Ein Blick zum anderen Glauben

Im Rahmen der Wanderausstellung "Anne Frank - eine Geschichte für heute" in der Konstantin-Basilika wurde zu einem "Abend der Begegnung" eingeladen, bei dem sich die großen Weltreligionen vorstellten.

Beim „Abend der Begegnungen“ spielte Baha Mohadjor auf der 80-saitigen Santur, einem Instrument, das aus dem Iran stammt. TV-Foto: Ludwig Hoff

Trier. "Wir möchten ein Zeichen setzen für ein friedliches Miteinander, für Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Glaubenstraditionen von Menschen, die mitten unter uns leben", sagte Pfarrer Guido Hepke von der evangelischen Kirchengemeinde Trier und Mitinitiator der Abendveranstaltung "Religionen im Gespräch" am Samstag im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Trier.

Einblicke in den gelebten Glauben



Dem Aufruf zum gegenseitigen Kennenlernen waren katholische und evangelische Christen, Juden, Moslems, Buddhisten und Angehörige der Baha'i-Religion gefolgt. Am Anfang stand eine kurze Vorstellungsrunde, an die sich jeweils ein "Impuls-Statement" anschloss, das Prinzipien und Fundamente der unterschiedlichen Religionen näher beleuchtete.

Und es ging noch weiter, bevor sich die Teilnehmer am Ende zu einem zwanglosen Miteinander im Foyer trafen: Ein spiritueller Part vermittelte Einblicke in den gelebten und praktizierten Glauben der jeweiligen Religionen. Dabei taten sich immer wieder Gemeinsamkeiten auf, wenn auch mit anderen Begriffen und Bezeichnungen. "Eigentlich geht es nur um eine Religion. Alle glauben an ein höheres Wesen", egal wie das bezeichnet werde, sagte Sonja Kieselmann von der katholischen Pfarrei Christi Himmelfahrt in Trier-Ehrang. Eine große Schnittmenge untereinander hat Rachel Kyll von der Jüdischen Kultusgemeinde Trier ausgemacht und findet: "Die Gespräche mit den anderen Religionen machen einfach Freude - und erweitern das eigene Spektrum." Bekanntlich geht Liebe durch den Magen. Vielleicht ist es bei den Religionen - zumindest beim Sich-Näherkommen - nicht viel anders. Ob Würstchen von der evangelischen , Plätzchen von der katholischen, koscherer Wein von der jüdischen Gemeinde, "Damr" (Datteln) von Vertretern des Islam oder Streuselkuchen von der Baha'i Gemeinde: An den Infoständen im Vorraum des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses wurden bei Essen und Getränken noch viele Gespräche untereinander geführt. Musik auf der 80-saitigen Santur steuerte Baha Mohadjor bei. Saskia Law von der den Abend mitvorbereitenden Baha'i Gemeinde: "Wir glauben, dass unterschiedliche religiöse Bekenntnisse, ebenso wie die Vielfalt der Kulturen, keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung für uns alle darstellen." Er sei sehr erfreut über Verlauf und Ergebnis des Abends, resümierte Pfarrer Guido Hepke, denn: "Die Menschen kamen miteinander ins Gespräch - und zwar über die Grenzen von Kultur und Religion hinweg."