

Die Stellenbeschreibung sei lediglich eine "nachrangige Lösung" gegenüber dem, was der Stadtvorstand und er präferiert hatten, betont Leibe. Der Oberbürgermeister hätte lieber eine profilierte Beigeordnetenstelle ausgeschrieben - entweder mit dem Schwerpunkt Kultur oder Recht und Ordnung - und verbindlicher Auslagerung des jeweils anderen Schwerpunkts auf einen zusätzlichen Manager. "Diese Unterstützung durch einen Manager hätte im Ausschreibungstext explizit erwähnt werden sollen, damit die Bewerber wissen, worauf sie sich einlassen", hatte OB Leibe dazu erklärt (der TV berichtete). Im Textvorschlag, der am Montag den Fraktionen vorgelegt wurde, fehlt der Hinweis, dass Bewerber sich auf Unterstützung verlassen können.

"Ob wir eine zusätzliche Stelle schaffen oder nicht, können wir je nach Bewerberlage immer noch entscheiden", sagt CDU-Chef Udo Köhler. Und auch SPD-Vorsitzender Sven Teuber betont: "Der Ausschreibungstext ist ein pragmatischer Weg, im Stadtrat eine Mehrheit für einen Ausschreibungstext zu finden." Wie von der SPD gefordert, liege der Schwerpunkt dabei auf dem Ressort Kultur. "Ob wir anschließend noch einen Rechtsmanager brauchen, werden wir dann sehen."

Die Grünen meldeten dagegen Änderungsbedarf: "Der Textvorschlag des Stadtvorstandes berücksichtigt zwar, dass wir gegen einen zusätzliche Managerstelle sind. Allerdings betont die Ausschreibung zu wenig das Ressort Kultur - da hätten wir gerne einen stärkeren Fokus drauf", erklärt Petra Kewes. Ihr letztliches Feedback zum Textvorschlag wollten die Fraktionen am Montagabend an die Stadtverwaltung geben.
Zurzeit diskutieren die Fraktionen im Rathaus. Am morgigen Dienstag soll die finale Textversion der Stellenausschreibung in einer Sondersitzung des Stadtrats beschlossen werden.
Extra

So könnte die Stellenanzeige, die unter anderem in der Wochenzeitung Die Zeit geschaltet werden soll, lauten (Stand: Montagabend, Auszug):

"Bei der Stadt Trier ist die Stelle einer/eines hauptamtlichen Beigeordneten für den Geschäftsbereich Kultur, Tourismus, Recht, Sicherheit und Ordnung (Kulturdezernent/in) zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu besetzen. (…) Die Ausschreibung richtet sich an Interessentinnen/Interessenten mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium, vorzugsweise der Fachrichtungen Betriebswirtschaft, Rechtswissenschaften oder Volkswirtschaft. Sie verfügen über mehrjährige (mindestens fünf Jahre) Führungserfahrung. Mehrjährige praktische Erfahrung in einer dem Amt angemessenen hauptamtlichen Verwaltungstätigkeit oder entsprechende Berufserfahrung im Kultursektor sind von Vorteil. Von der Bewerberin/dem Bewerber wird umfassendes Verständnis in gesellschaftspolitischen Fragestellungen und eine hohe Identifikation mit Kunst und Kultur erwartet. Ebenso erwartet wird eine gute strukturierte Arbeitsmethodik, hervorragende analytisch-konzeptionelle Fähigkeiten und ein hohes Maß an sozialer Kompetenz zur kooperativen, zielorientierten Führung des Dezernates. Ebenso vorausgesetzt werden ein hohes Maß an Verhandlungsgeschick sowie kommunikative Fähigkeiten, Überzeugungskraft und Kooperationsbereitschaft, um tragfähige Lösungen mit unterschiedlichen Interessenvertretern zu erarbeiten und umzusetzen."