Ein deutscher Don Bosco
Kommt in Schweich die Rede auf die "großen Söhne der Stadt", taucht der Name des Dichters Stefan Andres (1906 bis 1970) auf. Noch umfassender und nachhaltiger als Andres' literarisches Schaffen ist das Lebenswerk des Johannes Maria Haw. Geboren wurde am 26. Mai 1887. Am 28. Oktober jährt sich sein Todestag nun zum 60. Mal.
Schweich. Eine Tafel am Haus Bahnhofsstraße 1 in Schweich weist heute auf die Geburtsstätte von Johannes Haw hin. Johannes ist das zweite von acht Kindern einer wohlhabenden Bauern- und Winzerfamilie. Eher schwach und kränklich, zieht es ihn schon früh zu Büchern und Studium. Die harte Landarbeit ist nicht seine Perspektive.
Nach der Volksschule in Schweich besucht er ein Gymnasium in Trier, um 1891 nach dem Abitur ein Theologiestudium zu beginnen. Am 30. März 1895 wird Haw in Trier von Bischof Michael Felix Korum zum Priester geweiht. Seine Seelsorgearbeit beginnt er zunächst als Kaplan in St. Liebfrauen in Koblenz und wird dann Vikar in einer Bergarbeiter-Pfarrei in Holz bei Saarbrücken. Wegen seiner labilen Gesundheit schickt ihn der Bischof 1900 als Pfarrer nach Wintersdorf an der Sauer. Dort setzt Haw seinen ersten Meilenstein: Mit Mühen und hohem Einsatz erbaut er in der armen Gemeinde eine Kirche.
Entsetzt über die sozialen und gesundheitlichen Folgen des damals grassierenden Alkoholmissbrauchs, beginnt sich Haw im "Mäßigungsbund" - einer deutschlandweiten Bewegung gegen den Alkoholmissbrauch - zu engagieren. Dieses Engagement führt ihn zunächst zurück nach Trier. 1912 zieht er nach Leutesdorf bei Andernach am Rhein. Von dort aus bereist er das Land, gründet Ortsgruppen des Mäßigungsbundes und wird schließlich Leiter der Bewegung.
Nicht nur Wohlwollen begleitet seine Arbeit
In Leutesdorf erwirbt Haw ein Haus zur Unterbringung und Behandlung von Alkoholabhängigen. Die Umwelt begleitet seine Arbeit nicht nur mit Wohlwollen: Auch unter Hohn, Spott und Widerständen müssen Haw und seine Helfer leiden. Einerseits greifen ihn die Freunde des leichten Lebenswandels als Frömmler und Moralprediger an, anderseits gilt sein Kurs der "Mäßigung beim Alkoholgenuss" bei den damaligen Verfechtern der Totalabstinenz als zu lasch und als "halber Kram". Doch Pater Haw hält seine Richtung bei, denn er weiß: Totalabstinenz predigen ist zwecklos - dafür wird die Masse nie zu haben sein.
Am 15. Oktober 1919 gründet Haw in Leutesdorf gemeinsam mit einigen gleichgesinnten Männern und Frauen den Johannesbund. Sein Ziel: die Gestrandeten, Umherirrenden und von der Gesellschaft Verstoßenen zu retten und sie für den christlichen Glauben zurückzuerobern. Aus dem "Johannesbund" gehen zwei Ordensgemeinschaften hervor: die Gemeinschaft der Johannesschwestern von Maria Königin und die Gemeinschaft der Missionare vom heiligen Johannes dem Täufer. Beide haben ihren Sitz in Leutesdorf. Die Mitglieder arbeiten auch in Portugal, in Mosambik (Ostafrika) und in Indien.
Von den Nazis verfolgt und enteignet
Die schwerste Zeit erlebten Haw und sein Mitstreiter zwischen 1933 und 1945: Schon unmittelbar nach der Machtergreifung begann die Verfolgung durch das NS-Regime. 1941 waren alle über ganz Deutschland errichteten sozialen Johannensbund-Einrichtungen enteignet, die Gemeinschaften verboten und das Werk zerschlagen.
1945 macht man sich an den Neubeginn. Schon 1948 weiht Haw in Bonn ein Heim für gestrandete Mädchen ein, und im Kölner Dombunker am Hauptbahnhof versorgen Haws Missionare und Helfer in dieser Zeit Obdachlose und Vertriebene. Als Johannes Maria Haw am 28. 1949 in Leutesdorf stirbt, hat der "deutsche Don Bosco" aus Schweich sein Haus zum weiteren Aufbau bestellt. Extra Beim Paulinus-Verlag erschienen ist das kleine Buch von Stephan Berghoff "Pater Johannes Haw: Sein Leben - sein Werk, 112 Seiten, fünf Euro. Seit Mitte der 1980er Jahre besteht die "Johannes-Haw-Ausstellung" in Schweich. Zur 25-Jahr-Feier der Stadt Schweich im Frühjahr 2009 wurde die "Johannes-Haw-Ausstellung" nach Renovierungsarbeiten im Kulturzentrum Niederprümer Hof wieder eröffnet. Rund 200 Fotos, Dokumente, alte Kleinschriften und Schautafeln zeigen die sozialen Leistungen des "vergessenen" Priesters. In Text und Bild wird außerdem auf die sozial-karitativen Einrichtungen des Johannesbundes hingewiesen, wie sie heute in mehreren deutschen Städten arbeiten. Weitere Auskunft erteilt die Tourist-Information Schweich, Telefon 06502/ 93380.