Ein Club namens Rita sucht Finanziers in Trier

Ausgehen : Ein Club namens Rita sucht Finanziers in Trier

Unter dem Unverpackt-Laden an der Porta soll ein Club entstehen. Mehr noch als das Konzept ist die Finanzierung ungewöhnlich für Trier.

Die Musikanlage steht schon. Die Boxen sind mehr als mannshoch, vom Hersteller Funktion-One. Das Berghain in Berlin benutzt das gleiche System, wie man dort bestätigt. Rita heißt der neue Club, der im März oder April neben der Porta Nigra in der Simeonstraße 3 öffnen soll. Der Eingang ist übrigens in der Rindertanzstraße 15. Rita – das steht für „Rabatz in Triers Innenstadt“.
Sebastian Würth, 24, führt durch den Keller unter dem Unverpackt-Laden, den er betreibt. 300 Quadratmeter ist er groß, 200 davon sollen für den Club genutzt werden. Bislang ein relativ leerer Raum. Der
Brandschutzbeauftragte hat ihn sich schon angesehen.

Bevor es losgehen kann, müssen noch ein paar Wände aufgestemmt, Türen verbreitert und Treppen gegossen werden, damit Fluchtwegvorgaben eingehalten werden. Das klingt nach einem großen Aufwand, aber Sebastian Würth wirkt ganz entspannt, wie er da auf einem Sofa sitzt und erzählt. „Finanziell ist größtenteils alles geklärt.“ Er hat auch schon einiges investiert. Alleine die besagte Musikanlage kostete seinen Angaben nach 35 000 Euro.
Ein Getränkegroßhändler, der den Club mit Bier beliefern wird, hat unter anderem Geld zur Verfügung gestellt. 9000 Euro braucht Würth aber noch und möchte sie bis zum 24. Januar über das Crowdfunding-Portal Startnext sammeln (www.startnext.com/rita). Dieses Geld sei vor allem für das „Schönmachen“ des Clubs: für eine ordentliche Lüftungsanlage, damit es nicht so warm wird, Toiletten auch auf der Club-Etage und eine gute Lichttechnik. Für eine Unterstützung gibt es verschiedene Dankeschön-Geschenke, etwa einen Dankeschnaps für fünf Euro, ein Rita-T-Shirt für 30 Euro oder eine Eintrittskarte für einen Baustellen-Rave oder eine Baustellen-Pogo-Party für je zwölf Euro. Bis Sonntag waren rund 3200 Euro zusammengekommen.

„Wir werden größtenteils Elektro spielen, aber auch Liveveranstaltungen machen“, sagt Würth. Donnerstags soll es Jazzabende geben, auch Auftritte von Singer-Songwritern oder Punkbands sind geplant. Clubs gibt es in Trier einige. Unter anderem den Club 11 gleich nebenan, den Mergener Hof, die Luke, den Secret Club (ehemals A1), den Club Toni, das Ghost, den Mycro Club unter dem Havanna, die Villa Wuller oder das Exhaus. Würth spricht trotzdem, wohl wie alle, die einen neuen Club eröffnen, von „begrenzten Ausgehmöglichkeiten“.

Dass Sebastian Würth etwas auf die Beine stellen kann, hat er bewiesen. Schon mit 16 hat er in seinem Heimatdorf im Saarland ein Rockfestival veranstaltet mit nach eigenen Angaben 400 bis 500 Besuchern. Seit bald drei Jahren leitet der gelernte Einzelhandelskaufmann und ehemalige BWL-Student nun den Unverpackt-Laden in Trier, der im Juni von der Paulinstraße in die Simeonstraße umgezogen ist. Würth sorgt sich um die Vermüllung der Welt und, dass diese gar nicht mehr weiß, wohin mit all dem Plastik, mit dem heute praktisch alles verpackt ist. „Ich kann gar nicht mitansehen, was alles weggeworfen wird.“ Nicht nur Müll, sondern auch Lebensmittel in Supermärkten. Schon für die Eröffnung des Unverpackt-Ladens hatte Würth eine Crowdfunding-Kampagne gestartet und nach eigenen Angaben 28 000 Euro zusammenbekommen.

Doch in den neuen Räumlichkeiten entsteht noch mehr. Im hinteren Teil des Erdgeschosses, mit Eingang in der Rindertanzstraße, möchte eine Bekannte von Würth ein vegetarisches Café/Restaurant eröffnen. Handwerker wirbeln gerade ordentlich dafür. „Es wird eine Mischung aus gesundem Essen und moderner Küche geben. Ein bisschen abgedrehter und kalorienbewusst“, sagt der 24-Jährige. Über das Restaurant sollen Besucher dann ab 23 Uhr in den Club kommen.

Dort schmeißt Würth die Anlage an und stellt sich ans Mischpult. Er könnte damit den ganzen Platz vor der Porta Nigra beschallen, aber er mag es nicht, wenn mit Lautstärke Tonqualität kompensiert wird. Er legt etwas Ruhiges auf – und schlagartig wirkt der leere Keller ganz anders.

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