"Ein Eis, per favore"

Seit vier Jahrzehnten versüßen die Italiener aus der Eisdiele "Cortina" in Schweich den Moselanern den Sommer. Im Jahr 1968 erfüllte sich Arduino Costantin den Traum von der Selbstständigkeit und eröffnete das Lokal rund um die kühlende Süßigkeit - das "Gelato".

Schweich. (kat) Arduino Costantin aus den Dolomiten hatte vor 40 Jahren zwei gute Gründe, um in Schweich eine Eisdiele zu eröffnen: Nach der Zeit als Angestellter in einem Trierer Eiscafé wollte er sich seinen Traum von der eigenen Eisdiele erfüllen, und Schweich hat ihm schlichtweg sehr gefallen. Die Schattenseiten der Selbstständigkeit spürten der Italien und seine Frau Ada bereits im ersten Jahr. "Statt Sonnenschein regnete es den ganzen Sommer", erzählt die Tochter Fabiola Soccol. Sie ist in die Fußstapfen der Eltern getreten und arbeitet seit ihrem 13. Lebensjahr in der Eisdiele, seit 15 Jahren führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Plinio und dem unentbehrlichen "Onkel" Luiguino Costantin das Lokal. Wie die Mutter besuchen auch ihre Kinder Nicola und Diana traditionsgemäß die Schule in den Dolomiten. "Die Großeltern passen dann auf unseren Sohn und die Tochter auf", sagt die 42-Jährige. Im Winter herrscht Eiszeit in der Schweicher Eisdiele. Dann kehren die Soccols und der Onkel in die Heimat zurück. "80 Prozent der Erwerbstätigen in unserem Tal sind Eisdielenbesitzer", erzählt Fabiola Soccol. In den Wintermonaten prägten Autos mit Nummernschildern aus deutschen, belgischen und holländischen Orten das Bild in den Straßen des italienischen Heimatdorfes. Im Frühjahr folgen die "Zugvögel" dann wieder dem Ruf der warmen Jahreszeit. Dann nehmen sie Abschied von den Kindern und ihrem Tal. Denn die Arbeit in der Eisküche und im Lokal in Deutschland beginnt wieder. Einiges hat sich in den vier Jahrzehnten im "Cortina" verändert: Die Inneneinrichtung ist moderner geworden und die Eiskarte wesentlich länger. 119 statt sieben Eiskreationen stehen heute auf der Karte. Doch nach wie vor seien Klassiker wie Vanille, Schokolade oder Malaga das Standbein der Eisdiele, erzählt Fabiola. An das Doppelleben hat sie sich längst gewöhnt. Italienische Musik im Schweicher Lokal oder der tägliche Genuss ihres Lieblingseises "Moretto" helfen, die Sehnsucht nach Zuhause zu zügeln. Doch auch in Schweich fühlt sich die Familie wohl. "Es ist so schön, wenn die Leute ,Hallo Fabiola, seid ihr wieder da?' rufen, wenn wir unser Lokal jedes Jahr im Frühjahr wieder öffnen."

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