Ein Drache namens Hoffnung

Trier · Drachenbootsport soll nach einer Brustkrebserkrankung helfen, zurück ins Leben zu finden und Lymphödemen vorzubeugen. Dank der TV-Spendenaktion "Meine Hilfe zählt" weihte die Trie rer Selbsthilfegruppe Pinkpaddler ein für das spezielle Training geeignetes Drachenboot ein.

Trier. "Drache erwache!" Mit diesen Worten tauft Dr. Wolfgang Günther, Chefarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe im Mutterhaus Trier, das Junior-Drachenboot der Selbsthilfegruppe Pinkpaddler Trier auf den Namen Hope. Denn die Hoffnung wollen die Pinkpaddler nie verlieren.
Die Gruppe paddelt gegen eine tückische Krankheit. Marion Hoffmann, Leiterin der Pinkpaddlers, war bereits begeisterte Drachenbootsportlerin, als sie 2008 die Diagnose Brustkrebs erhielt: "Nach der akuten Phase dauert es eine Zeit, bis man nach neuen Wegen sucht, mit der Krankheit umzugehen." Hoffmann fand diesen Weg bei den Pinkpaddlern Schierstein in Hessen, einer Selbsthilfegruppe, die ein spezielles Training im Drachenboot absolviert. Der kanadische Sportmediziner Dr. Don McKenzie entwickelte das Programm in den 90er Jahren. Es soll helfen, Lymphödeme zu verringern oder sogar zu verhindern.
Sanfte Art der Fitness


Das Junior-Drachenboot Hope wurde nach traditionellem Ritus getauft. 22 Unterstützer halfen mit ihrer Spende über die TV-Aktion "Meine Hilfe zählt", das Boot zu finanzieren. 7800 Euro kamen zusammen. Bislang trainierten die Betroffenen gemeinsam mit einer Gruppe der Rudergesellschaft Trier, weil das vorhandene Drachenboot zu groß und zu schwer für die Teilnehmerinnen der Selbsthilfegruppe war. Hope bietet nun Platz für zehn Menschen und ist deutlich leichter und einfacher zu transportieren. Ein Vorteil für die oft noch geschwächten Patientinnen, die nicht immer regelmäßig am Training teilnehmen können.
"Pinkpaddler gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt", erzählt Hoffmann. Der Drachenbootsport helfe auf sanfte Art, die Fitness wieder auszubauen und Kraft zu gewinnen. "Noch größer ist aber der psychische Effekt. Wir können uns austauschen, uns ablenken. Wir machen einfach so viele positive Erfahrungen", erklärt Hoffmann.
Die wollte sie unbedingt weitergeben und gründete die Pinkpaddler Trier. "Die Rudergesellschaft Trier war sowieso gerade dabei, eine Drachenbootabteilung aufzubauen", sagt Hoffmann. "Ich habe ihnen meine Erfahrung und Hilfe angeboten, wenn dafür auch eine Selbsthilfegruppe trainieren kann."
Für die Patientinnen ist das Training kostenlos. Viele kommen direkt nach der Akutbehandlung zum ersten Mal vorbei. Auch, weil das Brustzentrum des Mutterhauses auf das Angebot aufmerksam macht. "Deshalb war es uns eine besondere Ehre, dass Dr. Günther bereit war, Taufpate zu sein", sagt Hoffmann.
"Alles kann, nichts muss" ist das Motto der Frauen. Marietta Dahlmann, die die Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs im Haus Franziskus leitet, ist von Beginn an dabei. Sie litt darunter, nach der Erkrankung sportlich stark eingeschränkt zu sein. "Hier kann ich Frust, Enttäuschung und Schmerz ablassen und auf dem Wasser einfach alles vergessen", berichtet sie.
Die Krankheit ist zwar Grund der Treffen, steht aber nicht im Vordergrund. "Ich muss nichts erklären, man fühlt sich verstanden", sagt Dahlmann.
Nach der traditionellen Taufe lassen die Pinkpaddler ihren kleinen Drachen zum ersten Mal ins Wasser. "Flieg von Sieg zu Sieg" rufen sie ihm zu, bevor sie unter Rosenblätter- und Reisregen und mit den besten Wünschen der Gäste auf die Mosel hinaus paddeln.
Der erste Sieg könnte bereits Ende August, beim nächsten Trie rer Drachenbootrennen, eingefahren werden. Das größte Ziel ist aber der Kampf gegen den Krebs.Extra

Der Drachenbootsport stammt aus China und wurde bereits vor 2300 Jahren erstmals erwähnt. Viele Mythen und Rituale ranken sich um seine Entstehung. Bis heute sind Drachenbootwettkämpfe ein großes kulturelles Fest in China. Die Kurzform der traditionellen Taufe soll den Drachen zum Leben erwecken und gleichzeitig zähmen. Zuerst wird das Boot am Kopf, am Rumpf und am Schwanz mit einem Säbel berührt. Dann wird ein chinesischer Geldschein auf den Säbel gesteckt und das Ritual wiederholt. Der Geldschein wird verbrannt und die Asche über den Drachenkopf gestreut. So soll verhindert werden, dass der Drache korrupt wird. Anschließend muss der Drache bekehrt werden, damit er die Mannschaft und die Zuschauer nicht verspeist. Dazu wird ihm ein Bündel Gemüse ins Maul gelegt, das ihn zum Vegetarier werden lässt. Erst dann weckt der Taufpate den Drachen auf, indem er die bis dahin blinden Augen ausmalt und ruft: "Drache erwache." jco