Ein Dorf will seine Mitte neu erfinden

Ein Dorf will seine Mitte neu erfinden

Zwei Dorferneuerungen hat Welschbillig schon hinter sich. Nun denkt der Gemeinderat darüber nach, sich als Schwerpunktgemeinde im Rahmen der Dorferneuerung zu bewerben. Denn gerade für den eng bebauten Ortskern sind neue Nutzungskonzepte vonnöten.

Welschbillig. Erst kam der Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden", bei dem es vor allem darum ging, Blumenkübel aufzustellen und Straßen breiter zu machen. Dann begann in Welschbillig 1989 der Dorferneuerungsprozess.
Und nun überlegen Ortsbürgermeister Werner Olk (CDU) und sein Gemeinderat, ob die Mehrortgemeinde Schwerpunktgemeinde im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms werden soll.

Warum wollen die Welschbilliger die Struktur ihres Orts verbessern?
Wie viele andere Dörfer auch nimmt der Leerstand in den Ortskernen zu. Junge Familien bauen eher neue Häuser in Baugebieten, als vorhandene Bausubstanz zu nutzen. Dies trifft besonders auf Welschbilligs dicht bebauten Dorfkern zu, wo es, wie ein Gemeinderatsmitglied in der jüngsten Sitzung des Rats sagte, "viele kleine Parzellen und dicht an dicht stehende Häuser gibt".
Eine weitere Herausforderung ergibt sich durch den Strukturwandel. Nach Aufgabe der Landwirtschaft stehen viele Wirtschaftsgebäude leer. Die schiere Größe der sogenannten Trierer Einhäuser mit Wohnhaus, Scheune und Stall schreckt viele Käufer ab.

Wie können die Welschbilliger die Struktur verbessern?
Was sich aus alten, vergammelten Kästen alles machen lässt, zeigte Planerin Rosa Vollmuth anhand von Bildbeispielen. Sie ist in Kanzem an der Saar zu Hause. Dort und an einigen anderen Stellen in der Region hat sie beratend zur Seite gestanden, als es darum ging, alte Bausubstanz neu zu nutzen. So könnten beispielsweise aus einer Wohnhaus-Stall-Scheunen-Kombination drei Wohnhäuser werden.
Doch nicht allein Planer und Bauherren mit kreativen Ideen sind gefragt. Auch der Gemeinderat hat Aufgaben zu erledigen. Beispielsweise indem er Baurecht schafft, damit Bauplätze im Innenbereich ausgewiesen werden können.

Was ist das Ziel?
Sogenannte Schwerpunktgemeinden der Dorferneuerung genießen die besondere Gunst des Landes. Sie erhalten unter anderem eine hohe Förderung für ganzheitlich angelegte Konzepte im Rahmen einer aktiven Bürgerbeteiligung. Auch der Bauherr hat etwas davon. Rosa Vollmuth: "Alle Dorferneuerungsprojekte, bei denen es um Umnutzungen von Scheunen geht, können mit bis zu 20 000 Euro Zuschuss rechnen."
Was muss als Nächstes getan werden?
Auch wenn es noch nicht den offiziellen Beschluss gibt, sind sich die Welschbilliger Kommunalpolitiker mehrheitlich einig, dass der Ort sich beim Land als Schwerpunktgemeinde bewerben will. "Das ist sicher noch ein langer Weg", sagt Ortsbürgermeister Werner Olk.
Gleichwohl sei dies ein Ansatz, der verfolgt werden soll. Welschbillig könnte wohl angesichts der nötigen Vorlaufzeit frühestens 2014 als Schwerpunktgemeinde anerkannt werden.
Meinung

Zukunft liegt in der Mitte
Das Ausweisen von Neubaugebieten scheint auf den ersten Blick der einfachere Weg zu sein, die Einwohnerzahlen zu halten oder auszubauen. Doch dieses Vorgehen schafft Probleme. Denn die Dorfkerne veröden zusehends, da alte Häuser für neue Nutzer oft zu unattraktiv sind. Sei es, weil sie zu groß sind, sei es, weil sie zu klein oder verbaut sind, sei es, weil das Umfeld nicht passt. All diese Probleme lassen sich beheben. Dazu müssen alle Beteiligten ihren Beitrag leisten. Die Politik muss die rechtlichen Voraussetzungen schaffen. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Eigentümer von Gebäuden in den Dorfkernen aufeinander zugehen und bereit sind, neue Wege zu gehen. Ansonsten bleiben nur viele bedruckte Seiten Papier mit vielen guten Ideen übrig und Dorfzentren, die verlassenen Geisterstädten gleichen. h.jansen@volksfreund.deExtra

Im Landkreis Trier-Saarburg gibt es nach Auskunft der Kreisverwaltung 157 Ortsgemeinden und Ortsteile, die ein Dorferneuerungskonzept erstellen können. Orte mit mehr als 3000 Einwohnern dürfen kein Konzept erstellen. Inzwischen haben 132 Ortsgemeinden und -teile ein Dorferneuerungskonzept erstellt. In der VG Ruwer gibt es 20 Ortsgemeinden und -teile, von denen 13 ein Konzept haben. In der VG Schweich sind es 14 von 19 möglichen Konzepten, während es in der VG Trier-Land 33 von 34 sind. Aktuell gibt es im Land 137 Dörfer, die Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung sind. Seit vergangenem Jahr gehören Freudenburg (VG Saarburg) und Trittenheim (VG Schweich) dazu. har

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