| 20:39 Uhr

"Ein einfaches Leben, viel Arbeit und ein fester Glaube"

 Anna Spielvogel freut sich über ihren prächtigen Blumenstrauß, den sie zum 102. Geburtstag geschenkt bekommen hat. TV-Foto: Silke Jessen
Anna Spielvogel freut sich über ihren prächtigen Blumenstrauß, den sie zum 102. Geburtstag geschenkt bekommen hat. TV-Foto: Silke Jessen FOTO: Silke Jessen (sj) ("TV-Upload Jessen"
Gusterath. Was hat sie schon alles erlebt und mitgemacht, die 102-jährige Anna Spielvogel aus Gusterath. Ihren großen Ehrentag feiert die hochbetagte Dame mit Familie, Freunden und Gratulanten gemeinsam. Sie ist älteste Bürgerin der Verbandsgemeinde Ruwer.

Gusterath. Nicht jede kann sich rühmen, einen Ururenkel zu haben. Anna Spielvogel kann es und darauf ist sie stolz: Alexander heißt der jüngste Spross der Familie und ist sieben Jahre alt. Und dann gibt es da auch noch vier Urenkel und vier Enkel.
Mit hellwachen, blauen Augen und freundlich klarer Stimme begrüßt die alte Dame im Hause des Sohnes ihre prominenten Gäste: Bernhard Busch, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer, Kreisbeigeordnete Stephanie Nickels und Stefan Metzdorf, Beigeordneter von Gusterath. Sie überbringen Grußworte der Ministerpräsidentin und erfreuen die Seniorin mit Blumensträußen. Bei einem Gläschen Sekt plaudert die Gastgeberin ein wenig aus ihrem langen und ereignisreichen Leben. "Ein einfaches Leben, viel Arbeit und ein fester Glaube haben mich so alt werden lassen", verrät sie den Gästen.
Stefan Metzdorf freut sich: "Wir sind stolz, eine 102-Jährige bei uns in der Gemeinde zu haben" und nennt sie ein lebendiges Geschichtsbuch. Und damit hat er wohl recht. Die betagte Dame wurde am 22. September 1914 in Buchelsdorf (Böhmen) geboren, das damals noch zu Österreich-Ungarn gehörte und von Kaiser Franz Joseph regiert wurde. Sie arbeitete ein paar Jahre als Kinderfräulein bei einem ungarischen Grafen, dann als Näherin und später verteilte sie die Post.

Ihr Mann kehrte aus dem 2. Weltkrieg aus Russland nicht zurück. Und so musste sich Anna Spielvogel mit ihren beiden Kindern alleine durchschlagen. Als Heimatvertriebene floh sie nach Ende des 2. Weltkrieges aus der Tschechoslowakei Richtung Westen. Nach einigen Stationen ließ die Familie sich in Gusterath nieder.
"Bis 2006 war meine Mutter noch selbsattändig und hat alleine gelebt. Dann hatte sie ihren Schlaganfall und seitdem betreuen meine Frau und ich meine Mutter", sagt Sohn Adolf Spielvogel. Sie verlasse nicht mehr oft das Haus und im Garten sei sie auch nicht mehr so oft wie früher, und müde sei sie auch oft, erzählt die Hochbetagte. Und dann setzt sie wieder einen schelmischem Blick auf und sagt ganz zufrieden: "Das Wetter ist gut, alles ist gut, was will man denn dann noch mehr." sj