Ein echtes Lesecafé für den Domfreihof

Trier · Das seit langem nur noch sporadisch geöffnete Café Kokolores schließt zum 31. März. Künftig soll das Café direkt zur Stadtbücherei gehören - die in diesem Zuge komplett umstrukturiert wird.

Trier. Der Domfreihof ist eine der beliebtesten und schönsten Gastro-Terrassen der Stadt. Die Stühle und Tische vor dem Café Kokolores sind allerdings seit langem verwaist. Gestartet war das vom Verein Kulturgut betriebene Kokolores im Januar 2011 als Lesecafé - erfüllt hat es diesen Anspruch allerdings nie. "Es gab trotz unserer Angebote nie eine Kooperation mit der Bücherei oder der Volkshochschule", klagt Rudolf Hahn, Leiter beider Einrichtungen im Palais Walderdorff. "Statt sich nach der Zielgruppe unseres Bildungszentrums auszurichten, hat sich das Café Kokolores am Publikum des Discobereichs im Untergeschoss orientiert."
Dabei war bereits beim Umbau des Palais Mitte der 1990er-Jahre eine Kooperation von Bücherei und Café vorgesehen worden: Eine Tür führt daher auch vom Leseraum direkt ins Café. Hahn will diese Verbindung beleben. "Aufenthaltsqualität wird für Bibliotheken immer wichtiger. Alle neuen Bibliothekskonzepte in Deutschland beinhalten Lesecafés als nicht-kommerzielle Orte der Begegnung."
Eine Umstrukturierung der Stadtbücherei am Domfreihof ist bereits länger geplant. Kürzlich habe dann die Nikolaus-Koch-Stiftung, der das Gebäude gehört, die Stadt gefragt, ob diese Interesse hat, die Café-Räume an die Bibliothek anzubinden, erklärte Triers Sozialdezernentin Angelika Birk in der jüngsten Sitzung ihres Dezernatsausschusses. "Dieses Angebot haben wir dann gerne angenommen", sagte Birk.
Mit dem Verein Kulturgut, der das Kokolores betreibt, hat die Stiftung nach TV-Informationen zum 31. März einen Auflösungsvertrag geschlossen.
2013 kamen 110 000 Besucher


Als neuen Betreiber für das künftige Lesecafé hat Bibliotheksleiter Hahn den Trierer Jugendhilfeverein Palais ins Auge gefasst. Grundsätzlich sei man auch anderen Partnern gegenüber offen, betont Hahn. Allerdings müssten diese mehrere Anforderungen erfüllen: Das Café soll das Bildungsangebot der Stadtbibliothek ergänzen. "Der Verein Palais hat als Bildungsträger mit solchen Projekten Erfahrung", sagt Hahn. Zudem soll es ein kleines Speiseangebot im Lesecafé geben, das keine Küche hat. Hahn: "Bis zum Café Balduin in der Christophstraße, das der Palais e.V. betreibt, ist es nur eine kurze Strecke - das Lesecafé könnte vom Café Balduin gastronomisch mitversorgt werden."
Der Betreiber des Lesecafés muss die übliche Pacht an die Nikolaus-Koch-Stiftung entrichten. Dass diese erwirtschaftet werden kann, obwohl nicht nur das Café Kokolores, sondern auch zuvor schon der Verein Produktion daran gescheitert sind, ist sich Hahn sicher: "Alleine die Stadtbibliothek hatte 2013 rund 110 000 Besucher, dazu kommen rund 190 000 Besucher von VHS und Musikschule. Richtet man sein Angebot auf diese Kunden aus, dürfte der Besuch im Café rege sein."Extra

Herzstück der Umstrukturierung der Stadtbücherei ist das neue Selbstlern- und Beratungszentrum, das im bisherigen Multimedia-Bereich der Bibliothek eingerichtet wird. An Gruppen- und Einzelarbeitsplätzen werden zwölf Laptops mit Lern- und Bildungsprogrammen sowie Infos zu Qualifikations- und Berufswegen zur Verfügung stehen. Die Zeitungs- und Zeitschriftenabteilung - insgesamt 55 Titel - wird ins neue Lesecafé verlegt. Der Ausleih- und der Lesebereich der Bücherei werden räumlich stärker getrennt. Das Konzept für die Umstrukturierung hat die Stadt Trier gemeinsam mit Professor Richard Stang entwickelt, Spezialist für die Gestaltung von Lehrräumen. Konzeption und Umbau kosten rund 130 000 Euro, die aus zwei Bundesbildungsprogrammen und von der Nikolaus-Koch-Stiftung stammen. Die umstrukturierte Stadtbücherei soll am 27. Mai eröffnen. woc