Ein ehrlicher Finder

Der Trierer Straßenkehrer Roland Geib findet eine Geldbörse mit 1100 Euro. Ohne zu zögern macht er den Besitzer ausfindig und gibt ihm das Portemonnaie zurück. Nach der TV-Berichterstattung einen Tag später wird der ehrliche Finder von einer Welle an Sympathiebekundungen überrollt.

Trier. Die Frühschicht beginnt um 5 Uhr. Auch an diesem kühlen Augustmorgen klettert Roland Geib pünktlich auf seine Kehrmaschine. Er wirft den Motor des orangefarbenen Wagens an. Los geht\'s. Um 8.15 Uhr ist Roland Geib am Kornmarkt. Vor ihm fährt ein Radfahrer vorbei. Etwas macht plumps. "Ein Geräusch halt, als wäre was auf den Boden gefallen", berichtet Roland Geib. Der Radfahrer fährt weiter. "Da bin ich halt ausgestiegen und hab das Portemonnaie aufgehoben", sagt Roland Geib. Aus der Börse quellen die Scheine. 1100 Euro sind es. "Ich hab mir gleich gedacht, dass da einer gerade von der Bank kommt und bestimmt einen Flug oder eine Urlaubsreise bezahlen wollte", sagt Geib. Der Straßenkehrer besorgt sich ein Telefonbuch und schlägt den Namen nach, der im Führerschein und im Personalausweis steht. Doch unter der Festnetznummer geht niemand dran.
Familie Bartels hat sich die Mittelmeerinsel Sardinien für ihren Urlaub ausgesucht. In den nächsten Tagen soll es losgehen. Mehr als 1000 Euro hat Gunnar Bartels dafür in kleinen Scheinen von der Bank geholt. Doch jetzt steht er ratlos im Büro, ohne Geld. "Ich hatte eine Jeans mit weiten Gesäßtaschen an - da muss die Geldbörse herausgerutscht sein, dachte ich." Bartels fährt den Weg von seinem Büro zurück nach Hause. Doch nirgends ein Portemonnaie.
Beim nächsten Halt mit seiner Kehrmaschine versucht Roland Geib sein Glück noch mal. Er tippt auf seinem Handy die Rufnummer ein. Und Gunnar Bartels hebt ab. "Da ruft mich einer an und sagt, er will mir 1100 Euro zurückgeben - das hat mich umgehauen." Die beiden Männer machen aus, sich am Nikolaus-Koch-Platz zu treffen. Noch vor der Mittagspause hat Gunnar Bartels nicht nur seine 1100 Euro wieder, sondern auch sämtliche Ausweispapiere.
Lob und Anerkennung


"Ich hab mich gefreut wie irre, nicht nur wegen des Geldes und den ganzen Papieren, sondern auch darüber, dass da ein einfacher Mann so ehrlich ist und dieser großen Versuchung widerstanden hat", sagt Bartels.
"Für mich war es gar keine Frage, dass das Geld zum Besitzer zurückmuss. Alles andere hätte mich keine Nacht mehr ruhig schlafen lassen", sagt Roland Geib. Darüber, wie hoch der Finderlohn war, den Gunnar Bartels ihm sofort zugesteckt hat, will der städtische Angestellte nicht sprechen. "Aber er war definitiv großzügig - mit so viel hätte ich niemals gerechnet!", sagt er.
Nach der TV-Berichterstattung ist Geib von einer Welle an Sympathiebekundungen überrollt worden. Mehr als 1400 Leser haben auf der TV-Facebook-Seite den Artikel über Roland Geib mit "gefällt mir" markiert, 70 Leser haben den Bericht auf ihrer eigenen Facebook-Seite veröffentlicht und 90 Leser ihre Begeisterung in Kommentaren wie "toll, dass es noch so ehrliche Menschen gibt" und "Danke, für dieses gute Beispiel!" ausgedrückt.
Mehrere Trierer hat die Geschichte vom ehrlichen Straßenkehrer so sehr angerührt, dass sie Roland Geib eine Freude machen wollen. Allen voran Reinhard Hauser. Der Seniorchef des Trierer Modehauses Marx hat Roland Geib und seiner Frau einen einwöchigen Urlaub am Meer geschenkt, inklusive Flug und Halbpension. Die Trierer Viezbruderschaft will Roland Geib beim Viezfest am 6. September eine der begehrten Künstler-Viez-Porze schenken.
"Ich freue mich wirklich über die Anerkennung und sage vielen Dank - jetzt ist dann aber auch mal gut", sagt Roland Geib dazu. Und meint es auch so: Dem Fernsehsender, der über seine gute Tat einen kleinen Film drehen wollte, hat der Straßenkehrer jedenfalls eine Absage erteilt. So viel Aufhebens müsse nun wirklich nicht sein.